Von Christoph Ruf
29 Minuten war die Partie schon alt, als die Nürnberger Fankurve erstmals ein Lied anstimmte, das seit Jahren zum Repertoire in 17 von 18 Bundesliga-Fanszenen gehört: "Ihr werdet nie deutscher Meister", ein Spottgesang auf die chronische Titellosigkeit von Bayer Leverkusen, schallte es durchs weite Rund. Kurz darauf hatte Bayer Leverkusen mit der Niederlage bei den wackeren Nürnbergern tatsächlich ein Klischee bestätigt, das man eigentlich für veraltet gehalten hatte. Dass Leverkusen zwar schönen Fußball spielt, aber immer dann versagt, wenn es darauf ankommt, die Früchte der eigenen Arbeit zu ernten.
Bayer 04 hätte am Ende des 25. Spieltages die Tabellenspitze belegen können, schließlich hatten die Bayern am Vortag beim 1. FC Köln gepatzt. Es wäre dazu allerdings ratsam gewesen, beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg zu gewinnen. Stattdessen unterlag man 2:3 - verdient, wie nach dem Spiel fast alle Beteiligten fanden. "Wir haben den Nürnbergern viel zu viel Raum gelassen", ärgerte sich Stefan Kießling. Sein Team sei stabil genug, um sich wieder zu berappeln: "Bayern hat in dieser Spielzeit schon dreimal vorgelegt, und wir haben dreimal nachgelegt. Da lassen wir uns doch keine Krise einreden."
Auch Manager Rudi Völler wäre am liebsten allen Reportern an die Gurgel gesprungen, die aus der Niederlage mehr herauslesen wollten als eine Niederlage. "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen und erst in der letzten halben Stunde gezeigt, was wir können." Ansonsten seien noch neun Partien zu spielen, die Saison also bei drei Punkten Rückstand auf die Bayern (und einem auf Schalke) längst nicht gelaufen. Man müsse eben demnächst wieder über 90 Minuten so spielen, wie in der Schlussphase im Fränkischen.
Heynckes analytisch, Bayers Innenverteidigung fahrlässig
Etwas analytischer ging Trainer Jupp Heynckes zu Werke, der eine eigene Mitschuld am Debakel nicht ausschließen wollte. Das Team müsse wieder zu sich selbst finden, forderte er, "wir müssen wieder wie Bayer 04 spielen, mit einem Schuss Risiko." Durch diese Direktive, so Heynckes nach dem Spiel, habe er sein Team vielleicht zu sehr nach vorne getrieben. "So darf man im Defensivverbund aber einfach nicht auftreten."
Tatsächlich war es schon grob fahrlässig, wie die Leverkusener Innenverteidigung die beiden Treffer durch Eric Maxim Choupo-Moting (43./45.) ermöglichte. Bei punktgenauen Pässen spricht man ja seit einiger Zeit gerne von einem Ball "in die Schnittstelle der Abwehr". Was sich beim zweiten Treffer in der Leverkusener Defensive auftat, war jedoch keine Schnittstelle, sondern eine klaffende Wunde. Keeper René Adler dürften die Schlampereien seiner Vorderleute besonders geärgert haben - der DFB hatte Torwarttrainer Andreas Köpke an seine alte Wirkungsstätte beordert. Prompt ließ sich auch Adler von den Schlampigkeiten anstecken. Beim dritten Nürnberger Treffer (Tavares, 55.) reagierte er doch ein wenig zu gemächlich.
Selbstverständlich haben auch Schalke 04 und vor allem Bayern München - erinnert sei an das großartige Spiel gegen Juventus Turin in der Champions League - in dieser Saison schon meisterwürdige Leistungen gezeigt. Doch es gibt wohl nicht viele Fußballfreunde, die bestreiten würden, dass Leverkusen das Team ist, das über die gesamte bisherige Saison gesehen, spielerisch am meisten überzeugte. Und nicht nur das: Seit Jupp Heynckes, der ebenso erfahrene wie lernfähige Fußball-Fachmann, das Steuer übernahm, schien zur spielerischen Klasse eine neuartige mentale Stabilität hinzuzukommen. Bis zu dem merkwürdig blutleeren Auftritt am Sonntagnachmittag hatte man geglaubt, Bayer habe in dieser Saison endlich seine geradezu sprichwörtliche Labilität abgelegt.
Wer am Sonntag Stefan Kießling und mach anderen Leverkusener Spieler beobachtete, hat zumindest einen neuartigen Trotz kennengelernt. Sie wollen sie nicht mehr hören, die abgewetzten Lieder und die schalen "Vizekusen"-Witzeleien. Noch haben sie es in der Hand, sie zum Verstummen zu bringen. Vorausgesetzt, Bayern und Schalke lassen sich auch noch mal von einem vermeintlichen Underdog aufs Glatteis führen.
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Na ja, es gibt schon einen Unterschied zwischen Uruguay (3,5 Mill. Einwohner) und dem anachronistischen Fürstengebiet Liechtenstein mit 30.000 Einwohner und 10 x soviel Briefkästen. Ich würde es eher für unwahrscheinlich [...] mehr...
Unabhängig davon, ob es Lichtenstein gibt oder nicht, ist Uruguay zweimal Weltmeister geworden. Auch nicht gerade das allergrößte Land, weder nach Fläche noch nach Einwohnern. Li(e)chtenstein hat also Hoffnung. mehr...
Na,na, die haben immerhin gegen die Schweiz gewonnen; die sind im Kommen...2050 sind sie vielleicht dabei. Schade, dass ich es nicht mehr erlebe. mehr...
Die Punkte werden ausreichen und die Bushaltestelle(Hoffenheim) wird dann im nächsten Spieljahr im 2.Versuch einen qualifizierten Abstieg vollenden. Und das ist gut so, denn es ist nicht gut, das so ein Örtchen in der Ersten [...] mehr...
Wahrscheinlich nicht. Deshalb mussten die Hoffe-Spieler ja in die Weltstadt Heidelberg um dort die Nachtszene aufzumischen :-) mehr...
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