Von Peter Ahrens
Am 22. Mai wird Madrid ein riesiges Fußballfest feiern. Die zwei besten Clubs aus Europa spielen dort den Titel der Champions League aus. Die Stadt wird überquellen voller erwartungsfroher Fans aus der ganzen Welt, das großartige Bernabeu-Stadion stellt die Bühne dar. Fußball als Oper.
Das wird der Tag sein, an dem Madrid in Trauer versinkt.
Denn Real Madrid, der Hauptstadtclub, wird an diesem Tag nur zuschauen - schon wieder. Nach dem Achtelfinal-Aus gegen Olympique Lyon ist das Milliardenprojekt Champions-League-Sieg auch in diesem Jahr vorzeitig gescheitert.
Sechsmal nacheinander ist Real im Achtelfinale der Königsklasse ausgeschieden. Aber nie war das so fatal wie in diesem Jahr, in dem Präsident Florentino Pérez mehr als 250 Millionen Euro in neue Spieler investiert hat - und in dem das Finale im eigenen Stadion zur Krönungsmesse für Pérez werden sollte. Mit finanzieller Brachialgewalt wollte er, der Bauunternehmer, sich sein Denkmal errichten und den zehnten Champions-League-Triumph in der Geschichte des Vereins erzwingen. Der letzte reicht in das Jahr 2002 zurück - viel zu lange her für die Ansprüche eines Clubs, der sich für den bedeutendsten auf dem gesamten Planeten hält.
Ballett tanzt nur eine Halbzeit
Zu dem größten Verein der Welt gehört der größte Spieler der Welt. Deshalb hat Pérez im Sommer den Portugiesen Cristiano Ronaldo für 94 Millionen Euro Ablösesumme von Manchester United nach Madrid geholt. Und gegen Lyon schien Ronaldo zu beweisen, warum er so viel Geld wert ist. Er war der Spieler der ersten Halbzeit. Er schien überall zu sein. Er schüttelte seine Gegenspieler ab wie lästige Paparazzi. In der fünften Minute schob er Lyons Torwart Hugo Lloris den Ball mit einer Entschlossenheit durch die Beine ins Tor, dass es den Olympique-Verteidigern Angst und Bange werden musste. Real war wie eine Walze. Manchmal spielte das Team in diesen ersten 45 Minuten tatsächlich so, wie es genannt wird: wie ein weißes Ballett.
Auf der rechten Seite ließ Außenverteidiger Sergio Ramos eine schöne Flanke nach der nächsten in den Strafraum der Franzosen steigen. Im Mittelfeld verteilte Guti die Bälle wie ein Oberkellner die Speisekarten. Die Bälle flogen Lloris nur so um die Ohren, aber meistens hatte der Tormann noch irgendwie eine halbe Hand am Ball oder einen Fuß. Bei einem Alleingang des Argentiniers Gonzalo Higuain war allerdings auch Lloris überspielt. Der Ball Higuains rollte nur an den Innenpfosten statt ins Tor. Der zweite Treffer, er war überreif, aber er fiel bis zur Pause einfach nicht. Die bedauernswerten Franzosen wurden statt mit einem 4:0 lediglich mit 1:0 von den Hausherren in die Kabine entlassen.
Den Real-Anhängern musste spätestens da unwohl in der Erwartung dessen werden, was noch kommen würde. Schließlich ist Lyon das Schreckgespenst der Madrilenen. Fünfmal war man zuvor in der Champions League aufeinander getroffen, fünfmal war Madrid anschließend nicht als Sieger vom Platz gegangen. Kein Real-Fan hat die Demütigung vergessen, die Olympique 2005 den Spaniern bei einem schmählichen 3:0 in nur einer Halbzeit bereitet hat.
So behielt auch im sechsten spanisch-französischen Duell die Statistik Recht. Lyon nahm in der zweiten Hälfte das Spiel an sich, Real bettelte geradezu um den Ausgleichstreffer, der den Franzosen nach dem Hinspielsieg gereicht hätte, und der Bosnier in Diensten Lyons, Miralem Pjanic, tat den Spaniern nach 75 Minuten den Gefallen. Reals Reaktion: nur Anrennen, ohne Sinn und Struktur. Torschlusspanik beim Ballett.
Die Stunde der Revolverblätter
Was jetzt kommt, ist mehr als vorhersehbar, weil es schon so oft in den vergangenen Jahren passiert ist. Die Revolverblätter "As" und "Marca", die Tag für Tag zehn Seiten über Real produzieren, werden sich auf Trainer Manuel Pellegrini einschießen. "Adios Champions, Adios Pellegrini", hat "Marca" schon am Morgen nach dem Ausscheiden vorgelegt. Der Chilene, der am Mittwoch die "volle Verantwortung" für die Pleite übernahm, sollte schleunigst damit beginnen, den Markt zu sondieren. Real ist zwar seit dem vergangenen Wochenende Tabellenführer in der spanischen Liga und erstmals seit langem mal wieder vor Dauer-Rivale FC Barcelona platziert, aber Pellegrini wäre beileibe nicht der erste Real-Trainer, der mit einem Titel dekoriert vor die Tür gesetzt würde. Den Trainer-Koryphäen Jupp Heynckes und Fabio Capello ist das auch schon widerfahren.
Pellegrini ist ein ruhiger, leiser Typ, ein besonnener Mann - und damit der Gegenentwurf zu Pérez, der verbal gerne am ganz großen Rad dreht und dessen Ansprachen mit wolkigen Worten wie "Träume" und "Hoffnungen" gespickt sind. Pérez war schon einmal Präsident bei Real von 2000 bis 2006. Er hat Zinédine Zidane nach Madrid geholt, David Beckham, Ronaldo und Luís Figo. Er hat die "Galaktischen" in die Welt gebracht, er hat die Marke Real neu erfunden. Es war nicht die sportlich erfolgreichste Zeit von Real Madrid.
Pérez sagt, die teuersten Spieler seien letztlich jene, die das meiste Geld in die Vereinskasse bringen. Für ihn sind Spieler Markenprodukte. Das Beste muss gerade gut genug sein. Für einen Trainer ist das Paradies und Hölle gleichermaßen. Er hat die edelsten Spieler zur Verfügung, die die Branche global hergibt. Traumhafte Ausgangsbedingungen. Wenn es aber nicht klappt mit dem Champions-League-Gewinn, ist man ganz schnell raus aus dem großen Geschäft. Da versteht Pérez keinen Spaß. Real Madrid hatte neun Trainer in den vergangenen sieben Jahren.
Die Anhänger von Real haben einen Alptraum, aus dem sie zurzeit Nacht für Nacht schweißgebadet erwachen. Der Traum spielt in ihrem Stadion, es ist der 22. Mai, und der Mannschaftskapitän des FC Barcelona, Carles Puyol, reckt den gerade gewonnenen Champions-League-Pokal hoch. In den Madrider Nachthimmel.
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Gebe zu das mein Herz für Barca schlägt und der Alptraum der Madrelenen wahr wird hoffentlich. Zum CL Spiel von Madrid die haben 11 Egoisten auf dem Feld wenn schon Chr. Ronaldo von sich behauptet er sei Entertainer dann kann [...] mehr...
in der ersten Halbzeit haben die Madrilenen eigentlich sehr gut gespielt. Warum dann in der zweiten Halbzeit der Bruch kam, keine Ahnung. Der Trainer jedenfalls macht auf mich nicht den souveränsten Eindruck. Er wirkte etwas [...] mehr...
Aus diesem Grund wünsche ich mir insgeheim, dass ManU den Titel wieder holen wird. Das Finale werde ich mit meiner portugiesischen Lebensgefährtin im portug. Verein anschauen. Aufgrund meine hämischen Kommentars bzgl. [...] mehr...
Deutschland hat doch nie so einen Club wie Real Madrid gehabt[/QUOTE] Das stimmt allerdings leider nicht. Denn bis auf die Siege in den 50er und 60er Jahren hat Real ja wirklich nicht so viel zustande gebracht auf [...] mehr...
Das kann ich nur unterstützen, wobei ich noch hinzufügen will, dass einer der grossen Sieger der EM, Silva der Kopfstosskünstler, bei Real Madrid auch auf dem Einkaufszettel steht. Bekanntlich stehen solche Spieler bei Madrid [...] mehr...
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