Hamburg - Kevin Kuranyi breitete beide Arme aus, schrie seine Freude heraus und richtete den Blick nach oben: Der Angreifer des FC Schalke 04 hatte soeben den Führungstreffer gegen den VfB Stuttgart erzielt. Und wenn die Stadionregie in diesem Moment auf dem riesigen Videowürfel unter dem Dach der Gelsenkirchener Arena den aktuellen Tabellenstand eingeblendet hätte, dann hätte Kuranyi gesehen: Dank seines Treffers hat Schalke 04 die Tabellenführung in der Bundesliga übernommen. Das blieb auch nach 90 Minuten so - denn ein weiterer Treffer sollte an diesem Abend nicht mehr fallen.
Mit seinem 14. Saisontor sicherte der frühere Nationalspieler den Königsblauen den 2:1 (0:0)-Sieg gegen Stuttgart und zumindest für eine Nacht Platz eins. Rekordmeister Bayern München kann am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) schon mit einem Unentschieden gegen den SC Freiburg die Spitze zurückerobern.
Der ehemalige Stuttgarter Kuranyi schoss die Gelsenkirchener mit seinem Treffer in der 55. Minute zum achten Heimsieg in Folge. Der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Edu hatte die Schalker in Führung gebracht (46.), Abwehrspieler Serdar Tasci für den VfB ausgeglichen (50.). "Wir gehen glücklich nach Hause und sind zufrieden mit diesem wichtigen Sieg. Wir haben aber noch viel vor uns und müssen weiter hart arbeiten", sagte Kuranyi, der in der Torschützenliste zum Leverkusener Stefan Kießling aufschloss und für Schalke wohl nie wertvoller war als in dieser Saison.
Der Stuttgarter Sportdirektor Horst Heldt haderte mit der Szene vor dem Schalker 2:1, in der drei S04-Spieler im passiven Abseits gestanden hatten: "Das ist Müll mit dem passiven und dem aktiven Abseits." Über diese Situation wurde nach der Partie am meisten diskutiert. "Beim 2:1 kann der Linienrichter nicht erkennen, ob es Abseits war oder nicht. Das ist unmöglich", sagte Schalkes Trainer Felix Magath. Sein Stuttgarter Kollege Christian Gross hielt das zweite Schalker Tor für "regelgerecht", nachdem er die Fernsehbilder betrachtet hatte. "Es war eine neue Situation, also kein Abseits", sagte Gross dem Bezahlsender Sky.
Turbulente zweite Hälfte
Nach der Pause überschlugen sich vor 61.673 Zuschauern die Ereignisse in der ausverkauften Schalker Arena: Magath bewies ein glückliches Händchen, als er zur zweiten Halbzeit Edu für den angeschlagenen Jefferson Farfan einwechselte. Der Brasilianer nutzte die Konfusion in der Stuttgarter Abwehr und erzielte nach einem Querschläger von Tasci sein erstes Bundesliga-Tor für Schalke.
Aber Tasci machte seinen Fehler nur vier Minuten später wieder gut. Nach einem Freistoß von Zdravko Kuzmanovic köpfte der Nationalspieler zum 1:1 ein. Schalkes Kapitän Heiko Westermann hatte den Stuttgarter ungehindert an den Ball kommen lassen. Doch auch Westermann gelang schnell die Wiedergutmachung: Nachdem Ivan Rakitic die Stuttgarter Abseitsfalle überlistet hatte, legte der Nationalspieler quer auf Kuranyi, der den Ball nur noch über die Linie drücken musste.
"Wir haben Schalke beschenkt"
"Meine Mannschaft hat so gespielt wie immer: in der ersten Halbzeit etwas verhalten, dann nach der Pause energischer. Wir konnten uns bei Manuel Neuer bedanken, dass wir ohne Gegentor in die Halbzeit gegangen sind. Doch statt nach der Führung nochmal nachzusetzen, haben wir dem Gegner das Feld überlassen. Der VfB war bärenstark, wir haben glücklich gewonnen", sagte Magath. VfB-Torwart Jens Lehmann ärgerten vor allem die zwei Fehler, die zu den Gegentoren führten: "Wir haben Schalke beschenkt."
In der ersten Hälfte hatte Schalke zwar versucht, von Beginn an Druck zu erzeugen, lauerte dann aber lange Zeit nur auf Konter - Torchancen blieben selten. Die erste Möglichkeit hatte S04: Peer Kluge eroberte in der gegnerischen Hälfte den Ball, Jefferson Farfan setzte sich durch, doch Kuranyi verfehlte knapp das lange Eck (14.).
Die Stuttgarter, die unter Trainer Gross acht von zwölf Pflichtspielen gewonnen hatten, versteckten sich nicht. So entwickelte sich ein abwechslungsreiches Spiel. Allerdings fehlte auf beiden Seiten zunächst die Präzision beim letzten Pass in die Spitze. Die beste Möglichkeit für die Gäste hatte Pawel Pogrebnjak, der allerdings aus kurzer Entfernung an Nationaltorwart Manuel Neuer scheiterte (35.). "Wir hatten die größeren Spielanteile und die besseren Chancen. Wir hätten in Führung gehen müssen", sagte VfB-Sportdirektor Heldt zur Pause. Doch danach schlug zunächst Schalke zu.
FC Schalke 04 - VfB Stuttgart 2:1 (0:0)
1:0 Edu (46.)
1:1 Tasci (50.)
2:1 Kuranyi (55.)
FC Schalke 04: Neuer - Rafinha, Höwedes, Bordon, Westermann - Matip (46. Baumjohann) - Kluge (85. Moritz), Rakitic, Schmitz - Farfán (46. Edu), Kuranyi
VfB Stuttgart: Lehmann - Träsch, Tasci, Niedermeier, Molinaro - Kuzmanovic, Khedira - Gebhart (73. Rudy), Hleb (81. Marica) - Pogrebnjak, Cacau
Schiedsrichter: Lutz Wagner (Hofheim)
Zuschauer in Gelsenkirchen: 61.673 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Höwedes (2), Rafinha (7) / Niedermeier (1), Tasci (8)
wit/sid/dpa
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