Aus Manchester berichtet Sebastian Winter
Zum ersten Mal hat Manchester United daheim gegen die Bayern gewonnen. Gefreut hat sich bei Englands Meister nach diesem Viertelfinal-Abend in der Champions League aber niemand. Der Favorit ist gegen den FC Bayern ausgeschieden. Völlig unverdient, würde man nur die ersten 40 Minuten des Rückspiels betrachten, in denen München von Manchester vorgeführt wurde. Völlig verdient, betrachtet man die zweite Halbzeit, in der die Münchner das Spiel kontrollierten.
Zunächst kam es für die Gäste jedoch noch schlimmer als im Hinspiel, in dem Manchesters Stürmer Wayne Rooney mit seinem 63-Sekunden-Tor die Münchner überrumpelt hatte: Entgegen allen Ankündigungen und trotz seiner Knöchelblessur lief der ManU-Star auch in Old Trafford von Beginn an auf.
Und dann gingen die Überraschungen für die Münchner weiter: Gleich zwei frühe Gegentore mussten sie hinnehmen, durch Darron Gibson (3.) und Nani (7.), der den Ball mit der Hacke an Bayerns Torwart Jörg Butt vorbei ins Netz zauberte. Die 74.482 Zuschauer trieben Manchester nach vorn zu und schienen die Gäste einzuschüchtern - die Bayern verloren in der ungewohnten Atmosphäre ihre Spiel-Philosophie. Langer Ballbesitz? Kontrolliertes Spiel? Schneller Raumgewinn über die Außenpositionen? Nichts von van Gaals Fußballlehre war mehr zu sehen.
Die Bayern-Defensive braucht Verstärkung
Stattdessen die blanke Verunsicherung. Holger Badstuber als Beispiel zu nehmen, ist einfach, denn der 21-Jährige hatte in den ersten 45 Minuten gegen Manchester seinen wohl schwächsten Auftritt als Linksverteidiger im Bayern-Dress. Doch nicht nur Badstuber, der von Franck Ribéry nach wie vor kaum Hilfsdienste in der Defensive bekommt und gegen den starken Antonio Valencia spielen musste, war überfordert. Die komplette Bayern-Hintermannschaft wirkte wie ein Freizeitkicker-Team. Wie hypnotisiert vom magischen Angriffswirbel Manchesters wankten die Gäste umher, inklusive Torwart Butt, der bei Gibsons Schuss zum 0:1 nicht gut aussah.
Dass im defensiven Bereich - auf der linken Abwehrseite, in der Innenverteidigung und in Zukunft sicher auch auf der Torwartposition - Handlungsbedarf besteht, wissen die Bayern-Verantwortlichen. So offensichtlich überfordert sah man die Hintermannschaft des deutschen Rekordmeisters jedoch selten.
Trotzdem gehört es zu den Charakteristika des Bayern-Spiels dieser Saison, dass die Mannschaft, so aussichtslos ihre Situation auch erscheinen mag, immer wieder ein Korrektiv findet, das ihre Schwächen ausgleicht. Im Spiel gegen Manchester bestand dieses Korrektiv in einzelnen Geistesblitzen in der Offensive, die - wie schon im Hinspiel - kaum eine richtig gute Chance hatte, aber dennoch zwei Tore machte: Ivica Olic bekam den Ball vom stark kämpfenden Bastian Schweinsteiger und dem eher verloren wirkenden Thomas Müller und nutzte die einzige Unaufmerksamkeit des ManU-Mittelfeldspielers Michael Carrick zum 1:3 (43.). Plötzlich waren die Bayern wieder nur ein Tor vom Halbfinale entfernt.
Und Manchester? Alex Fergusons Elf kam wie schon im Hinspiel ohne ihren Esprit der ersten 45 Minuten aus der Kabine. Und mit fataler Unbeherrschtheit: Der junge Rechtsverteidiger Rafael sah zu Recht Gelb-Rot wegen Fouls an Ribéry (50.) und sprengte so Manchesters Abwehr. Für Trainer Ferguson war dies der Knackpunkt der Partie. "Die Herausstellung hat das Spiel zweifellos geändert. Hätten wir zu elft zu Ende gespielt, wären die Bayern niemals weitergekommen." Aus Fergusons Sicht haben die Bayern-Spieler den Platzverweis provoziert. "Sie haben den Schiedsrichter umringt und ihn zu der Entscheidung gedrängt. Typisch deutsch", so der Coach.
"Ich dachte England ist für Fairness berühmt"
Bayern-Trainer Louis van Gaal widersprach seinem Kollegen: "Ich teile seine Meinung nicht", sagte er. "Jeder Spieler muss wissen, dass nach einer Gelben Karte die nächste Karte den Platzverweis bedeutet." Angesprochen auf Fergusons Meinung, dass Manchester zu elft weitergekommen wäre, sagte van Gaal: "Nach einer Niederlage sagt sich das leicht. Ich glaube Alex ist enttäuscht, aber ich dachte, England ist für seine Fairness bekannt." Weiterer Zorn Fergusons richtete sich gegen die angeblichen Attacken auf den angeschlagenen Rooney, der fünf Minuten später ausgewechselt wurde. "Ich glaube, es war offensichtlich. Es gab immer wieder Attacken und er hat keinen Schutz bekommen. Der Schiedsrichter hätte einschreiten müssen."
Nach dem Rooney-Wechsel kamen die Bayern endgültig ins Spiel. Sie schnürten das in der Offensive erstarrte Manchester in dessen Hälfte ein und zeigten glänzende Moral. Trotz der Anstrengungen der vergangenen Wochen stemmte sich der deutsche Rekordmeister wie schon in Turin und Florenz auch in Manchester erfolgreich gegen das Champions-League-Aus und spielt nun am 21. und 27. April gegen Olympique Lyon um den Einzug ins Finale. Diese Leistung, lobte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge während seiner Bankett-Rede, habe man dem "unglaublichen Willen und großen Kampfgeist" des Teams zu verdanken.
Aber auch einer guten Portion Glück. Und nicht zuletzt den Einzelkönnern, die die Bayern in der 74. Minute ins Halbfinale schossen: Ein Eckball des ansonsten eher mäßigen Ribéry segelte unkonventionell Richtung Strafraumgrenze, Arjen Robben kam heran und zog volley ab - wie Lothar Matthäus 1992 gegen Leverkusen. Der Ball knallte wunderschön ins linke Eck, die Halbfinal-Träume Manchesters zerstoben in ihrem eigenen, von Manchesters Fußballikone Sir Bobby Charlton "Theatre of Dreams" genannten Stadion. Robben hingegen hat seiner Sammlung ungemein wichtiger Tore in dieser Saison ein weiteres hinzugefügt. Vielleicht das bedeutendste.
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Richtig, vielleicht mit der kleinen Einschränkung, abgesehen davon, dass das mit der goldenen Generation evtl. nicht nur Glück, sondern auch Können war. [QUOTEUnd die haben wirklich viel gewonnen - alleine die EC der [...] mehr...
warum schiesst der hsv torwart den ball nicht aus dem stadion? btw. 4 minuten meisterehren für schalke sind mehr als genug! was sagen sie eigentlich zum nicht gegebenen elfmeter in leverkusen für die bayern? ist wahrscheinnlich [...] mehr...
Verehrter mooringman, es ist schon bemerkenswert, wo Sie überall Bevorteilungen des FC Bayern sehen. Der Freistoß gegen den HSV, resultierte aus einer Rückgabe von Ujfalusi. Das gibt indirekten Freistoß - und das vom bekannten [...] mehr...
Wurst Ulli und seine Chargen haben oft genug dafür gesorgt,das Bayern von den Schiris bevorteilt wurde.Siehe die Attacken des Herrn Kahn und vor allen Dingen der merkwürdige Freistoß in Hamburg,als Schalke schon Meister [...] mehr...
Dieser holländische Unsympath (nichts gegen Holländer,ich mag die)hat es gerade nötig,einen Mann wie Ferguson zu beleidigen! mehr...
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