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11.04.2010
 

Mäzen und Fans auf den Barrikaden

Hoffenheim am Tiefpunkt

Von Birger Hamann

Hoffenheim-Profis Salihovic (l.), Carlos Eduardo: Tiefgreifende MaßnahmenZur Großansicht
AP

Hoffenheim-Profis Salihovic (l.), Carlos Eduardo: Tiefgreifende Maßnahmen

Spektakulärer Offensivfußball, feine Spielzüge, Tore am Fließband - alles vorbei. Nach der Heimniederlage gegen Köln gingen die Fans der TSG Hoffenheim auf die Barrikaden. Auch Mäzen Dietmar Hopp hat genug, er kündigte "tiefgreifende Maßnahmen" an - will aber kaum etwas ändern.

Hamburg - Während Dietmar Hopp in den Katakomben eine Brandrede hielt, formierten sich vor der Arena in Sinsheim die Fans. Nach der 0:2-Heimniederlage der TSG 1899 Hoffenheim gegen den 1. FC Köln tobte drinnen der Mäzen und draußen der Mob. Ausnahmezustand im Ländle.

Die Pleite gegen biedere Gäste war für die TSG die achte in der Rückrunde. Ging die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick als Siebtplatzierter in die Winterpause, folgte anschließend der freie Fall. Im Jahr 2010 stürzte die TSG bis auf Rang zwölf ab, sogar der Abstieg ist theoretisch noch möglich. Rund ein Jahr, nachdem Hoffenheim die Bundesliga mit spektakulärem Offensivfußball verzauberte, ist der Club am Tiefpunkt.

"Das war der Tiefpunkt der Saison. Das war der Tiefpunkt, was die Einstellung betrifft. Das war der Tiefpunkt, was das Unvermögen vor dem Tor betrifft. Es ist unerklärlich für mich", sagte Hopp, der unmittelbar nach dem Schlusspfiff zur Mannschaft in die Kabine gestapft war und vor seinen Profis eine Brandrede hielt. "Das war ein Monolog eines enttäuschten Dietmar Hopp", berichtete der derzeit verletzte Torhüter Timo Hildebrand. "Er hat uns gefragt, was mit uns passiert ist. Er war enttäuscht und traurig."

Hoffenheim seit Wochen leb- und lustlos

Seit Wochen wirkt die TSG leb- und lustlos, holte aus den vergangenen sechs Spielen nur zwei Punkte und erzielte dabei ein einziges Tor. In der Rückrunde konnte Hoffenheim nur gegen die abstiegsbedrohten Teams aus Hannover (2:1) und Berlin (2:0) gewinnen, holte in 14 Spielen ganze neun Punkte von 42 möglichen Zählern - schlechter war nur der SC Freiburg mit einem Sieg und sieben Punkten in der Rückrunde.

Die sportliche Krise in Hoffenheim dürfte aber kaum in fußballerischen Mängeln begründet zu sein. Alle wichtigen Spieler der vergangenen Saison, als die TSG als Aufsteiger sensationell Herbstmeister wurde und die Spielzeit auf Platz sieben beendete, konnten gehalten werden. Mit gezielten Verstärkungen wie Josip Simunic, Franco Zuculini, Maicosuel und Christian Eichner sollte die Qualität des sowieso schon starken Kaders noch einmal erhöht werden. Doch statt des geplanten Höhenflugs folgte der Absturz.

Das Hoffenheimer Problem scheint eher ein charakterliches zu sein. Die Profis sind sich der sportlich desaströsen Lage offenbar nicht bewusst. Nach der 0:4-Pleite beim VfL Wolfsburg vergnügten sich sechs Spieler bis tief in die Nacht in einer Disco. Vor dem Heimspiel gegen Köln kamen Maicosuel, Zuculini und Boris Vukcevic zu spät zum Abschlusstraining. Coach Rangnick suspendierte das Trio für die Partie.

"Rangnick raus" und "Scheiß Millionäre"

Die Fans reagierten auf die Vorfälle abseits des Rasens mit Hohn und Spott. "Ihr könnt jetzt feiern gehen", und: "Auf zur Party" riefen sie den Profis zu - und das waren noch die netten Kommentare der Anhänger. Die hatten während des Spiels, als sich die Niederlage gegen Köln abzeichnete, ihrem Frust freien Lauf gelassen. "Rangnick raus" und "Scheiß Millionäre" schallte es lautstark durch die Rhein-Neckar-Arena.

Der harte Kern der Hoffenheimer Anhänger blockierte eine Stunde nach dem Abpfiff sogar die Stadionausfahrt des Mannschaftsbusses und konnte erst durch Rangnick beruhigt werden. "Warum soll es in Hoffenheim anders sein als in anderen Stadien? Wir können nicht erwarten, dass wir für unsere Leistung gefeiert werden", sagte der Coach. Und Mäzen Hopp ergänzte: "Wenn die Fans das Gefühl haben, dass die Mannschaft nicht das Äußerste herausholt, dann sind sie zu recht sauer - und das Gefühl kann man haben."

Einmal in Rage gekommen, legte Hopp später nach: "Das hat die Mannschaft verdient. Sie hat sich schon in Wolfsburg gehen lassen. Sie hat überhaupt bei fast allen Heimspielen total enttäuscht. Wenn man Profi ist und nicht schlecht verdient in seinem Beruf, dann muss man auch die Einstellung bringen - und die fehlt."

Hopp will Einschnitte - aber nichts ändern

Um den Club wieder in die richtige Spur zu bringen, kündigte Hopp tiefgreifende Maßnahmen an. Seltsam nur: Der Mäzen will dafür weder den Trainer wechseln noch im großen Stil neues Personal einkaufen. "Wir müssen harte Einschnitte machen. Was nicht heißt, dass wir viele neue Spieler verpflichten, sondern eher im Gegenteil. Wir müssen aus dem Potential, das wir haben, das Optimum herausholen - mit Ralf Rangnick", sagte Hopp, der sich demonstrativ vor seinen in die Kritik geratenen Coach stellte: "Es gibt einige Gründe im privaten Bereich von Herrn Rangnick mit der schweren Krankheit seines Vaters, so dass er sich nicht mehr so auf die Mannschaft konzentrieren konnte, und da ist offensichtlich etwas verrutscht", so Hopp. "Aber ich stelle den Trainer nicht in Frage, und ich denke, wir schaffen die Wende."

Die Worte von Ralf Rangnick selbst hörten sich bei weitem nicht so optimistisch an. Im Gegenteil. "Mehr als wir zuletzt an Energie in die Mannschaft gesteckt haben, geht nicht", sagte der 51-Jährige nach dem Köln-Spiel fast schon resignierend. Das Ergebnis dieser Arbeit ist bekannt.

Mit Material von sid und dpa.

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Die neuesten Beiträge:
13.04.2010 von Hador: Nein, keinen Titel....

Ich verstehe schon was sie meinen und ja natürlich gibt es auch Vereine, die das anders machen und damit dann mehr Erfolg haben. Genauso gibts aber halt auch Vereine, die das ebenso machen darunter einige der Größten überhaupt [...] mehr...

12.04.2010 von saddamatus: schon wieder ein Titel

Gibt es auch bei manchen anderen Vereinen auch mal, aber lange nicht bei allen. Es ist mir bei den Adlern eben in den letzten Jahren fast schon als running gag aufgefallen. Jetzt bemerke ich, wie das auch im Kraichgau seit [...] mehr...

12.04.2010 von saddamatus: schon wieder ein Titel

Gibt es auch bei manchen anderen Vereinen auch mal, aber lange nicht bei allen. Es ist mir bei den Adlern eben in den letzten Jahren fast schon als running gag aufgefallen. Jetzt bemerke ich, wie das auch im Kraichgau seit [...] mehr...

12.04.2010 von Hador: Nein, keinen Titel

Schon klar, allerdings sehe ich immer noch nicht, dass das besonders typisch für Teams sein soll, die von Hopp finanziert werden. Dasselbe Problem haben, bzw. hatten schon zig andere Vereine in der Bundesliga und auch [...] mehr...

12.04.2010 von saddamatus: Titel

Die weniger erfolgreiche Phase der Hoffenheimer finde ich nicht dramatisch. Dass es auch nicht ununterbrochen so raketenartig aufwärts gehen konnte, war absehbar. Das meinte ich aber auch nicht. Das wiederkehrende Muster ist [...] mehr...

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