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26.04.2010
 

Hoppers-Trainer Sforza

"Du musst Ecken und Kanten haben"

Coach Sforza: "Die Mannschaft spielt guten und dynamischen Fußball"Zur Großansicht
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Coach Sforza: "Die Mannschaft spielt guten und dynamischen Fußball"

Als Bayern-Spieler holte er die Champions League, als Trainer wartet Ciriaco Sforza noch auf die großen Erfolge. Mit SPIEGEL ONLINE spricht der 40-Jährige über seinen Job bei den Grasshoppers, die Rückkehr in die Bundesliga und ein einmaliges Erlebnis in Kaiserslautern.

SPIEGEL ONLINE: Herr Sforza, vor kurzem wurden Sie 40. Ist es hilfreich im Umgang mit Spielern, wenn die eigene aktive Laufbahn noch nicht lange zurückliegt?

Sforza: Das ist ein großer Vorteil, wenn man mit jungen Leuten arbeitet. Da kennt man noch die Fußballsprache, man weiß, wie ein Spieler denkt.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch hatten Sie anfänglich Probleme bei den Grasshoppers, Ihr Club steckte im Tabellenkeller.

Sforza: Ich bin zu Beginn der Saison als neuer Trainer nach Zürich gekommen. Wir wussten, dass es am Anfang ein bisschen schwer werden könnte.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Zürich inzwischen bis auf Platz drei geführt. Wie haben Sie das geschafft?

Sforza: Im Winter haben wir im Trainingslager intensiv und gut gearbeitet. Spielweise und Trainingsabläufe mussten umgestellt werden. Inzwischen ist eine Mannschaft entstanden, die mental, technisch und taktisch auf einem sehr hohen Niveau spielen kann.

SPIEGEL ONLINE: Platz drei berechtigt zur Teilnahme an der Qualifikation für die Europa League. Welchen Stellenwert hat der Wettbewerb für Sie?

Sforza: Es wäre ein großer Erfolg für das Team und mich. Die Mannschaft will, die Mannschaft ist hungrig.

SPIEGEL ONLINE: Reicht der Hunger auch, um die Schweizer Meisterschaft im nächsten Jahr zu gewinnen?

Sforza: Ich glaube, dass es dazu in den nächsten ein bis zwei Jahren nicht reichen wird. Die Mannschaft spielt zwar einen guten und dynamischen Fußball, aber sie ist noch zu wenig erfahren. In den nächsten Jahren ist es unser Ziel, die jungen Spieler weiterzuentwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Ihre persönlichen Ziele aus? Ist die deutsche Bundesliga eines davon?

Sforza: Mir ist vor allem wichtig, dass ich erst einmal gute Arbeit in der Schweiz leiste. Aber die Bundesliga, in der ich lange erfolgreich gespielt habe, ist ein Ziel. Aber es muss der Zeitpunkt passen, es muss der Verein passen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben für einige Clubs gespielt und etliche Trainer kennengelernt. Haben Sie bestimmte Vorbilder, an denen Sie sich in Ihrer Arbeit orientieren?

Sforza: Aus meiner Zeit als Spieler unter Ottmar Hitzfeld, Otto Rehhagel, Eric Gerets oder Roy Hodgson nehme ich schon gewisse Sachen mit. Aber als Trainer musst du deine eigene Persönlichkeit entwickeln und auch deine eigene Strategie haben.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrer Profi-Zeit galten Sie nicht unbedingt als pflegeleicht.

Sforza: Wer große Verantwortung auf dem Platz trägt, kann kein einfacher Spieler sein. Der muss Ecken und Kanten haben, der muss auch einstecken können. Dann heißt es Ellbogen raus und wieder aufstehen, um für die Mannschaft und sich das Beste herauszuholen.

SPIEGEL ONLINE: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat Sie einmal als "Stinkstiefel" bezeichnet. Sind Sie ein Egoist?

Sforza: Ich glaube, der Kalle hat es nicht so gemeint. Es ist ihm rausgerutscht, und wir haben es ausdiskutiert. Ich sage immer wieder, man sollte niemals eine Person in eine Ecke drücken, wenn man sie nicht richtig kennt.

SPIEGEL ONLINE: Ottmar Hitzfeld kennen Sie, er war Ihr Trainer bei den Grasshoppers und in München. Wie sehen Sie dessen jetzige Arbeit bei der Schweizer Nationalmannschaft?

Sforza: Er macht in der Schweiz einen super Job. Er hat starke Talente und eine gute Mischung in der Mannschaft.

SPIEGEL ONLINE: Was kann man von der Schweiz bei der WM in Südafrika erwarten?

Sforza: Bei solch einem Turnier entscheidet die Tagesform. Die Schweiz hat das Potential, für eine Überraschung zu sorgen.

SPIEGEL ONLINE: Als Nationalspieler holten Sie keinen Titel, mit Ihren Clubs schon. Was war Ihr größter Erfolg?

Sforza: In München habe ich alles gewonnen, Meisterschaft, Uefa-Cup, Champions League und Weltpokal. Das sind sensationelle Erfolge. Aber die Meisterschaft 1998 mit Kaiserslautern bleibt mir besonders im Herzen.

SPIEGEL ONLINE: Was war das Besondere für Sie?

Sforza: Wenn du mit Kaiserslautern, einem Aufsteiger, vom 1. bis zum 34. Spieltag Erster bist, ist das nicht nur sensationell, das ist einmalig. Einfach große Klasse!

SPIEGEL ONLINE: Sie hatten angeblich als einziger FCK-Spieler eine Meisterschaftsprämie vereinbart.

Sforza: Es ist jedem selbst überlassen, wie er verhandelt. Wenn ich etwas anfange, dann habe ich Ziele. Ich versuche immer, das Bestmögliche zu erreichen.

Die Fragen stellte Michael Baltes

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Zur Person

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Ciriaco Sforza, geboren am 2. März 1970 in Wohlen im Kanton Aargau, ist seit Juni 2009 Trainer des Schweizer Rekordmeisters Grasshoppers Zürich. Zuvor war Sforza beim FC Luzern. Als Aktiver stand er unter anderem bei Bayern München und Kaiserslautern unter Vertrag. Mit dem FCK wurde der Mittelfeldspieler 1998 Deutscher Meister, 2001 mit den Bayern. Im selben Jahr gewann er auch die Champions League. Für die Schweiz bestritt Sforza 79 Länderspiele, 1994 gehörte er zum WM-Kader. 2006 beendete er seine aktive Laufbahn.

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