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25.04.2010
 

Bundesliga-Abstiegskandidaten

Mit Schwächen zum Klassenerhalt

Von Christoph Ruf

Nürnberger Spieler: Den Klassenerhalt fest im BlickZur Großansicht
ddp

Nürnberger Spieler: Den Klassenerhalt fest im Blick

Enge Tabellensituation im Abstiegskampf: Nürnberg und Freiburg haben gute Karten auf einen Verbleib in der Liga. Hannover und Bochum präsentierten sich zuletzt abstiegsreif. Dabei könnte der längst gerettete 1. FC Köln entscheidend in die Endphase der Saison eingreifen.

Hamburg - Fünf Vereine kämpfen noch um den Verbleib in der ersten Liga. Einzig der Abstieg von Hertha BSC Berlin scheint festzustehen. Derweil zeigt die Tendenz in Bochum und Hannover nach den jüngsten Niederlagen ebenfalls nach unten. Am ehesten scheint der 1. FC Nürnberg in der Lage, die Klasse zu halten.

So schien der Abstieg der Mannschaft nach dem Spiel gegen Dortmund nur schwer vorstellbar. Allerdings lagen dazwischen mal wieder 90 Minuten, in denen der Club durchaus zu überzeugen wusste, aber durch groteske Abwehrfehler ein taktisch sehr reifes Team aus Dortmund zu drei Punkten verhalf.

Dreimal traf Lucas Barrios, dreimal leistete Nuri Sahin die Vorarbeit. Und dreimal hatte die Nürnberger Abwehrreihe kräftig dazu beigesteuert. Schon in der Vorwoche in Freiburg war es um die Innenverteidigung der Nürnberger nicht gut bestellt gewesen. Umso größer waren deshalb die Befürchtungen, als Mitte der Woche durchsickerte, dass neben Breno auch der zweite Innenverteidiger, Andreas Wolf, gegen Dortmund ausfallen würde.

In der 27. Minute bestätigten sie sich zum ersten Mal. Von der Strafraumkante schnibbelte Sahin einen Ball auf den langen Pfosten, den gleich drei Dortmunder unbedrängt hätten einköpfen können - Lucas Barrios, der zuvor vier Spiele lang nicht getroffen hatte, tat es schließlich. So viel Freiraum im Strafraum ist im Profifußball selten.

Eklatante Fehler der Nürnberger Hintermannschaft

Beim zweiten Treffer war die Abwehr zu weit aufgerückt, beim dritten gab sie sich komplett der Lächerlichkeit preis: Gleich drei Abwehrspieler hatten den kürzeren Weg zum kurz vor der Torlinie rotierenden Spielgerät - doch der Argentinier grätschte ihn mit seinem dritten Treffer in die Maschen. Nicht ganz unwahrscheinlich, dass man längst gerettet wäre, wenn das Defensivverhalten zuletzt ähnlich überzeugend gewesen wäre wie das Spiel nach vorne.

Wobei man allerdings zugeben muss, dass gegen Einzelkönner wie Lucas Barrios oder Edin Dzeko schon viele Verteidiger kurz davor waren, nach dem Spiel eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Zuletzt hatte der FCN ja am vorletzten Sonntag Komplimente bekommen. Beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg war der Club das aktivere und bessere Team, ging aber dennoch 0:2 unter.

Edin Dzeko hatte gleich zweimal gezeigt, warum sich der AC Mailand nichts sehnlicher wünscht als ein paar lächerliche Millionen mehr auf dem Konto, um den Wunschtransfer stemmen zu können. Und dennoch: Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking dürfte nicht nur die spielstärkste unter den fünf Abstiegsaspiranten sein, sie ist - derzeit zusammen mit Freiburg - auch die stabilste.

Hannover spielt zu unkonstant, zeigt an guten Tagen, warum es nominell nicht auf einen Abstiegsplatz gehört. An den deutlich häufigeren schlechten Tagen hingegen tritt das Team auf, als müsse man ihm alles, aber auch alles von Neuem erklären - angefangen beim Namen der Sportart, die es zu betreiben vorgibt.

Hertha setzt Branchengesetze außer Kraft

Auch der VfL Bochum ist in einen Strudel geraten, der ihn so kraftvoll nach unten zieht, dass der ganze Verein fassungslos wirkt. Wie in fast jedem Jahr seit der Vereinsgründung war es auch vor dieser Saison ausgemachte Sache, dass die Substanz erneut nur für die unteren Tabellenregionen reichen würde. Nun aber ist der VfL seit zehn Spielen sieglos.

Schlimmer: In den letzten fünf Spielen erspielte man sich kaum fünf echte Torchancen - wohlgemerkt insgesamt gerechnet. Der VfL muss am kommenden Samstag bei den Bayern antreten (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), ehe er eine Woche darauf Hannover empfängt. Der Einäugige dürfte sich auf den Relegationsplatz retten, der Blinde steigt ab.

Damit begleitet er eine Hertha-Mannschaft, die in dieser Rückrunde alle Branchengesetze außer Kraft setzt. Normalerweise darf ein Team, das auch am Samstag wieder einem Hochkaräter wie Schalke 04 ebenbürtig war, vieles. Es darf aber nicht auf dem letzten Tabellenplatz stehen. Da aber nicht zu erwarten ist, dass bei den Berlinern nun ausgerechnet gegen Leverkusen und die Bayern die Torwut entdeckt wird, wird es im weiten Oval also bald wieder viel freien Beton zu bestaunen geben, wenn Paderborn oder Fürth zu Gast sind.

Bliebe noch der SC Freiburg, jenes Team, das lange wie ein sicherer Absteiger wirkte. Nun scheint es, als habe die Mannschaft gerade rechtzeitig die Kurve bekommen. Defensiv steht man sicher, das Spiel nach vorne ist längst nicht mehr so schablonenhaft wie zu Beginn der Rückrunde. Am Sonntagabend nutzten sie mit einem Heimsieg gegen Wolfsburg die Chance, an Nürnberg und Bochum vorbeizuziehen. Danach geht es zum 1.FC Köln, dem Team, gegen das auch der FCN am letzten Spieltag drei Punkte holen will. Der FC, der längst gerettet ist, könnte damit zur entscheidenden Kraft im Abstiegskampf werden.

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Zum Autor

Über die Fußball-Bundesliga berichtet unser Autor Christoph Ruf. Er lebt in Karlsruhe, hat ein großes Herz für diverse kleine Vereine und treibt sich gerne auch in unterklassigen Ligen herum.

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