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02.05.2010
 

Bundesliga-Aufsteiger St. Pauli

Endlich wieder Elite

Von Frieder Schilling

2. Fußball-Bundesliga: St. Pauli - erst gezittert, dann gejubelt
Fotos
REUTERS

Der FC St. Pauli ist zurück in der Ersten Bundesliga - Jahre der Drittklassigkeit und finanziellen Not sind überstanden. Offensiv, attraktiv, temporeich hat sich der Kiez-Club zurückgekämpft, nicht zuletzt dank Trainer Holger Stanislawski. Die Geschichte eines Wiederaufstiegs.

Präsident Corny Littmann schnappte sich das Mikrofon. Dann rief er, was die 9000 mitgereisten St.-Pauli-Fans an diesem Sonntag in Fürth hören wollten, nachdem ihr Verein gerade den Aufstieg in die Erste Liga klargemacht hatte. Das Heimspiel gegen den Hamburger SV in der kommenden Bundesliga-Saison werde man am Millerntor austragen, verkündete er. Der Club werde für das Lokalderby nicht wie häufig in der Vergangenheit in die größere Arena der Stadt umziehen, das Stadion des HSV.

Endlich wird St. Pauli mit den Stadtrivalen wieder in einer Liga spielen. Nach acht Jahren Abstinenz.

4:1 hat St. Pauli Greuther Fürth besiegt, und damit ist dem Club der Aufstieg praktisch nicht mehr zu nehmen. Statt Oberhausen, Paderborn und Cottbus kommen jetzt Bayern, Schalke und Dortmund ans Millerntor. Und eben der HSV.

Neun Jahre ist es her, nur rund acht Kilometer entfernt von Fürth war es, als St. Pauli letztmals der Sprung in die Erste Bundesliga gelang. Am abschließenden Spieltag von Liga zwei gewann die Mannschaft 2:1 in Nürnberg. 10.000 mitgereiste und 25.000 Fans auf dem Hamburger Heiligengeistfeld neben dem Millerntor-Stadion genossen das Gefühl der Erstklassigkeit - die jedoch nur ein Jahr Bestand haben sollte.

St. Pauli blähte damals seinen Kader auf, ging mit 33 Profis in die Saison, neun mehr als im Aufstiegsjahr. Der Verein investierte Millionen in Spieler, die nicht das halten sollten, was sich die sportliche Führung um Trainer Dietmar Demuth und Manager Stephan Beutel versprochen hatte: Mittelfeldspieler Ugur Incemann, mit 1,41 Millionen Euro bis heute teuerster Einkauf der bald 100-jährigen Vereinsgeschichte, 21 Spiele, ein Tor. Stürmer Antonio Marcao, 600.000 Euro, 19 Spiele, zwei Tore. Insgesamt stießen 15 neue Spieler zum Kader dazu, aber nur zwei Akteure, die Defensivleute Jochen Kientz und Cory Gibbs, schlugen wirklich ein. Kein Wunder, dass sich der Mannschaftsgeist des Vorjahres irgendwann verflüchtigte und sich einige der Aufstiegshelden links liegengelassen fühlten.

St. Pauli will in die Infrastruktur investieren

Einen ähnlichen Fehler wird der Verein nun nicht begehen. Es wird gezielte punktuelle Verstärkungen geben. Übermäßig viel Geld wird St. Pauli nicht in den Kader investieren. Der Verein hat angekündigt, mit Hilfe der Mehreinnahmen in der Eliteklasse auch die Infrastruktur verbessern zu wollen. So soll das Trainingsgelände des Vereins umgebaut werden: Zwei neue Rasen- und ein Kunstrasenplatz sind geplant, das sogenannte Funktionsgebäude wird entweder renoviert oder neugebaut. Letztlich sollen dort das Profiteam, die Zweite, U19 und U17 trainieren. Außerdem soll der Service für Fans und Medien ausgebaut werden, dazu kommt personelle Verstärkung in der Administration. Geschäftsführer Michael Meeske spricht von "Liga-Anpassungen in allen Bereichen".


Incemann wird also sicherlich weiter Rekordhalter in Sachen Ablöse bleiben. Trainer Holger Stanislawski gilt als jemand, der ein Auge für junge, preiswerte Spieler hat und diese auch entwickeln kann.

Beim vergangenen Abenteuer Bundesliga stand er als Abwehrspieler noch selbst für den FC auf dem Platz, war Teil der legendären "Weltpokalsiegerbesieger", die als Tabellenletzter den FC Bayern am Millerntor 2:1 bezwangen. Doch dann ging's bergab. Zwei Abstiege innerhalb von zwei Jahren, Stanislawski musste seine aktive Karriere in der Regionalliga Nord beenden. Dem FC St. Pauli aber blieb er treu. Ein damals noch ungeahntes Glück für den Verein.

Die "Retter"-Kampagne bewahrte den Club vor dem Abgrund

Aufstiegstrainer Demuth war schon lange gegangen, dessen Nachfolger Joachim Philipkowski nur wenige Monate geblieben, und auch Franz Gerber hatte keinen sportlichen Erfolg. Unter der Ägide des Managers Beutel hatte St. Pauli Ende der Saison 2002/2003 zudem um die Lizenz für die Regionalliga fürchten müssen, eine Liquiditätslücke von fast zwei Millionen Euro hätte beinahe direkt in die Oberliga geführt. Es folgte die "Retter-Kampagne", die den Club in sportlich miserablen Zeiten bundesweit noch populärer machen sollte. Die "Retter"-T-Shirts in der braunen Vereinsfarbe, Spenden in sechsstelliger Höhe, ein Solidaraufschlag auf Bierflaschen, mehr als 10.000 verkaufte Dauerkarten für eine ungewisse Zukunft und ein Benefizspiel gegen die Bayern bewahrten den Club damals vor dem Abgrund.

Ein Jahr später übernahm Stanislawski erstmals Verantwortung außerhalb des Platzes, wurde Vizepräsident. In einer Zeit, in der es nicht nur Probleme gab, die Gehälter zu bezahlen, sondern auch die Gebühren für Müllabfuhr und Warmwasser. Später wurde er Sportlicher Leiter, stellte zusammen mit dem damaligen Trainer Andreas Bergmann im Sommer das Team für die Saison 2006/2007 zusammen. Im November beurlaubte Stanislawski dann Bergmann und übernahm dessen Posten.

Ein Running Gag wird Wirklichkeit

Der ehemalige Abwehrspieler führte die Mannschaft - ohne Trainerschein - innerhalb weniger Monate aus dem unteren Tabellendrittel der Regionalliga zurück in den Profifußball. Und die Erfolgsgeschichte wurde fortgeschrieben.

Jahrelang ein Running Gag auf den maroden Tribünen des Millerntors, begann im Mai 2007 tatsächlich der Neubau des Stadions. Wenn auch aufgrund von Problemen mit der Finanzierung und den Verträgen erst einige Monate nach Abriss der alten Südtribüne. Mittlerweile wird an der zweiten, der Haupttribüne gearbeitet, zum Bundesliga-Auftakt soll sie stehen. Nordkurve und Gegengerade folgen laut ursprünglicher Planung bis spätestens 2014, aufgrund des sportliches Erfolgs aber möglicherweise früher. Am Ende soll ein Stadion mit 27.500 Plätzen entstanden sein, mit mehr Steh- als Sitzplätzen. Aber auch mit Logen, Business-Seats und einem Kindergarten.

Sportlich etablierten sich die "Boys in brown" in der Zweiten Liga. Ihrem Coach gelang außerdem ein einzigartiges Meisterstück. Parallel zum Ligabetrieb absolvierte er die Trainerausbildung, schloss sie als Jahrgangsbester ab - und behielt seinen Job, während einige Kollegen, wie beispielsweise Christian Hock in Wiesbaden im Laufe der Monate entlassen wurden. Sie hielten, wie im Jahrgang danach auch Markus Babbel beim VfB Stuttgart, der Doppelbelastung nicht stand.

Die Krönung des Kaisers vom Kiez ist nun der Aufstieg. Stanislawski ist in vieler Hinsicht dafür verantwortlich, gemeinsam mit Manager Helmut Schulte. Die Einkaufspolitik vor der Saison ist durchweg geglückt. St. Pauli hat Charles Takyi aus Fürth zurückgeholt und ihn sportlich wiederbelebt. Matthias Lehmann, aus Aachen gekommen, gibt einen überaus starken Sechser, der Torgefahr gleich mitliefert. Torjäger Marius Ebber ist der beste Scorer der Liga, die Youngster Deniz Naki, Max Kruse und der im Winter gekommene Bastian Oczipka passen perfekt in die erfolgreich umgesetzte Spielphilosophie Stanislawskis: offensiv, attraktiv, temporeich.

Ob diese auch für die Erste Bundesliga reicht? Nicht auszuschließen. Und wenn nicht, wäre es kein Drama. Ein erneuter finanzieller und sportlicher Totalabsturz scheint zumindest ausgeschlossen. Fragt sich nur, wie lange Stanislawski dann noch auf dem Kiez bleibt.

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insgesamt 11 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
03.05.2010 von fisch.kopp: Hamburg...

... die einzige Stadt mit 2 Erstligavereinen. Was nicht unerwähnt bleiben sollte: Massgeblichen Anteil am Erfolg hat Corny Littmann, der im kaufmännischen und organisatorischen Bereich die Professionalität und die [...] mehr...

03.05.2010 von Ichbinsleid: Respekt!

Glückwunsch an St. Pauli! Aber Meister wird nächstes Jahr Schalke 04! 2012 ist dann Pauli dran... ;-) mehr...

03.05.2010 von nimda: Glück Auf St.PAULI:

Glückwunsch St.Pauli von ehemaligen HSV Fan,"Stani" auf Lebenszeit verpflichten. Viel von den "Grün Weisen" aus Brämen abschauen und NICHTS, aber auch garnichts vom HSV. Vor allem keiner sogenannten [...] mehr...

03.05.2010 von Hyäne: Jaaaaaaaa

Seit 4 Stunden bin ich wieder zurück in Hamburg, Herrlich grandios, so soll es sein. Nun Alles besser machen als 2001 und die Liga rocken. So lange wie möglich oben mitspielen, dss ist doch ein Saisonziel. Den besten Trainer [...] mehr...

03.05.2010 von rabka_uhalla: Congratulations

.. Freu mich tierisch auf die Begegnungen Pauli - Werder, Pauli - Bayern, Pauli - HSV !!!! Endlich wieder ein paar weitere Highlights in der Bundesliga ... mehr...

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