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17.05.2010
 

DFB-Team ohne Ballack

Volle Kraft voraus!

Ein Kommentar von Peter Ahrens

Mittelfeldspieler Schweinsteiger: Mehr Verantwortung durch Ballack-AusfallZur Großansicht
dpa

Mittelfeldspieler Schweinsteiger: Mehr Verantwortung durch Ballack-Ausfall

Es geht auch ohne ihn, wahrscheinlich sogar besser: Die Nationalmannschaft kann das Fehlen ihres Kapitäns verkraften, hat im Mittelfeld genug Top-Spieler - und Zeit, sich neu aufzustellen. Am Ende könnte der Ballack-Ausfall der Löw-Truppe sogar den nötigen Schub Extramotivation bringen.

Es klingt zunächst nach einer Katastrophe: Mit Michael Ballack fällt der erfahrenste deutsche Nationalspieler für die WM aus, es fehlt der einzige Spieler, der in einer europäischen Top-Liga im Ausland seinen Mann steht, der Mannschaftskapitän ist nicht in Südafrika dabei. Ein GAU.

Das ist es auch. Für Ballack selbst.

Das WM-Aus des 33-Jährigen birgt eine menschliche Tragik. Der sportliche Verlust ist dagegen weit weniger groß.

Weltmeister wird Ballack in diesem Leben wohl nicht mehr werden. In vier Jahren beim nächstmöglichen Anlauf ist er 37 Jahre alt. Das ist gemeinhin nicht mehr das Alter, in dem man Schlüsselpositionen auf dem Feld einnimmt. Südafrika wäre seine letzte Chance gewesen, den begehrtesten Titel der Fußballwelt zu holen. Von daher ist Ballacks WM-Aus tatsächlich ein persönliches Drama.

Das durch die Umstände der Verletzung noch einen schlechten Beigeschmack bekommt. Verschwörungstheorien sind zwar fehl am Platze. Ein Foul ist zunächst einmal nicht mehr als ein Foul, so böse es auch aussieht. Für Übeltäter Kevin-Prince Boateng, dem die doppelte Rolle von Bösewicht und Buhmann wie auf den Leib geschneidert ist, wäre es dennoch womöglich besser, auf einen Platz in der ghanaischen Aufstellung gegen Vorrundengegner Deutschland zu verzichten.

Ballacks Ausfall kam noch früh genug

Die deutsche Mannschaft, das darf man erwarten, hat genug Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Der Ballack-Ausfall kam, wenn man das so pietätlos sagen darf, noch frühzeitig genug für das Trainerteam, um die Mannschaft auf ein Spiel ohne den Kapitän einzutakten.


Das Mittelfeld war vor Ballacks Verletzung der Mannschaftsteil, der Fußball-Deutschland die wenigsten Kopfschmerzen bereitet hat. Wenn jetzt alle, die noch zur Verfügung stehen, das Turnier fit und unverletzt durchstehen, wird dies auch nach dem Ausfall des Kapitäns so bleiben. Schweinsteiger, Khedira, Kroos, Podolski, Marin, Özil - das ist eine beeindruckende Phalanx aus Talent und taktischer Schule. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn Bundestrainer Joachim Löw aus diesem Sextett nicht eine brauchbare Achse zu basteln imstande wäre.

Für den Münchener Bastian Schweinsteiger bedeutet das noch mehr Verantwortung im Mittelfeld. Er wird Ballack als Führungsspieler ersetzen müssen, als defensiven Abräumer, als kreative Kraft im Spielaufbau. Nach dieser Spielzeit sollten die Zweifel, ob er dieser Aufgabe gewachsen ist, geringer sein denn je. Schweinsteiger rückt nun auch in der Nationalmannschaft auf die Leader-Position mit dem Stuttgarter Sami Khedira als Juniorpartner an der Seite. Über Schweinsteiger 2010 ist sehr oft geschrieben worden, er sei endlich erwachsen geworden. Diese WM wird nun zu seiner Reifeprüfung.

Das Risiko liegt nicht in der Ersatzlösung Khedira. Allerdings wird es durch Ballacks Ausfall langsam eng auf der berühmten Sechserposition. Simon Rolfes, Thomas Hitzlsperger, Torsten Frings und Michael Ballack - aus so unterschiedlichen wie bekannten Gründen fehlen in Südafrika Spieler, die die defensive Mittelfeldrolle auszuüben fähig sind. Einen weiteren Ausfall auf dieser Schlüsselstelle könnte das Team jetzt nur noch schwer verkraften.

Bei Chelsea eine mäßige Saison gespielt

Ballack war beim FC Chelsea unter Trainer Carlo Ancelotti zuletzt eher Mit- als Führungsspieler. Er hat eine für seine Verhältnisse mäßige Saison gespielt, gehörte nicht zu denen, die maßgeblich für den Titelgewinn der Londoner verantwortlich waren. Das muss für eine WM nichts heißen. Allerdings ist Ballack, anders als Miroslav Klose oder Lukas Podolski, selten einer gewesen, der die Nationalelf als Jung- und Gesundbrunnen nutzte, um schwache Leistungen im Verein durch starke Vorstellungen im DFB-Dress zu kompensieren. Ballack war immer dann in der Nationalelf am stärksten, wenn er eine starke Form aus dem Fußballalltag mitbrachte.

Durch das WM-Aus für Michael Ballack wird der Umbruch, den Joachim Löw mit diesem Team vollzogen hat, nur noch ein Stück offenbarer. Löw ist oft vorgeworfen worden, er sei in gewisser Weise ein Konservativer, weil er das Leistungsprinzip ausheble, um seine Stammkräfte Jahr um Jahr, immer und immer wieder zu nominieren. Das stimmt jedoch lediglich, wenn es sich um die Spieler Lukas Podolski und Miroslav Klose handelt. Den beiden stellt Löw im DFB-Dress tatsächlich einen Freifahrtschein aus, weil sie dem Team und seinem Trainer oft genug den Hals gerettet haben.

Ansonsten hat Löw die Mannschaft im Lauf seiner Amtszeit komplett verändert. Aus dem 23er-Kader von 2006 sind nach vier Jahren jetzt nur noch sieben Spieler übrig geblieben: Lahm, Mertesacker, Schweinsteiger, Friedrich, Jansen, Klose und Podolski. Kaum eine andere Nation hat sich innerhalb von vier Jahren personell so neu erfunden wie die deutsche Nationalmannschaft.

Stellt es Löw psychologisch geschickt an, nutzt er den Ausfall des Kapitäns als eine zusätzliche Motivation. 2006 war es der Heimvorteil, der die Elf stärker gemacht hat, als jeder es ihr im Vorfeld zugetraut hat.

Ab sofort hat der Trainer eine Mannschaft, die beim Turnier 2010 für ihren verletzten Kapitän spielt.

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insgesamt 1426 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.07.2010 von berlinerin95:

Wenn ich die heutigen Pressekommentare lese, haben Sie sich wohl leider getäuscht. Nach diesen habe ich den Eindruck, dass sich die deutschen "Stars" wohl als topp-bezahlte Beamte fühlen, deren Hierarchie sich eben [...] mehr...

08.07.2010 von Sieggi:

Also für die SPielkultur hat Ballacks Ausfall positives bewirkt. Die Mannschaft hat schneller gespielt als vorher. Gegen Spanien hätte dennoch einer wie Ballack gutgetan. Einer, der Ausstrahlung besitzt, einer der dem Gegner [...] mehr...

08.07.2010 von Florian Geyer:

So isses, und was spielen die Holländer? Berti Vogts Gedächnis Fußball: Nigel de Jong: " Wir spielen deutscher als die Deutschen früher" mehr...

08.07.2010 von Frankenfan: War wohl nix

Da ist jetzt echt blöd. Chancenlos gegen Spanien die eben doch mit Xavi, Iniesta, Villa und Puyol usw. echte Weltstars des Fussball haben und die haben dummer Weise nicht versagt. Jetzt fehlt auch noch der Michel Ballack, dem [...] mehr...

08.07.2010 von boatman82:

Gar nichts, denn die verlieren sowieso immer wenns drauf ankommt. 2006, 2008 und jetzt schon wieder. Verdammte Loser Truppe. mehr...

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Ballack-Verletzung: Riss des Syndesmosebandes

SPIEGEL ONLINE

Das Syndesmoseband verbindet das Schienbein und das Wadenbein im oberen Sprunggelenk. Es kann reißen oder anreißen, wenn das Sprunggelenk verdreht wird. "Das ist ein unglaublich wichtiges Band für die Stabilität des oberen Sprunggelenkes", sagt der Sportorthopäde Ingo Tusk von den Frankfurter Rotkreuz-Kliniken, der als FIFA-Arzt bei der WM 2006 war.

Eine Vorschädigung des Bandes von Michael Ballack sei unwahrscheinlich, sagt Tusk: "Das Foul ist absolut erklärend für so eine Verletzung." Beim Foul habe sich das Sprunggelenk verdreht und Schienbein und Wadenbein auseinandergedrückt.

Bei solcher einer Verletzung müsse das Gelenk rund sechs Wochen lang stabilisiert werden. Frühestens acht Wochen nach dem Unfall könne ein Verletzter mit dem Training beginnen. Aufgrund der Kraftwirkung reißen laut Tusk oft zwei Bänder gleichzeitig, das beeinflusse aber die Heilungszeit nicht: "Bänder heilen in rund sechs Wochen."

Ein Training nutze nur bedingt etwas gegen Bänderrisse: "Wenn man die falsche Bewegung macht, kann auch ein trainierter Muskel das Band nicht halten."





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