Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw steht erstmals in der WM-Vorbereitung der komplette vorläufige Kader für das Turnier in Südafrika zur Verfügung. Am Mittwoch trafen als letzte Akteure die drei Bayern-Profis Jörg Butt, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger im Trainingsquartier der DFB-Auswahl in Südtirol ein. Zum vorläufigen deutschen Aufgebot zählen nach den Ausfällen von Kapitän Michael Ballack und Christian Träsch derzeit noch 25 Spieler. Löw muss bis zum Fifa-Meldeschluss am 1. Juni zwei Akteure aus dem Angebot streichen.
Bereits am Dienstag waren die Münchner Holger Badstuber, Mario Gomez, Miroslav Klose und Thomas Müller in Südtirol eingetroffen. Die beiden Stürmer Gomez und Klose nahmen bereits am Mittwochvormittag am Mannschaftstraining teil, während Badstuber und Müller auf dem Mountainbike unterwegs waren. Für Müller endete die Fahrt mit einer Schrecksekunde: Er stürzte vom Rad und erlitt leichte Schürfwunden am Knie und eine Platzwunde am Kinn, die genäht werden musste. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) betonte, dass Müller keine Muskel- oder Knochenverletzung davongetragen habe.
Überraschenden Besuch erhielt die Nationalelf von sechs Mitarbeitern der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada. Sie kamen zu einer unangemeldeten Trainingskontrolle ins Mannschaftshotel. 14 Spieler wurden für den Dopingtest ausgelost. Die Namen der Getesteten nannte der DFB nicht.
Der verletzte Kapitän Michael Ballack warnte die deutschen Fans unterdessen vor zu hohen Erwartungen hinsichtlich der WM. "Schon nach der Auslosung hatte ich gesagt: Die Leute sollten wissen, dass du in der Vorrunde gegen jeden verlieren kannst. Australien, Serbien, Ghana, das sind athletische, robuste Teams", sagte der 33-Jährige in einem Interview mit dem "Stern". Für die DFB-Auswahl ginge es zunächst vorrangig darum, ein sportliches Desaster zu verhindern. "Furchtbar ist das als Mannschaft, wenn erst ab dem Halbfinale ein Turnier zu genießen ist. Alles andere bedeutet Versagen. Das treibt dich zwar, es pusht dich, aber es ist auch ein gnadenloses Spiel", so der 98-malige Nationalspieler.
DFB-Team auf Rang sechs in der Weltrangliste
Das deutsche Team fährt als Sechster der Fifa-Weltrangliste nach Südafrika. Das am Mittwoch vom Fußball-Weltverband veröffentlichte Ranking führt weiterhin Rekordchampion Brasilien (1611 Punkte) vor Europameister Spanien (1565) und Portugal (1249) an. Vor dem DFB-Team (1082) liegen noch die Niederlande (1231) und Weltmeister Italien (1184). Die deutsche Auswahl verlor im Vergleich zur April-Wertung 25 Punkte, konnte aber den Vorsprung vor Argentinien (1076) und England (1068) verteidigen. Deutschlands WM-Gruppengegner liegen auf den Plätzen 15 (Serbien/947), 20 (Australien/886) und 32 (Ghana/800).
Am Samstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) bestreitet die deutsche Mannschaft ein Testspiel gegen Ungarn (Platz 57/565 Punkte). Trainer Erwin Koeman berief mit den beiden Zweitligaspieler Gabor Kiraly (1860 München) und Sandor Torghelle (FC Augsburg) zwei in Deutschland aktive Profis in den 20-köpfigen Kader. An Torghelle hat die DFB-Auswahl schlechte Erinnerungen. Der 28-Jährige, der zur kommenden Saison ablösefrei zum Zweitligisten Fortuna Düsseldorf wechselt, erzielte beim 2:0-Sieg der damals von Lothar Matthäus trainierten Ungarn im Länderspiel gegen Deutschland am 6. Juni 2004 in Kaiserslautern beide Treffer.
tik/dpa/sid
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