Von Christian Gödecke, Südtirol
Am Mittwoch ist Franz Moser in Kaltern in sein Auto gestiegen und nach Girlan gefahren. Er hatte 15 Korbsessel dabei, grau mit weißen Kissen. Moser fuhr die Weinstraße hoch, rechts der Kalterer See und links die Weinberge. Vor dem Hotel "Weinegg" in Girlan hielt er an, fünf Sterne, viele Sicherheitsleute und ein Absperrgitter. Das "Weinegg", geführt von Bruno Moser, ist das Quartier der deutschen Nationalmannschaft.
Wer hier rein will, braucht eine Akkreditierung. Auch wenn man der Bruder des Chefs ist und 15 Korbsessel dabei hat. Für den Grillabend des DFB.
Am Abend sitzt Franz Moser, weißes Sakko, dunkle Hose, auf der Terrasse seines eigenen Hotels. Der Wind schüttelt das riesige, weiße Sonnensegel, und Moser, 51, lächelt, als er über seinen Beitrag zum Gelingen des deutschen Trainingslagers spricht. "Es sind ja auch meine Grills, sie fahren Mountainbike mit meinen GPS-Geräten", sagt Moser. Sogar Eiswürfel hat er geliefert ins "Weinegg". Der Pool war zu warm.
Es gibt ein Bild vom Hotelchef aus jenen Tagen, es hängt unten im Keller in einer alten Vitrine aus Holz. Auf dem Bild sitzt Moser in der ersten Reihe, er hat eine dunkle Hose an und weiße Socken. Er ist 31 Jahre alt. Neben ihm: seine Frau in einem gelb-schwarzen Kleid. Umrahmt werden die beiden von Männern mit dicken Waden und Lockenfrisuren, sie lächeln in die Kamera. Es ist ein Bild aus den Zeiten, als Oberlippenbärte noch Mode waren und hellblau die Farbe der Torhüter-Trainingsanzüge. Ganz rechts steht Franz Beckenbauer, er sieht sehr jung aus.
20 Jahre später zuckt Franz Moser mit den Schultern. Die Zeiten seien eben andere gewesen. Und die Menschen. Er ist jetzt auch schon seit fünf Jahren geschieden.
Das Hotel war fast zu klein
"Franz Beckenbauer war sehr locker drauf, unangefochten, souverän. Er brauchte nicht viel zu sagen, und alle Trainings bis auf zwei waren öffentlich." Jeden Tag habe der Teamchef die Spieler draußen auf der Terrasse Autogramme schreiben lassen: "Er hat gesagt: 'Die Menschen vor dem Zaun, die zahlen eure Gehälter.'" Öffentliche Trainings könne man heute auch machen, sagt Franz Moser, den Deutschen könne man ja nichts weggucken. Moser hat viele Gäste, die gern die Nationalmannschaft sehen wollen. Und dem Chef sind seine Gäste das Wichtigste. Aber Joachim Löw ist nicht Franz Beckenbauer.
Von Beckenbauer, das sagt Franz Moser jetzt, habe er eins gelernt: "Man muss dem Glück die Tür aufhalten." Das Glück kam oft bei Beckenbauer vorbei, und manchmal hielt er auch anderen die Tür auf. Nachdem die Entscheidung fürs Hotel "Seeleiten" gefallen war, brauchte Franz Moser dringend ein weiteres Stockwerk, das Hotel war fast zu klein. "Da ist Beckenbauer zum Landeshauptmann hin und hat gesagt, der Franz wolle dem Franz gern noch ein paar Zimmer dazubauen. Und dann bekam ich die Genehmigung."
300 Kilometer für einen Kaffee
So sei Beckenbauer eben gewesen, sagt Franz Moser, es war ein Geben und Nehmen. Öffentliche Trainings und Autogrammstunden und Freundlichkeit wurden zurückgezahlt mit Zuneigung. "Die 120 Polizisten, die die Anlage damals bewachten, liefen irgendwann in deutschen Trikots herum. Und die WM-Spiele sind auch zu Heimspielen geworden", sagt Moser. Wie das Halbfinale in Mailand oder das Finale in Rom.
Auch für die Mosers war es ein Geben und Nehmen, sie gaben ihre Zeit, ihren Enthusiasmus, Herr Moser beriet die Deutschen in deren Hotels gastronomisch ("dort sitzt der Teufel oft im Detail") - und Frau Moser brachte auch mal spontan einen Kaffee vorbei. "Ich kam in Mailand an, und der spätere DFB-Präsident Egidius Braun saß auf der Terrasse. Er vermisste meine Frau, die mache so einen wunderbaren Cappuccino. Also rief ich sie an, und sie kam aus Kaltern vorbei", erzählt Moser.
300 Kilometer für einen Kaffee. Im Gegenzug wurden die Mosers Teil der DFB-Familie. Und Weltmeister.
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Dann hat das Lockmittel ja funktioniert ;-) mehr...
Wohl Pokalwerfen auf Hoteliers und Pokaltauchen im Anzug. Huiii! Lesen Sie morgen bei SPON: Jogi Löws schmutzige Geheimnisse (Grasflecken auf der Trainingshose und wie man sie rausbekommt). mehr...
He! Wo waren denn jetzt die wilden Gelage? Wegen denen hab ich mir den ganzen Kram doch bloss durchgelesen! mehr...
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