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04.06.2010
 

Nordkoreas Nationalmannschaft

Kims mysteriöse Kickertruppe

Von Hendrik Ternieden

Nordkoreanischer Funktionär im Teambus: Der große Unbekannte der Fußball-WMZur Großansicht
AP

Nordkoreanischer Funktionär im Teambus: Der große Unbekannte der Fußball-WM

Nordkorea könnte zur größten Überraschung der Fußball-WM werden. Wenig ist bekannt über das Team von Trainer Kim, doch Testspielergebnisse lassen aufhorchen. Und die Trickserei bei der Nominierung stärkt den Ruf als geheimnisvolle Truppe zusätzlich.

Hamburg - Wer wird die Überraschungsmannschaft der Fußball-WM 2010? Einer der aussichtsreichsten Kandidaten ist Nordkorea. Das hat zwei Gründe: Zum einen wäre ein Bestehen gegen die Gruppengegner Brasilien, Portugal und die Elfenbeinküste nichts anderes als eine Sensation. Zum anderen bietet allein die geheimnisvolle Aura des Teams genügend Möglichkeiten zu unerwarteten Schachzügen.

So haben die Nordkoreaner schon vor dem Eröffnungsspiel einen ersten Schritt in Richtung Überraschungsmannschaft gemacht - der ist ihnen gelungen. Allerdings eher schlecht als recht: Mit der Idee, einen Stürmer als Torwart zu nominieren, hat Trainer Kim Jong Hun ein Eigentor geschossen.

Nur ein Versehen? Wohl kaum. Es scheint wahrscheinlicher, dass Kim versuchte, einen extra Feldspieler ins Aufgebot zu schmuggeln. Das vermutete auch die Fifa und durchkreuzte den Plan. "Wer als Torwart nominiert ist, darf ausschließlich als Torwart eingesetzt werden", machte der Weltverband deutlich.

Noch hat sich das nordkoreanische Team nicht zu dem Fall geäußert, der wahlweise für Belustigung, Empörung oder Rätselraten sorgt. Die Reaktion der Fifa mag auf den ersten Blick kleinlich erscheinen, doch letztlich ist sie nur konsequent. Denn die Regel ist eindeutig: "Jeder Verband muss bei der Fifa [...] eine definitive Liste mit 23 Spielern (davon drei Torhüter) einreichen", heißt es unter Paragraf 26 des offiziellen Reglements zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Ohne diese Vorgabe wären vielleicht auch andere Nationaltrainer in Versuchung gekommen, ihren 23-Mann-Kader mit einem weiteren Feldspieler aufzubessern. Argentiniens Diego Maradona zum Beispiel. Er berichtete von seinen Schmerzen, auf Stürmer Ezequiel Lavezzi vom SSC Neapel verzichten zu müssen. Auch Mittelfeldmann Javier Zanetti, der als Kapitän von Inter Mailand gerade die Champions League gewann, musste zu Hause bleiben.

Nun dürfte unbestritten sein, dass Nordkoreas Kim Myong Won - so heißt der als Torwart getarnte Stürmer - nicht die Klasse eines Javier Zanetti besitzt. Und auch nicht annähernd eine vergleichbare Bedeutung für seine Mannschaft hat. Ganze dreimal wurde er in der WM-Qualifikation von seinem Trainer eingesetzt, dreimal nur als Einwechselspieler, dreimal blieb er ohne Tor. Warum also musste der 27-Jährige unbedingt mit nach Südafrika?

Der US-Sender ESPN spekulierte über Kims Fähigkeiten als Elfmeter-Töter. Angeblich soll er als Notfall-Keeper einmal für seinen Club Amrokgang drei Strafstöße in einem Spiel gehalten haben. Ein Joker für ein eventuelles Elfmeterschießen in der K.o.-Runde?

"Wayne Rooney Asiens"

Mit Erklärungen ist kaum zu rechnen. Schließlich gehört die Unberechenbarkeit quasi zur Aura des Teams. Zum ersten Mal seit 1966 ist Nordkorea bei einer WM vertreten. Und niemand weiß wirklich, was von dieser Mannschaft zu erwarten ist. Nur drei Spieler aus dem Kader stehen im Ausland unter Vertrag: Stürmer Hong Yong Jo beim russischen Erstligisten Rostow sowie Mittelfeldmann An Yong Hak (Omiya Ardija) und Stürmer Jong Tae Se (Kawasaki Frontale) in der japanischen J-League.

In der Qualifikation ließ Nordkorea unter anderem Saudi-Arabien hinter sich, im Testspiel gegen Griechenland erreichte die Mannschaft Ende Mai ein 2:2. Beide Tore erzielte Stürmer Jong, der wegen seiner bulligen Spielweise als "Wayne Rooney Asiens" bezeichnet wird. Seine Leistung ist denn auch viel entscheidender für das Team als die Leistung eines Kim.

Ob die Fans in der Heimat den Fauxpas überhaupt mitbekommen haben, ist fraglich. Das kommunistische Regime Kim Jong Ils kontrolliert den Informationsfluss penibel. Und aus Südkorea kamen kaum Reaktionen zu dem dubiosen Vorfall. Die WM-Trickserei wurde nur in einer kleinen Agenturnachricht vermeldet. Und nun sind auch noch die Verhandlungen mit den südkoreanischen Rechteinhabern zur Übertragung der WM-Spiele geplatzt. Die Spannungen zwischen beiden Ländern sind nach einem Torpedoangriff auf ein südkoreanisches Marineschiff immens.

Mit Material der dpa

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25.06.2010 von Wilfried H. Becker:

Lutschio aber auch. Es war ne Frechheit, um es mal freundlich auszudrücken. mehr...

25.06.2010 von Cipo:

Der Typ hat einen solchen Schuß durch die Socke! Nach dem Spiel gegen die Elfenbeinküste meinte der Kasper doch ernsthaft: "Wir haben gegen einen Favoriten einen Punkt gewonnen." mehr...

25.06.2010 von BeckerC1972:

Ich habe mich in dem Moment auch - wie schon so oft bei dieser WM - gefragt: "W-hat?". Portugals Trainer hat definitiv ein anderes Spiel gesehen. mehr...

25.06.2010 von Cipo:

Der Artikel bringt's endlich mal auf den Punkt. Ohne seine fleißigen Zuträger (ob nun von Real oder Manchester) ist Cristiano Ronaldo eine absolute Nullnummer. Zum Spiel: ein Grottenkick, der nur deshalb nicht noch [...] mehr...

25.06.2010 von Wilfried H. Becker:

Nach den Interviews, nach dem Spiel, war es ein super Klasse Spiel, dass beste und vom feinsten, was man vom Fußball erwarten kann. mehr...

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