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13.06.2010
 

Zuschauerwut über Vuvuzelas

Fernsehmacher verzweifeln am "Stadion-Tinnitus"

Von Hendrik Baumann

Tuten und Blasen: Die TV-Sender sehen Handlungsbedarf in Sachen VuvuzelaZur Großansicht
REUTERS

Tuten und Blasen: Die TV-Sender sehen Handlungsbedarf in Sachen Vuvuzela

Frust beim Fernsehereignis des Jahres: Die Vuvuzela-Tröten verleiden vielen Zuschauern den Fußball, Fans klagen über "Tinnitus im Stadion" statt WM-Stimmung - jetzt wollen ARD und ZDF mit der globalen Produktionsfirma reden. Doch die weiß auch nicht, wie sie die Krachmacher verstummen lassen soll.

Auch der Weltfußballer hat schon genug.

Dauernd dieses Dröhnen im Stadion, so laut und penetrant, als wäre die Arena voller Bienen - für Lionel Messi sind die Vuvuzela-Tröten ein Ärgernis. "Es ist unmöglich sich mitzuteilen, wenn man wie taub ist", sagte der argentinische Star nach dem 1:0-Auftaktsieg seines Teams gegen Nigeria. Kapitän Javier Mascherano drückte es so aus: "Fußball ist auch Kommunikation. Und bei diesem Krach der Vuvuzela ist es schwer, mit deinem Mitspieler zu sprechen."

Die Spieler sind nicht allein mit ihrer Kritik. Vor allem auch die Fans an den Fernsehern und Leinwänden sind genervt. Das alles überlagernde Geräusch im Stadion erschwert nicht nur den Job der Spieler, sondern macht auch den erhofften Zuschaugenuss zur akustischen Tortur. Mit 120 Dezibel lärmt die Vuvuzela stärker als eine Kettensäge. Zu viel für manches Ohr.

Im Internet formiert sich Protest, es gibt die ersten Anti-Vuvuzela-Gruppen, und auch auf der SPIEGEL-ONLINE-Facebookseite bricht sich der Unmut Bahn. "Nach 20 Minuten ausgeschaltet wegen des Tons", berichtet ein Leser, ein anderer klagt über "Tinitus, Kopfschmerzen!" Die Wut ist groß: "Durch diese Drecksdinger kommt überhaupt keine Stimmung aus dem Stadion rüber!" - "Da wird jede Stimmung und sämtliche Emotion auf den Rängen gekillt. 90 Minuten lang nur öööööööö." Nur wenige halten dagegen: "Anderes Land, andere Sitten. Lebt damit oder macht die Glotze aus."

Letzterer Tipp ist den übertragenden Fernsehanstalten natürlich nicht so recht.


ARD und ZDF können sich vor erbosten Mails und Anrufen der Zuschauer kaum retten. Sie wissen um den Fan-Frust.

"Glücklich kann damit niemand sein", sagt Manfred Straka, Sportredaktionschef des SWR, der bei der WM in der ARD federführend ist. Bertram Bittel, Teamchef der ARD in Südafrika, berichtet gar von verwirrten Zuschauern: "Anfangs haben uns viele Leute angerufen und gefragt, ob wir da einen Störton haben."

"Die müssen sich was einfallen lassen"

Wäre das monotone Dröhnen der Vuvuzelas tatsächlich ein technischer Defekt, könnten ARD und ZDF das Problem wohl recht zügig beheben. Doch so müssen die übertragenden Sender nach Wegen suchen, wie die Lärmbelästigung für die Zuschauer reduziert werden kann.

Ein Problem: Die Sendeanstalten haben keinen Einfluss auf die Signale der Außenmikrofone, über die das Geräusch so dominant eingefangen wird. Die Tonspur wird wie die Bilder von der Fernsehproduktionsfirma HBS im Auftrag der Fifa produziert. Die Tochtergesellschaft der Schweizer Sportrechte-Agentur Infront steht deshalb nun im Fokus der Kritik.

"Die müssen sich da was einfallen lassen", sagt ein ARD-Mitarbeiter. "Das Problem mit den Vuvuzelas ist seit dem Confed-Cup 2009 in Südafrika bekannt. Das sind Unzulänglichkeiten, an denen gearbeitet werden muss." ZDF-Teamchef Dieter Gruschwitz kündigt an, bei den täglichen Briefings mit HBS über das Problem zu reden: "Alle Sendeanstalten sind unzufrieden, deshalb werden wir unsere Position klar machen."

Gruschwitz nennt allerdings keine konkreten Forderungen. Schließlich ist man sich auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern im Klaren darüber, dass HBS die Vuvuzelas nicht einfach abdrehen kann, ohne den Rest der Stadionatmosphäre gleich mit stummzuschalten - moderne Audiotechnik hin oder her, so einfach ist das nicht.

HBS teilte SPIEGEL ONLINE mit, bisher habe weder eine deutsche noch eine ausländische Sendeanstalt die Produktionsfirma direkt auf das Vuvuzela-Problem angesprochen. Doch selbst wenn das Thema zur Sprache käme - Hoffnung auf Besserung gibt es kaum. "Eine Eliminierung oder Filterung des Vuvuzela-Geräuschpegels ist technisch ohne eine Beeinflussung des Gesamtsignals nicht möglich", sagte eine Unternehmenssprecherin.

Reporter in Kabine keine Option

Die Sendeanstalten improvisieren. ARD und ZDF drehen die Stadionatmosphäre beim Abmischen mit der Stimme des Reporters "aufs Nötigste runter", teilt die SWR-Sportredaktion auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Außerdem statten sie ihre Kommentatoren mit Lippenmikrofonen aus, die näher am Mund liegen als die üblichen Headsets und damit weniger Umgebungsgeräusche einfangen. Doch auch sie nehmen immer noch Stadionatmosphäre auf.

Die Option, den Reporter in eine abgeschottete Kabine zu setzen und auf diesem Weg nur dessen Stimme zu übertragen, kommt nicht in Betracht. "Keine Atmosphäre zu transportieren, ist für uns keine Option", sagt Gruschwitz. "Außerdem sind die Vuvuzelas Teil der WM und der südafrikanischen Kultur, da kommen wir nicht drum herum."

Daher erscheint auch ein Verbot der Krachmacher seitens der Fifa mehr als unwahrscheinlich. "Das würde das Problem natürlich lösen", sagt ein ARD-Mitarbeiter. "Aber solange Sepp Blatter sagt, das gehört dazu, habe ich wenig Hoffnung."

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16.06.2010 von Robert Rostock:

puh. Hab ich ein Schwein, denn ich hab bisher beides nicht gemacht und habe es auch nicht vor. Oder bei denen, die meinen, man dürfe Afrikaner nicht kritisieren, weil das was die machen ja automatisch gaaanz toll sein muss. [...] mehr...

16.06.2010 von DirkDD:

Ich wünsche Ihnen alles Gute, vieleicht hilft bei Ihnen das Tröten tatsächlich. mehr...

16.06.2010 von niederbayernsfußballfan:

vielleicht gibts nach der wm nen neuen rekord im freediving weil jmd mit der tröte alle spiele durchgeblasen hat und er dadurch seine lunge extrem trainiert hat :D mehr...

16.06.2010 von desktopper: Verstehe nicht?

Ich verstehe den Sinn Ihres Beitrages nicht. Es geht doch jetzt nicht um die Fernsehübertragung, sondern um die SR-pfiffe auf dem Platz. Diese werden in keiner Weise durch mp3 oder sonstwas unterdrückt und sind nun einmal [...] mehr...

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