ThemaFußball-WM 2010RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
12.06.2010
 

Trauerspiel gegen USA

Torwart-Aussetzer kostet England den Sieg

Von Benjamin Schulz

Englands Remis gegen die USA: Ein grünes Häufchen Elend
Fotos
REUTERS

Was ist nur mit Englands Torhütern los? Robert Green verpatzte seinem Team den Sieg - durch einen schweren Fehler schenkte er den USA ein Unentschieden. Am Ende lief es für den Außenseiter besser als für den angeblichen Geheimfavoriten der WM.

Hamburg - Es waren noch keine vier Minuten gespielt, da sah schon alles nach einem Sieg für England aus.

Der erste brauchbare Angriff der Engländer lief in der Auftaktpartie der Gruppe C gegen die USA. Stürmerstar Wayne Rooney passte den Ball in der Mitte auf seinen Angriffspartner Emile Heskey, der ließ den Ball zu Steven Gerrard abprallen - und der neue Kapitän brauchte gerade mal zwei Ballberührungen, um seine Mannschaft in Führung zu bringen. Er nahm den Ball mit links an und schob ihn per rechtem Außenrist clever am amerikanischen Torwart Tim Howard vorbei ein. Erster Angriff, erstes Tor - zu diesem frühen Zeitpunkt schien der Verlauf der Partie vorgezeichnet.

Doch England ruhte sich auf seiner Führung aus.

Und dann kam die 40. Minute. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Engländer keine Großchance der Gegner zugelassen, also versuchte es US-Mittelfeldspieler Clint Dempsey mit einem Distanzschuss, der eher ein Rückpass war - keine ernste Prüfung für einen WM-Torwart. Doch Robert Green im englischen Tor, der von Trainer Fabio Capello den Vorzug vor David James erhalten hatte, ließ den harmlosen Ball passieren.

Tor für die USA.

Der Ausgleichstreffer war der Wendepunkt des Spiels. Greens Patzer kostete seinem Team beim 1:1 (1:1) den Sieg.

So glücklich der Ausgleich zustande gekommen war - völlig unverdient war er nicht. Denn selbst nach dem Fehlstart mit dem frühen Rückstand wirkte das US-Team von Trainer Bob Bradley nicht schockiert. Jozy Altidore hatte mit einem Kopfball das englische Tor knapp verfehlt (19.). England spielte enttäuschend, zog sich zu weit zurück und überließ den USA das Feld. "Nach dem 1:1 hatten wir gute Chancen zu gewinnen", sagte US-Trainer Bob Bradley.

England spielte nach dem Seitenwechsel entschlossener. In der 49. Minute setzte sich Aaron Lennon auf der rechten Seite durch, seinen Pass spielte er jedoch in den Rücken der mitgelaufenen Mitspieler. In der 52. Minute war es wiederum Lennon, der Heskey in den freien Raum schickte. Doch der Stürmer schoss US-Torhüter Tim Howard direkt in die Arme. Howard parierte auch gegen Frank Lampard (63.).

"Wir müssen uns alle hinter ihn stellen"

Danach war es zunächst auch schon wieder vorbei mit dem englischen Offensivdrang. Zu langsam war der Spielaufbau, zu berechenbar das Passspiel. Die USA hatten weiter gefährliche Aktionen. So konnte auch Green seine Klasse unter Beweis stellen, als er Altidores Schuss aus kurzer Distanz reaktionsschnell an den Pfosten lenkte (64.).

Auf der anderen Seite hatten Rooney (74.) und Shaun Wright-Phillips (75.), der in Howard seinen Meister fand, das zweite Tor für England auf dem Fuß. In der Schlussphase brachte Capello auch noch Stürmer Peter Crouch, doch auch dem Zwei-Meter-Mann gelang nicht der Siegtreffer für den Favoriten.

"Unglücklicherweise haben wir ein unglückliches Tor bekommen, das war ein bisschen ein Schock", sagte Gerrard. Nach dem frühen Führungstreffer "haben wir natürlich erwartet, dass wir gewinnen". Dennoch versuchte Gerrard, dem Remis etwas Positives abzugewinnen: "Ich denke, das Wichtigste ist, dass man im ersten Spiel nicht verliert." Seinem Torhüter Green wollte er keinen Vorwurf machen: "Wir müssen uns jetzt alle hinter ihn stellen."

Vor der Partie, der ersten am WM-Spielort Rustenburg, war es auf der Anfahrt und rund um das Stadion teils zu chaotischen Szenen gekommen. Die Organisatoren waren mit dem Zuschaueraufkommen für das Spiel völlig überfordert. Bereits auf der Anfahrt über Pretoria standen die anreisenden Besucher in zum Teil kilometerlangen Staus, weil die Mautstellen auf der Autobahn jedes Fahrzeug einzeln abfertigten. Auch rund um das knapp 40.000 Zuschauer fassende Royal Bafokeng Stadium herrschte Chaos. Einweiser und Ordner waren nicht in der Lage, die anreisenden Zuschauer zu Parkplätzen oder Eingängen zu dirigieren. Das Stadion liegt etwa zwölf Kilometer außerhalb der Stadt und ist nur über eine einzige Zufahrtsstraße zu erreichen.

England - USA 1:1 (1:1)
1:0 Gerrard (4.)
1:1 Dempsey (40.)
England: Green - Johnson, Terry, King (46. Carragher), Ashley Cole - Lennon, Lampard, Gerrard, Milner (31. Wright-Phillips) - Rooney, Heskey (79. Crouch)
USA: Howard - Cherundolo, Demerit, Onyewu, Bocanegra - Bradley, Clark - Dempsey, Donovan - Altidore (86. Holden), Findley (77. Buddle)
Schiedsrichter: Simon (Brasilien)
Zuschauer: 38.646
Gelbe Karten: Milner, Carragher, Gerrard - Cherundolo, Demerit, Findley

Mit Material von sid und dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 340 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.06.2010 von SCSA:

Natürlich: Vor allem die Premier League ist eine riesen Marketing-Maschinerie, die wenig Respekt vor der Tradition des Fußballs und ihren Fans hat. Eine Entwicklung, die schlussendlich auch hier stattfindet. Sicherlich, da haben [...] mehr...

24.06.2010 von krafts:

Nun doch England :-) Und der USA wurde wieder ein Tor aberkannt, nur gerecht, dass sie in letzter Minute noch gewonnen haben. Nun also Deutschland gegen England. Ist mir recht, dann kann bei dieser WM keiner behaupten, dass [...] mehr...

24.06.2010 von ray4901: Scheinheilig

hinterhältig, deine Frage, du hast damals bei der Vertragsverlängerungsgeschichte kräftig genug hingelangt, da wär das Haarteil hängen geblieben. mehr...

23.06.2010 von Javanse:

So unterschiedlich können Meinungen seinen. Ich sah ein spannedes Spiel mit einer stärkeren Abwehr von Ghana als ich es erwartet hatte. Es war ein unterhaltsames Spiel, mit vielen Schwächen der der deutschen NM, aber gewnnen;) mehr...

23.06.2010 von ollux: Bundestrainer Löw

Das Spiel zeigte einen grausamen Kick, der die Defizite der Mannen um Löw deutlich zeigten. Glücklicherweise hatten die Spieler aus Ghana keinen Knipser. Was mich aber mehr interessiert: trägt Löw ein Toupet ? mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
alles aus der Rubrik Fußball
alles zum Thema Fußball-WM 2010

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen

Werden Sie Tipp-Weltmeister

Getty Images

Räumen Sie in den kostenlosen WM-Tippspielen von SPIEGEL ONLINE Preise im Wert von mehr als 55.000 Euro ab. Und so geht es...







TOP



TOP