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02.07.2010
 

Argentinien-Verteidiger Demichelis

Maradonas bayerisches Problem

Von Johannes Korge

Argentiniens Martin Demichelis: Zweikampfstarkes Sensibelchen
Fotos
AFP

Martin Demichelis kennt das deutsche Team so gut wie kein anderer Argentinier, seit Jahren spielt der Verteidiger beim FC Bayern. Nun trifft er im Viertelfinale auf seine Mannschaftskollegen. Für Trainer Diego Maradona könnte er so zum wichtigsten Mann werden - oder am Druck zerbrechen.

Er hatte sich so viel vorgenommen - und dann das. Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit im Gruppenspiel gegen Südkorea, der Ballverlust gegen Chung Yong Lee, das Gegentor. Plötzlich führte Argentinien kurz vor der Pause nur noch 2:1 gegen den Außenseiter aus Asien - und Martin Demichelis' Traum von einer erfolgreichen WM-Teilnahme drohte zum Alptraum zu werden.

"Ich habe mir heute die Wut von 40 Millionen Argentiniern zugezogen", sagte der Abwehrspieler nach der Partie, die seine Mannschaft am Ende locker 4:1 für sich entschied. Minuten zuvor hatte ihm Trainer Diego Maradona an der Seitenlinie tröstend über den Kopf gestrichen. Maradona weiß um das sensible Gemüt seines Verteidigers. Und er braucht einen mental starken Abwehrchef im Viertelfinalduell gegen Deutschland am Samstag (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Sieben seiner FC-Bayern-Teamkollegen hat DFB-Trainer Joachim Löw mit nach Südafrika gebracht, den Rest der deutschen Mannschaft kennt Demichelis nach sieben Jahren in der Bundesliga zur Genüge. Ihm ist jeder Trick, jede Bewegung von Thomas Müller oder Miroslav Klose aus zahllosen Trainingsduellen vertraut. Er weiß aus dem Ligabetrieb, wie schwer Mesut Özil oder Sami Khedira zu kontrollieren sind. Mit dieser Erfahrung könnte er zu Maradonas wichtigstem Mann in der Defensive werden.

Wie sehr sich Demichelis die eigenen Fehler zu Herzen nimmt, zeigte seine Analyse des Südkorea-Spiels. "Eigentlich habe ich besser gespielt als in der ersten Partie. Doch dann habe ich diesen Fehler gemacht, der meine Leistung beschmutzt hat." Es klang, als habe er sein Team um den Sieg gebracht. Auch das zweite und bisher letzte Gegentor der Argentinier gegen Mexiko ging auf seine Kappe.

Für Demichelis ist der Einsatz bei der Endrunde in Südafrika eine emotionale Angelegenheit, noch emotionaler als für den Rest des Teams. Was beim Wirbel um Stars wie Lionel Messi oder Gonzalo Higuain - und der Choreografie Maradonas an der Seitenlinie - einiges heißen will. Zum ersten Mal vertritt Demichelis sein Land beim wichtigsten Fußballturnier der Welt. Und das im fortgeschrittenen Sportleralter von 29 Jahren.

Bittere Enttäuschung vor der WM in Deutschland

Schon einmal stand er kurz vor dem Sprung in den WM-Kader und wurde bitter enttäuscht. Wenige Wochen vor der Endrunde 2006 hatte ihn der damalige argentinische Nationaltrainer José Pekerman aus dem Aufgebot gestrichen. Eine Entscheidung, die Demichelis zusetzte. "Es ist nicht nur so, dass ich keine Lust mehr zum Spielen habe. Ich habe keine Lust mehr zum Leben. Wer mich kennt, weiß, dass ich mein Leben ganz diesem Beruf gewidmet habe. Ich habe weder Lust zu verreisen noch auf irgendwas. Diese Nachricht hat mich schwer getroffen", sagte der damals 25-Jährige.

Dabei hätte das Turnier in Deutschland seine Weltmeisterschaft werden sollen. In den Stadien, die er kennt. In dem Land, in dem er zum Nationalspieler gereift ist. Seit 2003 verdient Demichelis sein Geld beim FC Bayern, gewann vier Meisterschaften und ebenso oft den Pokal. Doch trotz dieser Erfolge erwies sich der Argentinier nicht immer als pflegeleicht. Zwei Jahre brauchte er, um sich einen Stammplatz zu erkämpfen. Zwischendurch spekulierte er frustriert über einen möglichen Vereinswechsel.

Auch beim FC Bayern nicht mehr unumstritten

Den Durchbruch schaffte der gelernte Innenverteidiger schließlich als defensiver Mittelfeldspieler - und hatte von dieser Position nach drei Jahren genug. 2008 wagte Demichelis den öffentlichen Disput mit dem damaligen Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld, als er sich weigerte, gegen Cottbus als "Sechser" aufzulaufen. Es folgte eine Suspendierung, Schuldzuweisungen über die Medien und schließlich die Versöhnung.

Seitdem spielt Demichelis wieder beinahe ausschließlich in der Innenverteidigung. Unumstritten ist er spätestens seit dem Champions-League-Finale gegen Inter Mailand jedoch auch im Verein nicht mehr. Gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Diego Milito zeigte der 1,84-Meter-Mann die gleichen Schwächen, die ihn für Argentinien zum Risikofaktor machen. Zu langsam und mit Mängeln im Stellungsspiel hatte er entscheidenden Anteil am ersten Treffer der Italiener. Trotzdem gilt Demichelis bisher bei Bayern und vor allem im Nationalteam als gesetzt.

Böses Blut nach der Verletzung im Testspiel

Eine persönliche Rechnung ist schließlich noch aus dem letzten Testspiel der beiden Mannschaften offen. Im März gastierte Argentinien in München, Deutschland unterlag 0:1. Damals prallte Demichelis im Zweikampf mit Kapitän Michael Ballack zusammen und verletzte sich schwer im Gesicht. Wegen Brüchen des Augenhöhlenbogens, des Jochbeins und des Oberkiefers fehlte er den Bayern wochenlang und musste später mit einer Gesichtsmaske auflaufen.

Demichelis beklagte hinterher, der ehemalige Münchner Teamkollege habe sich nicht einmal nach seinem Gesundheitszustand erkundigt. Das direkte Duell mit dem verletzten Ballack fällt zwar aus, aber auch so dürfte Demichelis hochmotiviert in die Partie gehen.

Vor dem Viertelfinale stehen beide Mannschaften unter enormem Druck. Martin Demichelis weiß vor dem wohl wichtigsten Spiel seiner Karriere: Er kann mit seinem Insiderwissen die Partie für Argentinien mitentscheiden. Unterläuft ihm aber gegen Deutschland ein weiterer Fauxpas in der Defensive, könnte er sich das wohl nie verzeihen.

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insgesamt 10876 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
04.07.2010 von clauscst:

Schon klar: Der Pöbel sind immer die anderen. mehr...

04.07.2010 von irobot:

Zu schlagen? Die hätten sie weggeputzt. Fußball ist extrem schnell geworden. Früher bekam ein Netzer oder Beckenbauer den Ball, konnte ihn in aller Ruhe kontrollieren, sich mehrmals umschauen und dann einen Paß schlagen. Heute [...] mehr...

04.07.2010 von entreotto:

und dieses Wir-Gefühl erwacht dann wieder in 4Jahren auf ein Neues. Das Saarland wird Weltmeister !!! mehr...

04.07.2010 von thokolosh: Ach Willie

das ist doch Kinderkacke. Wieviel Leuten sind Sie in den Papstforen auf die Senkel gegangen, mit Ihrer Rechthaberei und Ihrem Wortverdrehen? Antworten Sie ruhig. Ich werde Inen nichr antworten; ich brauche mich nicht zu [...] mehr...

04.07.2010 von fun4ever: Nur mal...

... kurz zwischendurch: das ist die Nationalmannschaft der NIEDERLANDE, nicht von HOLLAND ! Die schwarz-weissen sind auch die DEUTSCHE Nationalmannschaft und nicht die von BAYERN oder NRW. have fun4ever mehr...

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Gelbe Karten im Viertelfinale

Sieht ein mit Gelb vorbelasteter Spieler im Viertelfinale die zweite Gelbe Karte, muss er laut Fifa-Statuten im Halbfinale aussetzen. Besteht keine Vorbelastung, verfällt eine eventuelle Gelbe Karte, die ein Spieler im Viertelfinale erhält nach dem Spiel und hat somit keine Auswirkungen auf die weiteren Partien. Damit will die Fifa einen Fall wie bei Michael Ballack verhindern. Dieser verpasste das WM-Finale 2002, weil er im Halbfinale seine zweite Gelbe Karte gesehen hatte.

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Deutschland gegen Argentinien

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  • Argentinien kommt weiter
  • Deutschland erreicht das Halbfinale

DFB-Kader WM 2010

Tor: Hans Jörg Butt (Bayern München), Manuel Neuer (Schalke 04), Tim Wiese (Werder Bremen)

Verteidigung: Dennis Aogo (Hamburger SV), Holger Badstuber (Bayern München), Jérôme Boateng (Hamburger SV), Arne Friedrich (VfL Wolfsburg), Marcell Jansen (Hamburger SV), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Serdar Tasci (VfB Stuttgart)

Mittelfeld: Sami Khedira (VfB Stuttgart), Toni Kroos (Bayer Leverkusen), Marko Marin (Werder Bremen), Mesut Özil (Werder Bremen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV)

Angriff: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gómez (Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Miroslav Klose (Bayern München), Thomas Müller (Bayern München), Lukas Podolski (1. FC Köln)

Weltmeister seit 1930
Jahr Weltmeister
1930 Uruguay (4:2 gegen Argentinien)
1934 Italien (2:1 n.V. gegen Tschechoslow.)
1938 Italien (4:2 gegen Ungarn)
1950 Uruguay (Finalgruppe*)
1954 Deutschland (3:2 gegen Ungarn)
1958 Brasilien (5:2 gegen Schweden)
1962 Brasilien (3:1 gegen Tschechoslow.)
1966 England (4:2 n.V. gegen Deutschland)
1970 Brasilien (4:1 gegen Italien)
1974 Deutschland (2:1 gegen Niederlande)
1978 Argentinien (3:1 n.V. gegen Niederl.)
1982 Italien (3:1 gegen Deutschland)
1986 Argentinien (3:2 gegen Deutschland)
1990 Deutschland (1:0 gegen Argentinien)
1994 Brasilien (3:2 n.E. gegen Italien)
1998 Frankreich (3:0 gegen Brasilien)
2002 Brasilien (2:0 gegen Deutschland)
2006 Italien (5:3 n.E. gegen Frankreich)
2010 Spanien (1:0 n.V. gegen Niederlande)
*Bei der WM 1950 gab es keine K.o.-Spiele. Der Weltmeister wurde in einer Finalgruppe ausgespielt.

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