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30.06.2010
 

Vor Argentinien-Spiel

Schweinsteiger eröffnet den Psychokrieg

Aus Pretoria berichtet Christian Gödecke

Foto: dpa

Schiedsrichter-Beeinflussung, Theatralik, Provokationen: Bastian Schweinsteiger hat Argentiniens Team vor dem Viertelfinale Unsportlichkeit vorgeworfen. Bei seiner Attacke schoss der DFB-Vizekapitän jedoch deutlich übers Ziel hinaus - er unterstellte einer ganzen Nation Charakterschwäche.

Wir dürfen keine Fehler machen, sagt Joachim Löw. Es soll das deutsche Rezept sein im WM-Viertelfinale gegen Argentinien (Samstag um 16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Schon kleinste Fehler können bestraft werden", mahnt der Bundestrainer. Er meint die schnellen Konter der Südamerikaner nach gegnerischen Ballverlusten.

Wir dürfen keine Fehler machen, sagt Bastian Schweinsteiger. Auch er spricht über das Duell gegen Lionel Messi und Diego Maradona und von Kleinigkeiten, "die auf diesem Niveau Spiele entscheiden." Zehn Minuten hat Schweinsteiger zu diesem Zeitpunkt auf dem Podium im DFB-Pressezentrum gesessen - und den ersten Fehler bereits gemacht. Keinen kleinen übrigens.

Schweinsteigers Fehler war nicht, über die aufgeheizte Atmosphäre nach dem Viertelfinale vor genau vier Jahren zu reden, "über die Handgreiflichkeiten der Argentinier uns gegenüber" nach ihrem Ausscheiden im Elfmeterschießen. Es war auch kein Fehler, dem Maradona-Team auch bei dieser WM diverse Unsportlichkeiten vorzuwerfen, etwa Schiedsrichter-Beeinflussung, Provokationen, Theatralik.

Attacke auf ein ganzes Land

Schweinsteigers Fehler war, dass er genau das tat, was er dem sportlichen Gegner zuvor vorgeworfen hatte - er provozierte. Und er verlor bei seiner Kritik das Maß, denn er attackierte ein ganzes Land. "Wie man hört, setzen sie sich im Stadion zusammen, obwohl sie für andere Plätze Karten haben." Die übrigen Zuschauer müssten dann stehen. "Das zeigt den Charakter und die Mentalität."


Schweinsteiger war 2006 dabei, als es nach dem Abpfiff des Viertelfinales zu Tumulten auf dem Spielfeld kam, in deren Folge Torsten Frings für das Halbfinale gegen Italien gesperrt wurde. Das Erlebnis hat sich tief eingebrannt in das Gedächtnis des DFB-Vizekapitäns, so tief, dass Schweinsteiger ungefragt darüber sprach, als er eigentlich die Veränderungen zwischen 2006 und 2010 erklären sollte. "Die Aktionen der Argentinier sind viel mehr in Erinnerung geblieben", sagt er.

Warum der 26-Jährige deshalb gleich einer ganzen Nation charakterliche Schwäche unterstellt, wird ein Rätsel bleiben. Fest steht nur: Schweinsteiger hat damit weder sich einen Gefallen getan noch seinem Team. Hunderte Journalisten füllten an diesem Tag das DFB-Pressezentrum, viele davon aus Argentinien. Die Worte des Nationalspielers werden auch bei der "Albiceleste" ankommen. Oder sollen sie es am Ende sogar? Steckt hinter der Provokation ein großer Psycho-Plan?

Provoziert Schweinsteiger die Provokateure?

Schweinsteiger hat ja auch dem "Stern" ein Interview gegeben, darin wurde er ähnlich deutlich. Angesprochen auf die Auseinandersetzungen nach dem Viertelfinale 2006 sagte er: "So etwas vergisst man nicht. Einige der Argentinier sind damals mir gegenüber handgreiflich geworden." Argentinien sei "sicher nicht eine der fairsten Mannschaften. Sie fordern gelbe Karten, wenn sie gefoult werden, und wenn sie selbst Foul spielen, dann beschweren sie sich auch noch beim Schiedsrichter, weil der gefoulte Spieler am Boden aus ihrer Sicht doch nur simuliert."

Sehr offene Worte sind das in einem Interview, das vor der Veröffentlichung durch den DFB autorisiert werden muss. Und auch in der Pressekonferenz konnte Schweinsteiger seine Vorwürfe noch einmal wiederholen - diesmal setzte er mit seiner Pauschalkritik an allen Argentiniern sogar noch einen drauf. Will Schweinsteiger die Provokateure provozieren?

Sieben DFB-Kicker sind im Viertelfinale mit Gelb vorbelastet, sie würden bei einer weiteren Verwarnung in einem möglichen Halbfinale fehlen (siehe Infokasten in der linken Spalte). Jede Aufheizung des Spiels macht diesen Fall wahrscheinlicher. Wenn man so will, könnte sich Schweinsteiger selbst einen Bärendienst erwiesen haben. Schweinsteiger ist einer der sieben Gelbsünder.

"Ich hoffe, dass der Schiedsrichter ein gutes Auge hat und ein Gefühl entwickelt, wer wen provoziert." Das hat Schweinsteiger dann auch noch gesagt und seine Teamkollegen gewarnt: "Wir müssen aufpassen und uns nicht provozieren lassen." Aufpassen und Ruhe bewahren, so lautet das Rezept des Bayern-Profis für das Spiel gegen Argentinien. Aber bis dahin sind es ja noch drei Tage.

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insgesamt 189 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.08.2011 von dreasgvm: Argentinien kein Latinoland?

? Gib dem Mann mal einer ein Wörterbuch. Am besten eins, wo Latein erklärt wird. mehr...

03.07.2010 von tylerdurdenvolland: ...

Ja, so machen es viele. Man hat zwar mehr oder weniger überhaupt keine Ahnung vom FUssball, aber was Schlaues zu sagen, weiss man trotzdem noch. Manche müssen allerdings selbst dabei noch kopieren.... mehr...

02.07.2010 von saul7: ++

Ist schon klar: Ein bisschen psychologische Kriegführung vor einem so wichtigen Spiel für die deutsche NM ist schon o.k. Ich würde mich allerdings mehr über eine gute sportliche Leistung im Spiel gegen die Argentinier freuen. [...] mehr...

02.07.2010 von OMFG: :-)

Dieter Nuhr hats halt drauf. mehr...

02.07.2010 von pablo morales: !!!

Ja, sicher doch. Ganz Lateinamerika ist neidisch auf Argentiniens Staatsbankrott. Übrigends, hat nicht nur Argentinien hat Nobelpreisträger. Wahrscheinlich noch nie was von Gabriel Garcia Marques gehört.... wie denn auch, als [...] mehr...

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WM-Reporter

Von der Fußball-WM 2010 in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) berichtet SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Christian Gödecke.

Gelbe Karten im Viertelfinale

Sieht ein mit Gelb vorbelasteter Spieler im Viertelfinale die zweite Gelbe Karte, muss er laut Fifa-Statuten im Halbfinale aussetzen. Besteht keine Vorbelastung, verfällt eine eventuelle Gelbe Karte, die ein Spieler im Viertelfinale erhält nach dem Spiel und hat somit keine Auswirkungen auf die weiteren Partien. Damit will die Fifa einen Fall wie bei Michael Ballack verhindern. Dieser verpasste das WM-Finale 2002, weil er im Halbfinale seine zweite Gelbe Karte gesehen hatte.

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