Von Peter Ahrens
Hamburg - Nüchterner, pragmatischer Ergebnisfußball - so hatten die Brasilianer im bisherigen Turnierverlauf ihre Siege eingefahren. Gegen die starken Niederlande im Viertelfinale reichte diese Strategie nicht mehr aus. Zwar packten Kaká, Luis Fabiano und Robinho an diesem Nachmittag in Port Elizabeth in einigen Momenten ihre fußballerischen Kunstfertigkeiten aus - aber das war am Ende zu wenig: Die Niederlande gewannen das Duell der Turnierfavoriten mit 2:1 und drehten dabei das Spiel nach 0:1-Rückstand zur Pause. Jetzt ist für die Holländer alles möglich.
Der Siegeszug Südamerikas bei dieser Weltmeisterschaft ist damit vorerst gestoppt. Am Samstag kommt es in Kapstadt zum zweiten Viertelfinalvergleich der Fußballriesen aus Lateinamerika und Europa zwischen Argentinien und dem Team von Bundestrainer Joachim Löw (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).
"Heute Abend feiern wir, und dann konzentrieren wir uns auf das nächste Spiel. Nach 25 Minuten haben wir unsere Angst abgelegt. Ich war froh, dass es da nur 1:0 stand. Doch in der zweiten Hälfte hat man gespürt, dass wir ein starkes Team sind", sagte Bondscoach Bert van Marwijk nach dem Triumph. Siegtorschütze Wesley Sneijder war fast außer sich vor Freude. "Es ist wunderbar, ein phantastisches Gefühl, Brasilien geschlagen zu haben. Eine der besten Mannschaften dieser WM. Wir haben immer daran geglaubt."
Dabei hatte es zunächst überhaupt nicht gut für Oranje ausgesehen: Den ersten Rückschlag musste das Team van Marwijks schon vor dem Anpfiff hinnehmen. Abwehrchef Joris Mathijsen vom Hamburger SV meldete sich nach dem Aufwärmen mit einer augenscheinlichen Zerrung ab, für ihn musste kurzfristig der 35-jährige André Ooijer einspringen, der bisher bei dieser WM noch keine Minute gespielt hatte.
Brasilianer nutzten Verunsicherung aus
Was man ihm zu Beginn deutlich anmerkte. Die Brasilianer hatten die Neuformierung der holländischen Abwehr natürlich mitbekommen und versuchten das sofort auszunutzen. Mit gezielten Pässen ins Herzstück der niederländischen Abwehr auf Robinho hatten sie schnell ausgemacht, dass Ooijer seine Position im Team noch nicht gefunden hatte. Schon nach acht Minuten stand Robinho frei, und nur der Abseitspfiff des japanischen Schiedsrichters Nishimuru verhinderte, dass es dann schon 1:0 stand.
Was sich in dieser Situation angedeutet hatte, trat zwei Minuten später ein. In der niederländischen Innenverteidigung tat sich ein riesiges Loch auf. Brasiliens Mittelfeldmann Felipe Melo machte das Einfachste, was man im Fußball tun kann: Er spielte den Ball vom Mittelkreis aus einfach geradeaus. Robinho konnte fast selbst nicht glauben, wie frei er plötzlich stand. Der niederländische Torwart Maarten Stekelenburg hatte gegen seinen Schuss keine Abwehrchance - 1:0 nach zehn Minuten.
Brasilien wählte die falsche Strategie
In der zweiten Hälfte legten sich die Südamerikaner sichtbar auf die Lauer und lockten die Niederländer in ihre eigene Hälfte. Der Rekordweltmeister war nur darauf aus, mit dem nächsten Konter die Vorentscheidung zu erzwingen - eine Strategie, die schon nach wenigen Minuten versagte. Wesley Sneijder flankte in den Strafraum, Felipe Melo und Torwart Julio Cesar behinderten sich gegenseitig, und Melo beförderte den Ball mit dem Hinterkopf ins eigene Netz. Komplett überraschend, der Ausgleich zu diesem Zeitpunkt (53.).
Felipe Melo, dem das Eigentor offenbar noch mächtig in den Knochen steckte, verlor anschließend die Nerven und trat brutal auf den Oberschenkel des am Boden liegenden Robben. Brasilien schwächte sich selbst. Eigentor und Platzverweis - diese Niederlage wird in Brasilien mit dem Namen Felipe Melo verbunden sein.
Die Südamerikaner bäumten sich dennoch noch einmal auf. Stekelenburg hatte offenbar ähnlich feuchte Hände vor Aufregung wie zahlreiche Zuschauer und ließ eine Flanke durch die Hände gleiten. Verteidiger Johnny Heitinga rettete den Sieg, indem er den Ball von der Torlinie wegbeförderte.
Dann der Schlusspfiff. Brasilien trägt Trauer. Jetzt werden sich die Kritiker von Trainer Carlos Dunga zu Wort melden. Dunga selbst rechnet offenbar bereits mit dem Ende seiner Tätigkeit. "Man wusste vom Beginn meiner Arbeit an, dass es vier Jahre sein werden", sagte der frühere Bundesliga-Profi vom VfB Stuttgart im brasilianischen Fernsehen. 2006 hatte Dunga die brasilianische Auswahl übernommen.
Die Niederlande träumen derweil weiter vom Titel. Im Halbfinale wartet mit Uruguay ein vermeintlich schlagbarer Gegner. In der Partie werden Nigel de Jong und Gregory van der Wiel allerdings nicht dabei sein. Beide sahen gegen Brasilien ihre zweite Gelbe Karte im Tunier und sind damit automatisch für das Halbfinale gesperrt.
Nach der Vorschlussrunde könnte es, wenn alles nach Wunsch läuft, zum Traum-Endspiel Niederlande gegen Deutschland kommen. Oder Niederlande gegen Argentinien. Mit beiden potentiellen Gegnern haben die Holländer eine Rechnung zu begleichen. Zweimal nacheinander standen sie in einem WM-Finale. 1974 hieß der Sieger Deutschland. 1978 Argentinien. Noch nie haben die Niederlande den WM-Titel geholt. Es wäre an der Zeit.
Niederlande - Brasilien 2:1 (0:1)
0:1 Robinho (10.)
1:1 Felipe Melo (Eigentor, 53.)
2:1 Sneijder (68.)
Niederlande: Stekelenburg - van der Wiel, Heitinga, Ooijer, van Bronckhorst - van Bommel, de Jong - Robben, Sneijder, Kuyt - van Persie (85. Huntelaar)
Brasilien: Julio César - Maicon, Lúcio, Juan, Michel Bastos (62. Gilberto) - Dani Alves, Gilberto Silva, Felipe Melo - Kaká - Luís Fabiano (77. Nilmar), Robinho
Schiedsrichter: Nishimura (Japan)
Gelbe Karten: Heitinga, van der Wiel, de Jong - Bastos
Rote Karte: Felipe Melo (Brasilien, 73., wegen Tätlichkeit)
Mit Material von dpa
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ich gebe Ihnen vollkommen recht! man kann es einfach nicht mehr anhören! Deutschland ist eben nur dritter! basta mehr...
und wer kann vor Neid und Mißgunst nichts anderes aus dem Ärmel hervorzaubern als kindische Verschwörungstheorien und "südländische Schauspieler"? mehr...
Ihr Beitrag stinkt ebenfalls zum Himmel: nach Neid :D Zwei WM hintereinander so verlieren erzeugt wirklich die lustigste Seite der Deutschen - das schlechte Verlieren. 2 Pizzen - arrivederci! 1 Paella - adiós! :D mehr...
... ob diese Prognose nicht doch etwas verwegen ist :-) mehr...
Ich tippe mal auf Spanien.......... mehr...
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