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04.07.2010
 

DFB-Sieg gegen Argentinien

Besser geht's nicht - oder doch?

Aus Kapstadt berichtet Christian Gödecke

Deutschland vs. Argentinien: Gala gegen die Gauchos
Fotos
dpa

Arne Friedrich schießt sein erstes Länderspieltor, Deutschland spielt sich in einen Rausch - und trifft sogar nach einem Freistoß: Nach der Glanz-Leistung gegen Argentinien darf das DFB-Team nun an den Titel denken. Doch Löws Elf gefällt sich weiter in der Außenseiterrolle.

Joachim Löw, das steht jetzt fest, wird den Sieg gegen Argentinien teuer bezahlen. Fußbälle für vier Townships in Südafrika sind fällig, Löw muss sie organisieren und übergeben, das war die Wette. Abgeschlossen hat sie der Bundestrainer mit seinem Co Hans-Dieter Flick, es ging um Standardsituationen und die Frage, ob Deutschland aus ruhenden Bällen ein Tor schießen könnte bei dieser WM. Ja, sagte Flick. Nein, sagte Löw.

Dann nimmt Bastian Schweinsteiger Anlauf. Es läuft die dritte Minute gegen Argentinien, Freistoß für Deutschland, der Ball dreht sich in Richtung Tor und auf den Kopf von Thomas Müller. Es steht 1:0. "Ich weiß nicht, ob wir in der Lage sind, aus einer Standardsituation ein Tor zu machen", hatte Löw vor dem Spiel gesagt. Zu selten lässt er diese ruhenden Bälle trainieren, aus Zeitmangel. Das letzte wichtige Standardtor ist auch gefühlt hundert Jahre her, es fiel beim 3:2 gegen Portugal im Viertelfinale der Euro 2008.

Schweinsteigers Freistoß und Müllers Kopfballtreffer sagen deshalb einiges aus über dieses außergewöhnliche, beeindruckende Spiel gegen Argentinien. Über die 4:0-Demontage eines Weltklasseteams durch eine deutsche Mannschaft, die keine Grenzen zu kennen scheint bei dieser WM. Die Seltenes in Serie schafft, Siege gegen Favoriten wie England oder Argentinien. Vier Tore in einem Spiel, dreimal schon.


Auf dem "Niveau eines Champions" sieht Löw seine Mannschaft später. Er wirkt angefasst in der Pressekonferenz nach dem Spiel, glücklich, was selten vorkommt bei diesem rationalen Trainer, der auch nach Siegen gern über Fehler redet. Von "unglaublichem Willen" spricht Löw. Und er nennt Bastian Schweinsteiger "grandios und herausragend". Auch namentliches Lob ist ihm üblicherweise fremd. Aber was ist das schon, normal? Nach diesem Spiel?

Symbolfigur Arne Friedrich

Man muss sich ja nur die andere große Szene des Bastian Schweinsteiger ansehen, in der 74. Minute. Er läuft mit dem Ball in den Strafraum, lässt drei argentinische Verteidiger ins Leere laufen und legt dann sanft zurück zu Arne Friedrich. Friedrich, das ist der an Toren gemessen erfolgloseste Kicker der DFB-Geschichte, 76 Spiele ohne eigenen Treffer. Schlechter sogar als Willy Schulz. Aber dann schreit dieser Friedrich, er verlangt den Ball und bugsiert ihn mit links tatsächlich an Sergio Romero vorbei ins argentinische Tor. "Ich habe nicht mehr daran geglaubt, dass ich noch ein Tor schieße. Ich bin überglücklich", sagt Friedrich.

Friedrich ist die Überraschung dieser WM, und er ist auch ein Symbol für die Entwicklung der Mannschaft. Unterschätzt vor Turnierstart, dann verblüffend gut. Aber ehrlicherweise dachte man schon nach dem England-Spiel: Besser geht's nicht mehr. Nicht für Friedrich und auch nicht für dieses DFB-Team.

Argentinien war ja nicht England. Argentinien hatte keine Mühe gehabt, in die WM zu starten, sondern vier Siege gefeiert. Argentinien hatte keine formschwache Offensivabteilung, sondern die meisten Tore aller Teams erzielt. Argentinien, das war der WM-Favorit. Aber am Ende war Argentinien doch wie England - chancenlos. "Das ist Wahnsinn, was hier abgelaufen ist. Wenn man Argentinien mit 4:0 vom Platz fegt, dann muss man erstmal nach Worten suchen", sagte Müller. "Argentinien war der Topfavorit, dass man die 4:0 schlägt, das ist unglaublich", sagte Philipp Lahm.

"Wir stehen zu Recht dort"

Es gab Anzeichen, dass es die deutsche Mannschaft in diesem Turnier weit bringen könnte. Die hohe Laufbereitschaft, die immer da war. Der Wille, ein Spiel zu dominieren, der immer da war - und gegen Ghana ersetzt wurde durch den Willen, ein Spiel unbedingt zu gewinnen. Egal wie. Die Fitness, die immer da war. Und die Spielfreude, die immer dann entstand, wenn ein frühes Tor fiel. Nach dem Argentinien-Spiel ist es nun Gewissheit. "Wir sind unter den besten vier Mannschaften der Welt. Und so, wie wir heute gespielt haben, stehen wir dort auch zu Recht", sagte Löw.


Der Bundestrainer trägt seinen Anteil am Erfolg. Löw hat wie schon gegen England aus einem Berg Daten, zusammengestellt von Chefscout Urs Siegenthaler, die wichtigsten Erkenntnisse extrahiert und dem Team mitgegeben. Vor allem die, dass Argentinien eine zweigeteilte Mannschaft ist mit fünf Defensiven, die wenig nach vorn machen. Und fünf Offensiven, die ungern nach hinten arbeiten. Entstanden vorne Ballverluste, gab es in der Mitte Lücken - und die wurden laut Löw verblüffend gut genutzt: "Wie wir die Argentinier mit Tempogegenstößen ausgehebelt haben, das war schon beeindruckend."

Erfolg in der Kabine abgehakt

"Wir waren taktisch clever eingestellt und wussten, wie Argentinien spielt. Wir haben gut gekontert, die Schwächen gut ausgenutzt. Das war der Schlüssel." Das sagte Manuel Neuer später in der Mixed Zone. Auch Neuer hat ja eine Entwicklung durchgemacht bei dieser WM. Es gab Zweifel, ob der Torwart die richtige Wahl als Nummer eins war, und mit jedem Spiel wurden die Zweifler weniger. Und wenn Neuer jetzt vom WM-Finale spricht, dann sollte man das sehr ernst nehmen.

Denn auch wenn die junge deutsche Mannschaft sich noch auf dem Platz feiern ließ, eine Ehrenrunde lief und dabei immer wieder applaudierte - sie hatte diesen Erfolg in der Kabine schon wieder abgehakt. Sie wird nicht abheben, die Mannschaft wisse, so Löw, dass der nächste Gegner schon warte, Spanien. Mal wieder ein Favorit wie England und Argentinien, laut Schweinsteiger sogar "das beste Team der Welt".

Aber es ist nach dem berauschenden 4:0 auch immer noch so, dass der nächste Gegner mehr zu verlieren hat als Deutschland - und ein Erfolg der Löw-Truppe eine Überraschung wäre. Es müsste mal wieder alles passen, obwohl es eigentlich nicht besser geht als gegen Argentinien.

Oder?

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08.07.2010 von tylerdurdenvolland: ...

Khedira hätte das Spanien Tor ganz alleine verhindern können, ein Frings wäre dagewesen und hätte wohl auch beim englischen wahrscheinlich ausreichend gestört. Bei beiden Toren war K es, der am nächsten STAND aber zu spät kam. [...] mehr...

08.07.2010 von tylerdurdenvolland: ...

Naja eine Statistik mit solchen Zahlen: "Laufstrecke 47,5 km" erklärt ihr Fssballverständnis ja schon recht deutlich... Die Etscheidung Khedira statt Frings spielen zu lassen hat das Spanienspiel unübersehbar [...] mehr...

08.07.2010 von tylerdurdenvolland: ..

Das Spanienspiel dürfte ja nun auch dem letzten gezeigt bhben, dass die bisherigen Gegner einfach schwach waren, um ein höflkiches Wort zu gebrauchen. Es war der Fehler von LÖW und sonst überhaupt niemandem nach den [...] mehr...

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DFB-Kader WM 2010

Tor: Hans Jörg Butt (Bayern München), Manuel Neuer (Schalke 04), Tim Wiese (Werder Bremen)

Verteidigung: Dennis Aogo (Hamburger SV), Holger Badstuber (Bayern München), Jérôme Boateng (Hamburger SV), Arne Friedrich (VfL Wolfsburg), Marcell Jansen (Hamburger SV), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Serdar Tasci (VfB Stuttgart)

Mittelfeld: Sami Khedira (VfB Stuttgart), Toni Kroos (Bayer Leverkusen), Marko Marin (Werder Bremen), Mesut Özil (Werder Bremen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV)

Angriff: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gómez (Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Miroslav Klose (Bayern München), Thomas Müller (Bayern München), Lukas Podolski (1. FC Köln)

Deutschlands WM-Bilanz
1930 nicht teilgenommen
1934 Spiel um Platz drei (3:2 gegen Österreich)
1938 Achtelfinale (2:4 gegen Schweiz)
1950 nicht teilgenommen
1954 Weltmeister (3:2 gegen Ungarn)
1958 Spiel um Platz drei (3:6 gegen Frankreich)
1962 Viertelfinale (0:1 gegen Jugoslawien)
1966 Finale (2:4 n.V. gegen England )
1970 Spiel um Platz drei (1:0 gegen Uruguay)
1974 Weltmeister (2:1 gegen Niederlande)
1978 2. Gruppenphase
1982 Finale (1:3 gegen Italien)
1986 Finale (2:3 gegen Argentinien)
1990 Weltmeister (1:0 gegen Argentinien)
1994 Viertelfinale (1:2 gegen Bulgarien)
1998 Viertelfinale (0:3 gegen Kroatien)
2002 Finale (0:2 gegen Brasilien)
2006 Spiel um Platz drei (3:1 gegen Portugal)
2010 Spiel um Platz drei (3:2 gegen Uruguay)



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