Aus Kapstadt berichtet Christian Gödecke
Joachim Löw, das steht jetzt fest, wird den Sieg gegen Argentinien teuer bezahlen. Fußbälle für vier Townships in Südafrika sind fällig, Löw muss sie organisieren und übergeben, das war die Wette. Abgeschlossen hat sie der Bundestrainer mit seinem Co Hans-Dieter Flick, es ging um Standardsituationen und die Frage, ob Deutschland aus ruhenden Bällen ein Tor schießen könnte bei dieser WM. Ja, sagte Flick. Nein, sagte Löw.
Dann nimmt Bastian Schweinsteiger Anlauf. Es läuft die dritte Minute gegen Argentinien, Freistoß für Deutschland, der Ball dreht sich in Richtung Tor und auf den Kopf von Thomas Müller. Es steht 1:0. "Ich weiß nicht, ob wir in der Lage sind, aus einer Standardsituation ein Tor zu machen", hatte Löw vor dem Spiel gesagt. Zu selten lässt er diese ruhenden Bälle trainieren, aus Zeitmangel. Das letzte wichtige Standardtor ist auch gefühlt hundert Jahre her, es fiel beim 3:2 gegen Portugal im Viertelfinale der Euro 2008.
Schweinsteigers Freistoß und Müllers Kopfballtreffer sagen deshalb einiges aus über dieses außergewöhnliche, beeindruckende Spiel gegen Argentinien. Über die 4:0-Demontage eines Weltklasseteams durch eine deutsche Mannschaft, die keine Grenzen zu kennen scheint bei dieser WM. Die Seltenes in Serie schafft, Siege gegen Favoriten wie England oder Argentinien. Vier Tore in einem Spiel, dreimal schon.
Symbolfigur Arne Friedrich
Man muss sich ja nur die andere große Szene des Bastian Schweinsteiger ansehen, in der 74. Minute. Er läuft mit dem Ball in den Strafraum, lässt drei argentinische Verteidiger ins Leere laufen und legt dann sanft zurück zu Arne Friedrich. Friedrich, das ist der an Toren gemessen erfolgloseste Kicker der DFB-Geschichte, 76 Spiele ohne eigenen Treffer. Schlechter sogar als Willy Schulz. Aber dann schreit dieser Friedrich, er verlangt den Ball und bugsiert ihn mit links tatsächlich an Sergio Romero vorbei ins argentinische Tor. "Ich habe nicht mehr daran geglaubt, dass ich noch ein Tor schieße. Ich bin überglücklich", sagt Friedrich.
Friedrich ist die Überraschung dieser WM, und er ist auch ein Symbol für die Entwicklung der Mannschaft. Unterschätzt vor Turnierstart, dann verblüffend gut. Aber ehrlicherweise dachte man schon nach dem England-Spiel: Besser geht's nicht mehr. Nicht für Friedrich und auch nicht für dieses DFB-Team.
Argentinien war ja nicht England. Argentinien hatte keine Mühe gehabt, in die WM zu starten, sondern vier Siege gefeiert. Argentinien hatte keine formschwache Offensivabteilung, sondern die meisten Tore aller Teams erzielt. Argentinien, das war der WM-Favorit. Aber am Ende war Argentinien doch wie England - chancenlos. "Das ist Wahnsinn, was hier abgelaufen ist. Wenn man Argentinien mit 4:0 vom Platz fegt, dann muss man erstmal nach Worten suchen", sagte Müller. "Argentinien war der Topfavorit, dass man die 4:0 schlägt, das ist unglaublich", sagte Philipp Lahm.
"Wir stehen zu Recht dort"
Es gab Anzeichen, dass es die deutsche Mannschaft in diesem Turnier weit bringen könnte. Die hohe Laufbereitschaft, die immer da war. Der Wille, ein Spiel zu dominieren, der immer da war - und gegen Ghana ersetzt wurde durch den Willen, ein Spiel unbedingt zu gewinnen. Egal wie. Die Fitness, die immer da war. Und die Spielfreude, die immer dann entstand, wenn ein frühes Tor fiel. Nach dem Argentinien-Spiel ist es nun Gewissheit. "Wir sind unter den besten vier Mannschaften der Welt. Und so, wie wir heute gespielt haben, stehen wir dort auch zu Recht", sagte Löw.
Erfolg in der Kabine abgehakt
"Wir waren taktisch clever eingestellt und wussten, wie Argentinien spielt. Wir haben gut gekontert, die Schwächen gut ausgenutzt. Das war der Schlüssel." Das sagte Manuel Neuer später in der Mixed Zone. Auch Neuer hat ja eine Entwicklung durchgemacht bei dieser WM. Es gab Zweifel, ob der Torwart die richtige Wahl als Nummer eins war, und mit jedem Spiel wurden die Zweifler weniger. Und wenn Neuer jetzt vom WM-Finale spricht, dann sollte man das sehr ernst nehmen.
Denn auch wenn die junge deutsche Mannschaft sich noch auf dem Platz feiern ließ, eine Ehrenrunde lief und dabei immer wieder applaudierte - sie hatte diesen Erfolg in der Kabine schon wieder abgehakt. Sie wird nicht abheben, die Mannschaft wisse, so Löw, dass der nächste Gegner schon warte, Spanien. Mal wieder ein Favorit wie England und Argentinien, laut Schweinsteiger sogar "das beste Team der Welt".
Aber es ist nach dem berauschenden 4:0 auch immer noch so, dass der nächste Gegner mehr zu verlieren hat als Deutschland - und ein Erfolg der Löw-Truppe eine Überraschung wäre. Es müsste mal wieder alles passen, obwohl es eigentlich nicht besser geht als gegen Argentinien.
Oder?
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[QUOTE=Florian Geyer;5820365]Leider werde ich recht behalten mit meiner Prognose, Spanien wird Weltmeister. Unsere deutsche Mannschaft ist hart aber fair auf dem Boden der fußballerischen deutschen Tatsachen angekommen. Nix mit [...] mehr...
Schade, der Traum ist aus. Danke Spanien für ein faires Spiel! Die Spanier haben heute einfach einen unglaublichen Ball gespielt und sind mit dem Selbstverständnis eines Titels im Gepäck aufgetreten. Das muss man einfach neidlos [...] mehr...
Khedira hätte das Spanien Tor ganz alleine verhindern können, ein Frings wäre dagewesen und hätte wohl auch beim englischen wahrscheinlich ausreichend gestört. Bei beiden Toren war K es, der am nächsten STAND aber zu spät kam. [...] mehr...
Naja eine Statistik mit solchen Zahlen: "Laufstrecke 47,5 km" erklärt ihr Fssballverständnis ja schon recht deutlich... Die Etscheidung Khedira statt Frings spielen zu lassen hat das Spanienspiel unübersehbar [...] mehr...
Das Spanienspiel dürfte ja nun auch dem letzten gezeigt bhben, dass die bisherigen Gegner einfach schwach waren, um ein höflkiches Wort zu gebrauchen. Es war der Fehler von LÖW und sonst überhaupt niemandem nach den [...] mehr...
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