ThemaFußball-WM 2010RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.07.2010
 

DFB-Verteidiger Mertesacker

"Die Kanzlerin wollte uns ein paar Punkte sagen"

Deutschland vs. Argentinien: Gala gegen die Gauchos
Fotos
Getty Images

England weggefegt, Argentinien gedemütigt: Die deutsche Nationalmannschaft zeigt bei der WM in Südafrika glänzende Leistungen. Im Interview spricht DFB-Verteidiger Per Mertesacker über neue Typen, alte Erinnerungen - und Angela Merkels Auftritt in der Kabine.

SPIEGEL ONLINE: Herr Mertesacker, wie war das, als nach dem 4:0 gegen Argentinien plötzlich Angela Merkel in der Kabine auftauchte?

Mertesacker: Wir waren alle begeistert. Die Stimmung in der Kabine war ja schon ziemlich ausgelassen. Wir stehen im Halbfinale. Und dann stand sie plötzlich da...

SPIEGEL ONLINE: ...und redete danach eine halbe Stunde.

Mertesacker: Auf die Uhr habe ich nicht geschaut, aber richtig, die Kanzlerin wollte uns ein paar Punkte sagen. Dass sie schwer begeistert gewesen ist vom Spiel. Sie hat uns auch von einem Besuch in einem Township erzählt. Dort hatte sie viele Kinder getroffen, die alle sagten: Argentinien wird gewinnen, wegen Lionel Messi.

SPIEGEL ONLINE: Das hat Frau Merkel doch nicht auf sich sitzen lassen?

Mertesacker: Nein. Sie hat den Kindern geantwortet, dass sie für Deutschland ist. Und das zu Recht und mit Stolz, wie sie uns sagte, weil wir als eine tolle Mannschaft aufgetreten sind.

SPIEGEL ONLINE: Sie soll auch gesagt haben, dass das alles ein Traum ist.

Mertesacker: Für uns ist das kein Traum mehr. Ich habe schon zu viel erlebt. Wenn man hier herkommt und so ein Spiel wie das gegen Argentinien sieht, dann wirkt das vielleicht wie ein Traum. Wer aber die ganze Zeit dabei ist, wer gespürt hat, wie dieses Team vom ersten Moment an gewachsen ist, für den ist das hier Realität.


SPIEGEL ONLINE: Sie sind überhaupt nicht erstaunt über den Erfolg?

Mertesacker: Was heißt erstaunt? Denken Sie doch einmal zurück. Die Voraussetzungen waren nicht die besten. Es gab viele Hiobsbotschaften, wir hatten Ausfälle zu verkraften. Und waren unsicher, ob und wie wir das meistern würden. Deswegen kann man diesen Erfolg als Überraschung werten. Trotzdem haben Mitglieder dieser Mannschaft immer wieder betont, dass was drin ist.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren einer davon.

Mertesacker: Ja, aber diesen Glauben muss man sich auch hart erarbeiten. In den vergangenen Tagen ist der Glaube gereift, dass wir eine Mannschaft sind, die auch stark spielen kann. Sie hat sich zur richtigen Zeit gefunden. Jeder glaubt jetzt, dass der Erfolg machbar ist.

SPIEGEL ONLINE: Ist der Mannschaftsgeist besser als im Jahr 2006, als das Team ebenfalls das Halbfinale erreichte?

Mertesacker: Ich will das nicht vergleichen. Das steht mir nicht zu. Es hat viele Veränderungen gegeben. Neue Spieler und Typen sind gekommen. 2006 ist ein abgeschlossenes Turnier, verbunden mit schönen Erinnerungen. Jetzt haben wir eine neue Situation.

SPIEGEL ONLINE: Was ist es denn, was diese Mannschaft zusammenhält?

Mertesacker: In erster Linie der Erfolg. Der macht uns unwiderstehlich. Aber es gibt ja auch Gründe für diesen Erfolg. Wir schlagen den großen Turnierfavoriten Argentinien 4:0. Das geht nicht eben so und sagt deswegen alles. Wir wollen mehr.


Das Interview entstand in der Mixed Zone nach dem Sieg gegen Argentinien. Aufgezeichnet von Christian Gödecke

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 218 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.07.2010 von ratbag: .

Hart? Ich glaube sie haben in ihrem Leben noch nie hart gearbeitet! Als Bundeskanzlerin jeden Morgen aufstehen. Mit dem Chauffeur in der Luxuslimo auf die Arbeit gefahren werden. Ohne Stau übrigens. Dann ein kleiner Snack [...] mehr...

06.07.2010 von riga_ernest: Okay No. 2

Das stimmt so alles nur bedingt. Die Engländer SIND rückständig und traditionalistisch im Denken, aber nicht generell gegen Veränderungen eingestellt. Dinge entwickeln sich hier viel schneller. Ich stimme Ihrer Einschätzung [...] mehr...

06.07.2010 von riga_ernest: Okay.

Das klingt anders, stimmt. Ich denke, eine völlige Umstrukturierung des Sozialsystems wäre sinnvoll - im Sinne eines Grundeinkommens, zum Beispiel, mit viel weniger Bürokratie und Verwaltung. Die ist nämlich das, was den Leuten [...] mehr...

06.07.2010 von raka: .

Soldaten, Polizisten? Da träumen Sie aber. Ich denke Sie sind ein politischer Mensch, weil Sie sich (wie ich auch) im Spiegelforum rum treiben. Da sollte Ihnen eigentlich bekannt sein wie hart das Dasein eines Regierungschefs [...] mehr...

06.07.2010 von 2010sdafrika: Merkel ein großer Fußball-Fan!

Ich finde es echt klasse, wie öffentlichkeitswirkam sich die Kanzlerin als DFB-Fan präsentiert. Bereits im Februar 2010 empfing Merkel im Bundeskanzleramt unter anderem den Bundestrainer Jogi Löw, um den DFB-Repräsentanten ihren [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
alles aus der Rubrik Fußball
alles zum Thema Fußball-WM 2010

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Zur Person

Per Mertesacker debütierte 2004 als 20-jähriger Profi in der Nationalmannschaft. Seither hat der Innenverteidiger, der nach der WM 2006 von Hannover 96 zu Werder Bremen wechselte, 67 Länderspiele absolviert und sich eine unumstrittene Position in der deutschen Viererkette erarbeitet. Mertesacker wurde bei der WM 2006 mit dem DFB-Team Dritter, bei der EM 2008 Zweiter. Seine größte Stärke ist seine Fähigkeit, in der Abwehrarbeit nahezu ohne Fouls auszukommen.

Vote

Deutschland gegen Spanien

Wie endet die Partie des WM-Halbfinales?

  • Deutschland erreicht das Finale
  • Spanien setzt sich durch

DFB-Kader WM 2010

Tor: Hans Jörg Butt (Bayern München), Manuel Neuer (Schalke 04), Tim Wiese (Werder Bremen)

Verteidigung: Dennis Aogo (Hamburger SV), Holger Badstuber (Bayern München), Jérôme Boateng (Hamburger SV), Arne Friedrich (VfL Wolfsburg), Marcell Jansen (Hamburger SV), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Serdar Tasci (VfB Stuttgart)

Mittelfeld: Sami Khedira (VfB Stuttgart), Toni Kroos (Bayer Leverkusen), Marko Marin (Werder Bremen), Mesut Özil (Werder Bremen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV)

Angriff: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gómez (Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Miroslav Klose (Bayern München), Thomas Müller (Bayern München), Lukas Podolski (1. FC Köln)
Deutschlands WM-Bilanz
1930 nicht teilgenommen
1934 Spiel um Platz drei (3:2 gegen Österreich)
1938 Achtelfinale (2:4 gegen Schweiz)
1950 nicht teilgenommen
1954 Weltmeister (3:2 gegen Ungarn)
1958 Spiel um Platz drei (3:6 gegen Frankreich)
1962 Viertelfinale (0:1 gegen Jugoslawien)
1966 Finale (2:4 n.V. gegen England )
1970 Spiel um Platz drei (1:0 gegen Uruguay)
1974 Weltmeister (2:1 gegen Niederlande)
1978 2. Gruppenphase
1982 Finale (1:3 gegen Italien)
1986 Finale (2:3 gegen Argentinien)
1990 Weltmeister (1:0 gegen Argentinien)
1994 Viertelfinale (1:2 gegen Bulgarien)
1998 Viertelfinale (0:3 gegen Kroatien)
2002 Finale (0:2 gegen Brasilien)
2006 Spiel um Platz drei (3:1 gegen Portugal)
2010 Spiel um Platz drei (3:2 gegen Uruguay)




TOP



TOP