Aus Pretoria berichtet Christian Gödecke
Erst war er die Überraschung, als er gegen Australien in der Startelf stand. Dann war er der Wiedergänger von Gerd Müller, als er mit der Nummer 13 auf dem Rücken aus der Drehung traf. Er schoss zwei Tore gegen England und wurde von der britischen Presse gefeiert. Er war als bester Scorer mit vier Treffern und drei Vorlagen auf dem Weg, der herausragende junge WM-Spieler zu werden. Thomas Müller, 20, hat viele positive Rollen gespielt in den vergangenen Wochen. Ausgerechnet jetzt ist es die des Pechvogels.
Im Viertelfinale gegen Argentinien sprang ihm der Ball aus kürzester Entfernung an die Hand, Müllers einziges Vergehen war, den Oberkörper ein wenig in Richtung des Balles zu drehen.
Die Folge war die zweite Gelbe Karte und eine Sperre fürs Halbfinale gegen Spanien (Mittwoch, 20.30, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Ein persönliches Drama für Müller. "Ich hoffe, dass meine Kollegen im Halbfinale alles richtig machen, dann kann ich vielleicht im Finale wieder ein Tor machen", sagte der Bayern-Profi.
Die Frage ist, ob die deutsche Mannschaft mit dem Ausfall ähnlich abgeklärt umgehen kann wie Müller.
Es muss ja nicht irgendwer ersetzt werden. Müller war eine ungeheure Inspiration für das Team, schnell, laufbereit, anspielbar, selbstlos, zweikampfstark. Er verkörperte von allen vielleicht am besten eine der wichtigsten Stärken der Jugend - ihre Unbekümmertheit. Vor dem Tor ist dieser Müller ohnehin ein Phänomen.
"Da muss halt ein anderer ran"
"Wir haben Spieler, die Thomas Müller ersetzen können - und das werden wir auch schaffen", sagte Joachim Löw nach dem Argentinien-Spiel. Der Satz folgte auf eine lange Müller-Eloge, der Satz hing hinten dran und wirkte sehr kurz. Aber er wirkte überhaupt nicht wie eine Durchhalteparole. "Das ist natürlich ein Ausfall, weil er ein super Turnier gespielt hat. Aber da muss halt ein anderer ran", sagte Lukas Podolski.
Die Situation erinnert an die WM vor vier Jahren, als Torsten Frings für das Halbfinale gesperrt war. Frings war für die Mannschaft damals so wichtig wie Müller heute - nur der Umgang mit dem Ausfall ist diesmal ein anderer. Gelassener. Er zeigt das gewachsene Selbstbewusstsein dieses Teams. Das speist sich nicht nur aus den guten Ergebnissen sondern auch aus der Breite des Kaders und der WM-Vorbereitung. Die Botschaft ist: Wer in der Lage ist, die Verletzungen von Simon Rolfes, Michael Ballack, Christian Träsch und Heiko Westermann zu kompensieren, kann auch Müllers Fehlen verkraften.
Und tatsächlich: Es gibt zwei Alternativen, die nicht wirken wie eine schlechte Kopie des Originals. Ihre eigenen Stärken können gegen Spanien ebenso viel Einfluss auf das deutsche Spiel haben wie die Müllers.
Die erste Alternative heißt Toni Kroos. Es ist vielleicht die größte Tragik, dass der Talentierteste im deutschen Kader bisher so wenig Zeit bekam, sein Können zu zeigen. Kroos sollte eigentlich Khedira oder Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld ersetzen, falls einer der beiden ausgefallen wäre. Dabei ist Kroos kein Sechser, aber er ist der Einzige, der aufgrund seiner seltenen Begabung diese Position ebenso gut ausfüllen kann wie eine offensive.
Kroos bringt Gefahr bei Freistößen
Gegen Spanien könnte er erstmals von Beginn an als Rechtsaußen eine Chance bekommen. Kroos ist nicht so schnell wie Müller, aber ungemein ballsicher. Eine Eigenschaft, die gegen den Europameister wertvoll ist wie Gold. Zudem ist Kroos eine Waffe bei Standardsituationen. Er bringt Gefahr bei Freistößen und Präzision bei Ecken - wenn es bisher etwas zu bemäkeln gab im deutschen Spiel, dann den Umgang mit ruhenden Bällen. Kroos hat in Leverkusen neun Tore erzielt und 13 vorbereitet.
Joachim Löw hat seine Sympathien für diese Variante schon zum Ausdruck gebracht - gegen Spanien tendiere er zu Kroos oder Cacau, "aber Cacau ist noch verletzt". Cacau kam toll in die WM, traf gegen Australien (4:0) und vertrat Miroslav Klose gegen Ghana. Dann fiel er erst mit einer Bauchmuskelzerrung aus und später mit einer Wirbelblockade. Wird Cacau fit, könnte er Spaniens Linksverteidiger Joan Capdevila mit seiner Schnelligkeit vor Probleme stellen. Cacau ist laufstark wie Müller und sich auch nicht zu schade, am eigenen Strafraum zu schuften. Leider ist es mit seinen Flanken nicht zum Besten bestellt.
Ob Kroos oder Cacau - sie wären Ersatz für ein einziges Spiel. Denn wenn es nach Thomas Müller geht, könnte ein mögliches WM-Finale gegen Holland für ihn eine weitere Rolle vorsehen. Die des Siegtorschützen.
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[QUOTE=Florian Geyer;5820365]Leider werde ich recht behalten mit meiner Prognose, Spanien wird Weltmeister. Unsere deutsche Mannschaft ist hart aber fair auf dem Boden der fußballerischen deutschen Tatsachen angekommen. Nix mit [...] mehr...
Schade, der Traum ist aus. Danke Spanien für ein faires Spiel! Die Spanier haben heute einfach einen unglaublichen Ball gespielt und sind mit dem Selbstverständnis eines Titels im Gepäck aufgetreten. Das muss man einfach neidlos [...] mehr...
Khedira hätte das Spanien Tor ganz alleine verhindern können, ein Frings wäre dagewesen und hätte wohl auch beim englischen wahrscheinlich ausreichend gestört. Bei beiden Toren war K es, der am nächsten STAND aber zu spät kam. [...] mehr...
Naja eine Statistik mit solchen Zahlen: "Laufstrecke 47,5 km" erklärt ihr Fssballverständnis ja schon recht deutlich... Die Etscheidung Khedira statt Frings spielen zu lassen hat das Spanienspiel unübersehbar [...] mehr...
Das Spanienspiel dürfte ja nun auch dem letzten gezeigt bhben, dass die bisherigen Gegner einfach schwach waren, um ein höflkiches Wort zu gebrauchen. Es war der Fehler von LÖW und sonst überhaupt niemandem nach den [...] mehr...
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