Von Jens Witte
Hamburg - Am Ende musste Oranje noch zittern. Um den ersten Einzug in ein WM-Finale seit 1978. Doch schließlich reichten den Niederländern fünf starke Minuten für den 3:2 (1:1)-Erfolg im Halbfinale gegen Uruguay. Das Team von Bondscoach Bert van Marwijk bietet dem Publikum beim Turnier in Südafrika eben eher Ergebnis-, denn Erlebnisfußball.
Giovanni van Bronckhorst (18. Minute) und ein Doppelschlag durch Wesley Sneijder und Arjen Robben (70. und 73.) brachten die Niederländer ins Endspiel. Ihr Gegner wird am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Duell zwischen Spanien und Deutschland ermittelt. Der Verlierer dieser Partie trifft im Spiel um Platz drei auf Uruguay, für das Diego Forlán (41.) und Maxi Pereira (90.+2) erfolgreich waren.
"Es ist unglaublich, was wir erreicht haben. Wir sind im Finale", sagte van Marwijk nach der Partie. "Wir haben unser Ziel aber noch nicht erreicht", fügte der 58-Jährige hinzu - er hatte zuvor bereits von der "Mission, Weltmeister zu werden" gesprochen. Sein Schwiegersohn, Bayern-Kapitän Mark van Bommel, konnte kurz nach dem Abpfiff "noch gar nicht begreifen, was heute passiert ist. Bei unserem letzten WM-Finale war ich gerade ein Jahr alt. Es war heute nicht alles super, aber wir stehen im Finale."
Die Hoffnungen der Niederländer ruhten vor dem Anpfiff auf Sneijder. Der Regisseur im Oranje-Mittelfeld hatte seine Mannschaft schließlich mit seinen Treffern im Viertelfinale gegen Brasilien erst in die Runde der letzten Vier gebracht.
Und der Mann, der in der abgelaufenen Saison Inter Mailand zu Meisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Triumph führte, leitete in der vierten Minute gleich die erste gefährliche Aktion des Spiels ein. Seine Flanke konnte Uruguays Torhüter Fernando Muslera nicht weit genug klären, doch der Nachschuss von Dirk Kuijt flog weit über das Tor.
Zähe Partie, überraschender van Bronckhorst
Anschließend entwickelte sich die Partie vor 62.479 Zuschauern im Green-Point-Stadion von Kapstadt erst mal so wie erwartet: zäh. Die Niederländer verbuchten mehr als 60 Prozent Ballbesitz, kontrollierten den Gegner, spielten sich aber kaum Torchancen heraus - weil die Südamerikaner die Räume in der eigenen Hälfte geschickt dichtmachten. Und wenn die Niederländer dann doch mal in aussichtsreicher Position vor dem Tor Uruguays auftauchten, standen sie sich selbst im Weg. So wie in der 13. Minute, als Sneijder aus 17 Metern abzog - und in Robin van Persie der eigene Stürmer den Schuss abblockte.
Für den Durchbruch aus niederländischer Sicht sorgte dann auch niemand aus dem Offensivquartett Kuijt, Sneijder, van Persie und Robben, sondern ein Abwehrspieler. Kapitän Giovanni van Bronckhorst traf aus 25 Metern mit links ins rechte obere Toreck: 1:0 für Oranje (18.). Für den Linksverteidiger war es erst der sechste Treffer im 106. Länderspiel.
Uruguay zeigte sich nur selten in der Offensive. Lange Zeit war ein 40-Meter-Schuss von Alvaro Pereira (6.) noch die gefährlichste Aktion. Umso überraschender fiel der Ausgleich für das Team von Oscar Tabárez. Diego Forlán verschaffte sich mit einer Körpertäuschung Freiraum und versuchte es mit seinem schwächeren linken Fuß aus 25 Metern. Der Ball schlug fast zentral im niederländischen Tor ein, Schlussmann Maarten Stekelenburg gab dabei keine gute Figur ab (41.). Hollands Innenverteidiger John Heitinga hatte vor der Partie noch ausdrücklich vor Forlán, seinem früheren Mannschaftskollegen bei Atlético Madrid, gewarnt: "Der Mann ist echt lebensgefährlich, wenn er aus großer Entfernung zum Schuss kommt. Das kann keiner besser als er."
Oranjes Können blitzt nur kurz auf
Van Marwijk reagierte zur Pause, brachte den offensiven Rafael van der Vaart für den eher defensiven Demy de Zeeuw. Die erste große Chance nach dem Seitenwechsel hatten aber die Uruguayer - eingeleitet von Khalid Boulahrouz. Der niederländische Verteidiger brachte seinen Torhüter mit einem riskanten Rückpass in Bedrängnis, Forláns Sturmpartner Edinson Cavani ahnte die Situation voraus, doch van Bronckhorst rettete kurz vor der Torlinie (51.).
Uruguay attackierte die Niederländer in der Folge früher. Sneijder, Robben, van Persie und Co. waren komplett abgemeldet. Für Gefahr sorgten allein die Südamerikaner. Forlán prüfte Stekelenburg mit einem Freistoß (67.). Das schien eine Art Weckruf für die Niederländer zu sein.
Im Gegenzug scheiterte Van der Vaart an Muslera, den Abpraller setzte Robben über das Tor (68.). Kurze Zeit später blieb es Sneijder vorbehalten, die Elftal erneut in Führung zu bringen. Der 26 Jahre alte Spielmacher zog im gegnerischen Strafraum ab, Uruguays Maxi Pereira veränderte leicht die Flugbahn des Balls - und van Persie zog diesmal rechtzeitig seinen Fuß weg (70.). Der Angreifer stand allerdings knapp im Abseits. Schiedsrichter Rawschan Irmatow aus Usbekistan wertete das Stellungsspiel van Persies aber offenbar nicht als aktiven Eingriff in den Spielzug und erkannte den Treffer an. Mit seinem fünften Turniertor schloss Sneijder zum Führenden in der WM-Torjägerliste, dem Spanier David Villa, auf.
Robben mit dem Kopf erfolgreich
Für die Vorentscheidung sorgte dann Robben. Der Bayern-Star verwertete eine Kuijt-Flanke per Kopf zum 3:1 (73.). Doch Maxi Pereira sorgte mit seinem Anschlusstreffer in der Nachspielzeit noch einmal für spannende Schlussminuten. Der Rechtsverteidiger von Benfica Lissabon ließ Stekelenburg bei seinem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze keine Abwehrchance. Anschließend warf Uruguay alles nach vorn und brachte den Ball auch noch ein paar Mal gefährlich in den gegnerischen Strafraum.
Am Ende aber reichte es für die Niederländer.
"Wir sind traurig, aber es ist nicht der Moment, um Tränen zu vergießen. Wir haben die Niederländer in Schwierigkeiten gebracht. Darauf bin ich stolz", sagte Uruguays Trainer Tabárez.
Im Endspiel könnte es am Sonntag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zum WM-Klassiker Deutschland gegen Holland kommen. "Ein Traumfinale" für Arjen Robben. "Aber nur wenn wir das gewinnen. Wenn ich verliere, dann kann ich wohl nicht zurück zu Bayern", sagte der 26-Jährige mit einem Augenzwinkern. "Dann muss ich mir wohl einen neuen Verein suchen."
Uruguay - Niederlande 2:3 (1:1)
0:1 van Bronckhorst (18.)
1:1 Forlán (41.)
1:2 Sneijder (70.)
1:3 Robben (73.)
2:3 Maxi Pereira (90.+2)
Uruguay: Muslera - Maxi Pereira, Victorino, Godín, Cáceres - Pérez, Arévalo Ríos, Gargano, Alvaro Pereira (78. Abreu) - Forlán (84. Sebastián Fernández), Cavani
Niederlande: Stekelenburg - Boulahrouz, Heitinga, Mathijsen, van Bronckhorst - van Bommel, de Zeeuw (46. van der Vaart) - Robben (90. Elia), Sneijder, Kuyt - van Persie
Schiedsrichter: Irmatow (Usbekistan)
Zuschauer: 62.479
Gelbe Karten: Maxi Pereira, Cáceres - Sneijder, Boulahrouz, van Bommel
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ich gebe Ihnen vollkommen recht! man kann es einfach nicht mehr anhören! Deutschland ist eben nur dritter! basta mehr...
und wer kann vor Neid und Mißgunst nichts anderes aus dem Ärmel hervorzaubern als kindische Verschwörungstheorien und "südländische Schauspieler"? mehr...
Ihr Beitrag stinkt ebenfalls zum Himmel: nach Neid :D Zwei WM hintereinander so verlieren erzeugt wirklich die lustigste Seite der Deutschen - das schlechte Verlieren. 2 Pizzen - arrivederci! 1 Paella - adiós! :D mehr...
... ob diese Prognose nicht doch etwas verwegen ist :-) mehr...
Ich tippe mal auf Spanien.......... mehr...
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