Aus Durban berichtet Christian Gödecke
Er liegt einfach nur da, die Arme von sich gestreckt, die Knie angezogen. Bastian Schweinsteiger sieht aus, als würde er nach Mekka beten. Um ihn herum stehen seine Kameraden, ihre Köpfe hängen. Arne Friedrich ist der erste, der die Hände hebt und klatscht, der Applaus für die Fans ist ja zu einem Ritual geworden in den vergangenen Jahren. Nach den vielen Siegen und den wenigen Niederlagen. Joachim Löw geht in die Kabine, Schweinsteiger liegt immer noch da.
Jetzt rappelt er sich auf, um ihn herum heben sich langsam die Köpfe, Manuel Neuer geht zu Andreas Köpke. Köpke streichelt kurz den Rücken des Torhüters, vor der Auswechselbank unterhalten sich Oliver Bierhoff und Hans-Dieter Flick, sie blicken mit verschränkten Armen auf den Rasen und all das Leid. Spanische Spieler laufen langsam auf die deutschen zu, sie schütteln Hände, streicheln Köpfe. Es sind Gesten der Sieger.
Bastian Schweinsteiger bekommt das Trikot von Andrés Iniesta. Er legt es sich um den Hals wie ein Handtuch, spricht lange mit Philipp Lahm. Dann geht er als letzter vom Feld wie ein Kapitän von einem sinkenden Schiff.
Später wird Bastian Schweinsteiger gefragt, ob diese WM ein Erfolg für die deutsche Mannschaft sei. Man kann sich die Fanmeilen in Deutschland anschauen oder die Weltpresse lesen, die dieses DFB-Team liebt für seine Spielweise. Demnach wäre diese WM ein Erfolg, trotzdem.
Aber Schweinsteiger sagt: "Auch wenn alle sagen, dass wir ein tolles Turnier gespielt haben, sind wir doch sehr geknickt." Er wolle nicht schon wieder mit leeren Händen nach Hause kommen, hatte Schweinsteiger vor dem Halbfinale gefordert. Ein Erfolg, das meinte Schweinsteiger, wäre nur der Titel.
Statt um den Titel spielt die deutsche Mannschaft am Samstag gegen Uruguay um den dritten Platz (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), weil sie auf dem Papier ein Tor schlechter war als Spanien.
Nicht immer bestimmt die Höhe der Niederlage die Größe des Schmerzes, gerade gegen Spanien. Es war ja schon 2008 eher die Art und Weise und die dumpfe Machtlosigkeit. Das Gefühl, chancenlos gewesen zu sein. So wie dieses Mal auch. "Spanien hat das beste Team der Welt", sagt Schweinsteiger.
Tatsächlich hat man selten eine Mannschaft gesehen, die der Perfektion des modernen Fußballs so nahe gekommen ist wie dieses Spanien. Eine Mannschaft, die vorn Dreiecke aus Kurzpässen baute, in der Andrés Iniesta mal links und mal rechts spielte und Xavi überall war. In der jeder ballführende Spieler drei Anspielstationen hatte. Zu sehen waren schnelle Kurzpässe und immer wieder Seitenwechsel. Und dann diese Raumdeckung! Das Mittelfeld - ein undurchdringliches Netz. Weil die Außenverteidiger aufrückten und Sergio Busquets sich fallen ließ - ein 3-6-1.
War es am Ende der Respekt vor der Größe des Gegners, der die deutsche Mannschaft erstarren ließ? Man hört später viele Spieler sagen, dass der Mut im Spiel der Löw-Kicker gefehlt habe. Manuel Neuer sagt das, Philipp Lahm, Klose, Schweinsteiger, Toni Kroos. Und auch Joachim Löw: "Die Mannschaft hat heute nicht mit dem Mut und der Überzeugung wie in den ersten Spielen agiert." Das Gegenteil von Mut wäre Angst.
Aber es war wenig von Angst zu sehen im deutschen Spiel, das in der ersten Hälfte taktisch gar nicht schlecht war. Spanien dominierte zwar die ersten zwanzig Minuten, ohne aber zwingend zu sein. Eine Chance von David Villa, ein Kopfball von Carles Puyol, das war's. Haften blieben die vielen Male, in denen Per Mertesacker seinen Fuß in einen Steilpass stellte. Oder die Szene, in der Mesut Özil auf Iker Casillas zulief - und zu spät schoss. Angst war auch in der zweiten Hälfte nicht zu beobachten, als Toni Kroos die Chance zum 1:0 hatte und Casillas traf statt das Tor. Als sich Schweinsteiger immer wieder furchtlos auf den Boden warf, Philipp Lahm grätschte oder Marcell Jansen anrannte.
Es war nicht der Mut der fehlte, sondern die Klasse.
Spanien ist Deutschland in der fußballerischen Entwicklung Jahre voraus. Das Team profitiert von seinem Barcelona-Block, es profitiert von seiner Erfahrung und der Selbstverständlichkeit, die mit den Erfolgen wächst. Es profitiert von seinen Innenverteidigern, die allesamt eigentlich Mittelfeldspieler sind und brillant in der Spieleröffnung. Spanien ist Löws Ideal - er muss sich natürlicherweise noch gedulden, bis sein eigenes Team das Vorbild erreichen kann. "Sie sind über drei Jahre eingespielt", sagt Löw selbst. Er glaube aber, "dass wir solche Spiele in Zukunft erfolgreich gestalten."
Und genau deshalb ist dieses Turnier ein Erfolg und keine Enttäuschung. Der Erfolg wiegt keine 6,2 Kilogramm wie der WM-Pokal, er wiegt mehr - es ist die Gewissheit, dass dieser jungen Mannschaft die Zukunft gehört.
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Der arme Dr. Zwanziger, wo er sich doch schon mit Rücktrittsgedanken beschäftigt. "Bierhoff, Löw und Co" paktieren also mit Spielerberatern. SIe können das sicher sauber belegen. Spekulieren können Sie dann, ob auch [...] mehr...
und wenn erst rauskommt, dass der DFB von Scientology unterwandert ist, bleibt nur eine Wahl: Tom Cruise muss Bundestrainer werden! Natürlich nur, um mit anzusehen, wie der unorganisierteste, erfolgloseste, kleinste [...] mehr...
Keine Panik - alles bestens analysiert...! mehr...
Komm, komm, Daum hatten wir doch schon abgehakt, obwohl ich ihn als Fachmann sehe, aber wohl doch eher als Vereinstrainer, wo er dann schnell, nach 2-3 Jahren abfackelt. Nein, aber ein Magath, Hitzefeld, Schuster oder Rangnick, [...] mehr...
Das ist vielleicht der kritische Punkt daran. Jetzt kommt es auf die EM an! Schneidet die Mannschaft nicht gut genug ab, dann ist Löw wohl nicht mehr halten. Dann bleiben für den Nachfolger nur 2 Jahre für die WM. mehr...
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