Von Birger Hamann
Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft schlichen bei der Ehrenrunde durch das Nelson-Mandela-Bay-Stadion in Port Elizabeth. Sie bedankten sich artig bei den Zuschauern, klatschten, winkten, doch zum Feiern fehlte ihnen schlichtweg die Kraft.
Aber zumindest lächeln konnten sie. Alle. Sie hatten 3:2 (1:1) gegen Uruguay gewonnen und WM-Platz drei erreicht. Wieder, wie schon vor vier Jahren im eigenen Land.
"Natürlich hatten wir uns alle mehr erhofft, aber letztendlich war auch das Spiel um Platz drei ein Endspiel, das wir unbedingt gewinnen wollten. Wir sind froh, als Sieger vom Platz gegangen zu sein", sagte Sami Khedira, der mit einem Kopfballtor in der 83. Minute den Endstand hergestellt und den Deutschen Platz drei gesichert hatte.
Dabei war die Mannschaft geschwächt ins Spiel gegangen. Ein grippaler Infekt sorgte nicht nur dafür, dass Joachim Löw, der eine zeitnahe Entscheidung zu seiner Zukunft ankündigte, angeschlagen auf der Bank Platz nehmen musste, sondern zwang den Bundestrainer auch zum Umstellen. Und zwar im großen Stil.
Von enttäuschten Halbfinalverlierern war von Anfang an nichts zu sehen. Stattdessen standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die unbedingt das "kleine Endspiel" gewinnen und sich mit einem Sieg aus Südafrika verabschieden wollten. Entsprechend begannen sie auch. Kein Abtasten, kein Taktieren, Deutschland und Uruguay setzten voll auf Offensive. In der siebten Minute gab es die erste gute Möglichkeit für die Südamerikaner, doch Diego Forláns direkter Freistoß aus rund 20 Metern ging am linken oberen Toreck vorbei. Auf der Gegenseite war es Arne Friedrich, der nach einer Ecke von Mesut Özil per Kopf nur die Latte traf (10.).
Genauer zielte acht Minuten später Thomas Müller - auch wenn die Situation für den Bayern-Spieler ungleich einfacher war als zuvor für Friedrich. Einen Schuss von Bastian Schweinsteiger aus rund 30 Metern konnte Uruguays Torhüter Fernando Muslera nicht festhalten und ließ ihn nach vorne abprallen. Dort stand Müller und musste den Ball nur noch einschieben (18.). Es war sein fünftes Tor bei dieser WM.
Das deutsche Team ließ sich nicht beeindrucken und agierte fortan leicht überlegen, ohne sich jedoch eine klare Chance herausspielen zu können. Die gab es auf der Gegenseite. Nach Forlán-Pass stand Luis Suárez, der wegen seines Handspiels im Viertelfinale gegen Ghana bei jeder Ballberührung vom Publikum ausgebuht wurde, in halbrechter Position völlig frei vor Butt, schoss jedoch knapp am langen Pfosten vorbei (42.).
Nach dem Seitenwechsel wurde die zweite Halbzeit zu einer Art Wiederholung des ersten Durchgangs, aber mit umgekehrten Vorzeichen. Zunächst nahm Forlán eine Flanke von Egidio Arévalo Ríos direkt und traf aus rund 15 Metern per Volleyaufsetzer (51.) - ein Traumschuss und erneut keine Chance für Butt. Dafür sah sein Gegenüber Muslera beim zweiten Treffer der Deutschen erneut ganz schlecht aus. Der 24-Jährige unterlief eine Boateng-Flanke, Jansen konnte per Kopf einnicken (56.). Ausgleich, alles war wieder offen.
Forlán knallt einen Freistoß in letzter Sekunde an die Latte
In der Schlussviertelstunde legte die deutsche Elf nach, gab noch einmal Gas, wollte das Spiel entscheiden. Doch was Müller (76.) und dem für Cacau eingewechselten Stefan Kießling (80.) zunächst nicht gelangen, glückte Khedira: der Siegtreffer. Nach Ecke von Özil kam der Ball auf Umwegen zum Stuttgarter, der aus sechs Metern per Bogenlampe ins rechte Eck köpfte (82.). Dieses Mal war Muslera chancenlos.
Anschließend versuchten die Deutschen ihre Führung über die Zeit zu retten - und hätten fast noch den Ausgleich kassiert. In der zweiten Minute der Nachspielzeit foulte Friedrich Suárez, ein Freistoß aus rund 18 Metern und zentraler Position war die Folge. Den knallte Forlán an die Latte.
Glück für Deutschland, Pech für Uruguay, Abpfiff in Südafrika.
Uruguay - Deutschland 2:3 (1:1)
0:1 Müller (19.)
1:1 Cavani (28.)
2:1 Forlán (51.)
2:2 Jansen (56.)
2:3 Khedira (82.)
Uruguay: Muslera - Fucile, Lugano, Godin, Caceres - Maximiliano Pereira, Pérez (77. Gargano), Arévalo Ríos , Cavani (88. Abreu) - Suárez, Forlán
Deutschland: Butt - Boateng, Mertesacker, Friedrich, Aogo - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil (90.+1 Tasci), Jansen (81. Kroos) - Cacau (73. Kießling)
Schiedsrichter: Archundia (Mexiko)
Zuschauer: 36.254
Gelbe Karten: Pérez - Aogo, Cacau, Friedrich
Auf anderen Social Networks posten:
Das ist reinste Spekulation die vor allem deswegen kaum zutreffen dürfte, weil D gegen Brasilien ein deutlich ausgewogeneres Spiel als die Türkei ablieferte. Noch sind Sie hier nicht der sysop und können mich nicht [...] mehr...
die Zitate in ihrem argumentativen Kontext zu erfassen, könnten Sie sich das da oben sparen: Eben, es hat nicht funktioniert, weil das frühe deutsche Tor dieses angenommene Konzept völlig über den Haufen geworfen hat. Das [...] mehr...
Man muss einen Sachverhalt nicht immer in alle Einzelheiten auseinander dröseln, manchmal ist ein einfacher Vergleich hilfreich. Man vergleichen nur die Spiele gegen SER, GHA u. SPA mit denen gegen ENG u. ARG. Es ist ein [...] mehr...
An sich zeugen deine Kommentare von Fachkenntnis, aber was mir immer wieder mal negativ auffällt, ist deine Neigung, bestimmte Spieler als Sündenböcke zu brandmarken bzw. die strikte Unterteilung der Spieler in gut und schlecht. [...] mehr...
... sondern Ihrem "Spezie", dessen "Herrenmenschenhabitus" es offenkundig nicht verkraften kann, dass Argentiniens Niederlage vornehmlich auf Maradonas Kappe und nicht auf überragende "toitsche [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fußball | RSS |
| alles zum Thema Fußball-WM 2010 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH