ThemaMichael BallackRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
14.07.2010
 

Ballack-Attacke gegen Lahm

Giftpfeile aus Leverkusen

Von Hendrik Ternieden

Foto: ddp

"Ich bin Kapitän": Michael Ballack hat öffentlich sein Amt in der Nationalelf verteidigt - und Philipp Lahm den Kampf angesagt. Doch nur Top-Leistungen können die Zweifel an seiner Position beseitigen.

Mit einem breiten Grinsen sitzt Michael Ballack in Leverkusen auf dem Podium. Es ist sein erster offizieller Auftritt als neuer Spieler des Werksclubs. Ein Weltstar zurück in der Bundesliga - ein schöner Anlass, die Fotografen mühen sich lange um die besten Bilder.

Doch als das Thema Nationalmannschaft aufkommt, grinst Michael Ballack nicht mehr. Wer wird zukünftig der Kapitän sein? Wer die Mannschaft auf dem Platz motivieren: Ballack, so wie in der Vergangenheit - oder Philipp Lahm, der bei der WM in diese Rolle schlüpfte? Und sie nun nicht wieder freiwillig hergeben will.

Es ist das erste Mal, dass sich der 33-Jährige öffentlich zu der Debatte äußert. "Wenn Philipp Ansprüche stellt, muss er den Trainer fragen", sagt Ballack. "Das ist kein Wunschkonzert", sagt er. Und: "Es gibt Hierarchien. Ich bin Kapitän." Und dann wünscht er Lahm noch alles Gute. Denn der 26-Jährige feiert ja gerade seine Hochzeit.


Ballack will keine Diskussion. Doch ganz so leicht wird es wohl nicht werden.

Er wusste natürlich, die Frage nach dem Machtspiel würde kommen. Seine Antwort sollte vor allem eines zeigen: großes Selbstbewusstsein. Er, Ballack, ist unangreifbar, unverzichtbar. Doch der alternde Capitano kann vom guten Ruf der vergangenen Jahre nicht mehr lange zehren. Nur überragende Leistungen dürften seine Position sichern. Die Europameisterschaft 2012 ist Ballacks letzte Möglichkeit, endlich einen großen Titel zu gewinnen - vorausgesetzt, er steht dann noch in der Startelf der Nationalmannschaft. Das ist sein Anspruch, das ist sein Ziel. Doch garantieren kann ihm Joachim Löw diese Rolle nicht mehr.

Das ist ein Abstieg, keine Frage

Der Bundestrainer betonte zuletzt häufiger, wie wichtig der niedrige Altersschnitt einer Nationalmannschaft sei. Belastbar müssten die Spieler sein, sagte Löw im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Fußball ist in den vergangenen Jahren immer schneller geworden, immer athletischer. Und ab einem gewissen Alter wird es mit jedem Tag schwerer, mitzuhalten. Auch für einen - erst und gleichzeitig schon - 33-Jährigen wie Michael Ballack.

Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira haben bei der WM auf höchstem Niveau überzeugt. Sie sind Deutschlands Zukunft im zentralen Mittelfeld. Zwar braucht sich Ballack hinter keinem der beiden zu verstecken, er kann sicher immer noch Weltklasse-Partien abliefern. Aber 2012? Da wird Ballack 36 Jahre alt.

Ob er eine Mannschaft dann noch zum Titel führen kann, noch dazu auf der laufintensivsten Position des modernen Fußballs, darf bezweifelt werden. Einen Spieler dieses Alters auf dieser Position sucht man bei allen großen Titelträgern der vergangenen 20 Jahre vergeblich.

Älteste Feldspieler großer Titeltäger
Turnier Titelgewinner Feldspieler, Alter*
WM 1990 Deutschland Paul Steiner, 33
EM 1992 Dänemark Lars Olsen, 31
WM 1994 Brasilien Ricardo Rocha, 31
EM 1996 Deutschland Stefan Kuntz, 33
WM 1998 Frankreich Laurent Blanc, 32
EM 2000 Frankreich Laurent Blanc, 34
WM 2002 Brasilien Cafú, 32
EM 2004 Griechenland Theodoros Zagorakis, 32
WM 2006 Italien Marco Materazzi, 32
EM 2008 Spanien Marcos Senna, 31
WM 2010 Spanien Joan Capdevila, 32
*Quelle: Fußballdaten.de

Doch es ist nicht nur sein Alter, es ist auch der sportliche Rückschritt: Jahrelang habe er nun in der Champions League gespielt, betont Ballack bei der PK. Doch bei Bayer muss er zumindest in der kommenden Saison mit der Europa League vorliebnehmen. Ein Abstieg, keine Frage. Zwar wolle er um die Meisterschaft mitspielen, sagt Ballack. Doch höchstes Niveau wie der FC Chelsea kann ihm der neue Club nicht bieten.

Nicht allein sportliche Gründe für einen Wechsel

Warum also ausgerechnet Leverkusen? Klar ist: Sie werden ihn in Leverkusen anhimmeln. Dort kann er wieder der alles überstrahlende Superstar sein. "Vor ein paar Monaten konnte ich es mir nicht vorstellen, in die Bundesliga zurückzukehren. Doch die sportliche Situation hat es ergeben." Dann spricht er von alten Gefühlen, von der wunderbaren Zeit, die er von 1999 bis 2002 schon einmal in Leverkusen hatte.

Was er nicht sagt: Vermutlich hätte ihm kein echter Spitzenclub einen Vertrag über zwei Jahre angeboten - so wie der Bundesligist.

Trainer Jupp Heynckes ahnt die Gefahren dieser Konstellation. "Er ist ein Weltklasse-Spieler, der sich erst mal integrieren muss." Die Kapitänsbinde bekommt Ballack in seiner neuen Heimat jedenfalls nicht; Simon Rolfes wird sie behalten. Heynckes sieht darin kein Problem: "Er kann sich als Führungsspieler auch so einbringen."

Leverkusen macht indes keinen Hehl daraus, dass nicht allein sportliche Gründe für die Verpflichtung Ballacks sprachen. "Er ist ein großer Image-Gewinn für Bayer und die Bayer AG", so Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Da hat er mit Sicherheit recht. Schon jetzt wurden mehr Dauerkarten verkauft als je zuvor. Ballack ist ein echter Volltreffer. Ob er das langfristig auch sportlich ist, wird sich zeigen.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 1697 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
14.10.2010 von Rockker:

Ich kenne ihn nicht so, aber mir scheint dieser Frei ein schwieriger Typ zu sein. Bei BVB, mochte ihn Klopp auch nicht. Na ja, dass er Liebling in Dortmund war...das ist mir entgangen... Der sieht ja immer so aus, als wäre er [...] mehr...

14.10.2010 von ray4901: Das Capitano Problem . aktueller denn je

sehr her, auch die Schweiz, resp. unser Otti Hitzfeld hat ein Capitano Problem. Alexander Frei, Rekordnationaltorschütze und vor nicht allzu langer Zeit auch Liebling beim BVB, wird von den eigenen Fans gnadenlos ausgepfiffen [...] mehr...

11.10.2010 von ray4901: Du bist ungrecht

Du bist ein Ehrenmann. Ich achte Deinen Schmerz. Lieben Gruss. Ray mehr...

11.10.2010 von dioco: Es schmerzt halt immer noch...

@Haio und ray! Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Ich habe mich nie derartig geäußert, dass ich die Spanier schwach reden wollte. Ich erkenne ihre Qualität durchaus an. Ich meine nur, dass die deutsche Taktik (oder [...] mehr...

09.10.2010 von ray4901: Der Bock

Gegen die Spanier schiessen alle, alle, seit Jahren, nur Böcke. Das hat doch System, meinst Du nicht? Und wenn die Iberer mit dem zweitschönsten Fussball der Welt die Weltbesten sind, ist das doch auch zu akzeptieren. Es [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
alles aus der Rubrik Fußball
alles zum Thema Michael Ballack

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Themenseiten Fußball

Tabellen





TOP



TOP