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20.07.2010
 

Vertragsverlängerung beim DFB

Einigkeit und Löw und Bierhoff

Von Mike Glindmeier

Deutschlands Fans jubeln: Joachim Löw und sein Team werden weitere zwei Jahre die Geschicke der DFB-Auswahl lenken. Der Bundestrainer setzt ein Zeichen gegen den Rücktrittstrend, die Fußball-Prominenz ist begeistert. Doch es gibt nicht nur Gewinner.

Hessens Ministerpräsident Koch: Abgedankt. Bundespräsident Köhler? Auf der Fahnenflucht. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust? Zurückgetreten. Und Joachim Löw? Der Bundestrainer setzt wieder den (Anti)-Trend. Diesmal nicht in Sachen Mode, sondern gegen die Rücktrittswelle und für die Verantwortung im Amt. Löw bleibt mit seinem Team zwei weitere Jahre an der Spitze der Nationalmannschaft.

Die Inszenierung am Dienstag erinnerte auch ein wenig an Vorgänge in der Politik. Bereits vor dem offiziellen Termin war die Personalie durchgesickert. Um 12.30 Uhr trat dann DFB-Präsident Theo Zwanziger mit staatstragendem Gesicht vor die Presse und bestätigte die Vertragsverlängerung seines wichtigsten Angestellten. Dabei wirkte Zwanziger unterkühlter als mancher Politiker: "Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht. Ich freue mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit", sagte er, ohne zunächst eine Miene zu verziehen. Erst dann lächelte er kurz, als wolle er sagen: "Ich habe nur meine Pflicht für mein Vaterland getan."

Noch am Tag zuvor waren die Bedenken groß: Zwanziger hatte in einem Interview Amtsmüdigkeit angedeutet, das Gerücht machte die Runde, der Präsident könnte seinen Rückzug einläuten, weil die Vertragsverhandlungen mit Löw gescheitert seien. Dienstag dann die Entwarnung. Freude statt Frust beim DFB.

"Deutschland kann über die Entscheidung froh sein"

Löw und Bierhoff spielten den Pass des Präsidenten artig zurück und machten ihre Honneurs in Richtung DFB: "Wir freuen uns auf die weiteren Aufgaben. Wir haben hervorragende sportliche Perspektiven, und es ist für uns eine große Herausforderung, nach der erfolgreichen WM in Südafrika nun die Vorbereitungen für die EM in Angriff nehmen zu können", sagte Löw. Solch ein perfektes Politiker-Deutsch ist im Fußball selten gesprochen worden.


Die Reaktionen der Fußball-Prominenz fielen durchweg positiv aus. "Ich freue mich, dass das gesamte Team weitermacht", sagte Nationalspieler Michael Ballack. "Dass der gesamte Stab weitermacht, ist sicher die beste Lösung", sagte Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs. Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß formulierte gar stellvertretend für die Nation: "Deutschland kann über die Entscheidung froh sein."

In erster Linie kann allerdings der DFB froh sein. Joachim Löw hat bei der WM bewiesen, dass er die Mannschaft, die er 2006 von Jürgen Klinsmann übernommen hat, erheblich weiter bringen kann. Löw gelang zwar mit dem Vize-Europameister ebenso wie Klinsmann "nur" der dritte Platz bei einer Weltmeisterschaft, doch das junge Team überzeugte mit brillanten Auftritten wie beim 4:1 gegen England oder dem 4:0 über Argentinien, wirkte spielerisch deutlich reifer als noch vor vier Jahren.

Vom Raffzahn zum Revolutionär

Zudem hat Löw mit seinem Stab extrem hohe Leidensfähigkeit bewiesen. Als die Vertragsverlängerungen im Februar dieses Jahres unter anderem an den hohen Forderungen von Manager Oliver Bierhoff und Co. scheiterten, standen Löw und sein Team in der Öffentlichkeit wie vermeintliche Raffzähne da, die den Hals nicht voll genug bekommen und dem DFB-Präsidenten die Pistole auf die Brust setzen. Damals hätte kaum einer einen Cent auf eine weitere Zusammenarbeit nach der WM gesetzt.

Im Vorfeld der WM erweckte Löw zudem den Eindruck eines Sturkopfes, der einzig und allein sein Ding durchzieht. Frei nach dem Motto: Wenn es nicht klappt, bin ich weg. Wenn es klappt, ist meine Position so stark wie noch nie. Und genau an diesem Punkt ist Löw nach dem Turnier angelangt. Er blieb im Fall des von der Öffentlichkeit massiv geforderten Stürmers Kevin Kuranyi hart, setzte stattdessen auf seine Lieblinge wie Miroslav Klose und Lukas Podolski und sorgte nebenbei mit mutigen Aufstellungen wie der des 20-jährigen Thomas Müller für Furore. Aus dem Raffzahn wurde in Südafrika wieder der Revolutionär.

Löw hat gezeigt, dass man auch mal über das Ziel hinausschießen, sich am Ende aber trotzdem wieder zusammenraufen kann. Damit hat er sein Image noch weiter verbessert. Genau aus diesem Grund war der Deal auch für Bierhoff so wichtig. Der Manager des Nationalteams, im Februar von vielen als Sündenbock nach der geplatzten Vertragsverlängerung ausgeguckt, steht nicht mehr als Gierschlund da, sondern als einsichtiger Diplomat.

Sammer und Ballack die Verlierer

Doch es gibt auch Verlierer. Matthias Sammer ist einer. Der DFB-Sportdirektor, der sonst eher für laute Töne bekannt ist, hatte es in der vergangenen Woche einmal mit Diplomatie versucht. Es sei erkennbar, dass Löw Freude habe, mit der Mannschaft zu arbeiten, diese habe unter Löw eine positive Entwicklung gemacht, hatte Sammer in einem Interview mit der "Welt" ausgeführt.

Diese sei "noch lange nicht abgeschlossen. Dementsprechend ist er ein fester Bestandteil des Ganzen und sollte weitermachen", hatte Sammer gesagt und ganz nebenbei bemerkt, dass "der Sportdirektor für die sportlich-strategische Ausrichtung im Verband zuständig sein muss". Dieser Wunsch bleibt ihm allerdings auch künftig unerfüllt. Bierhoff gibt zwar die Verantwortung für den administrativen Bereich der U21-Juniorenauswahl an Sammer ab, doch wenn es um sportliche Fragen geht, ist Löw der starke Mann. "Der Chef ist der Bundestrainer", sagte Zwanziger, der sich zu seiner eigenen Zukunft im DFB nicht weiter äußern wollte.

Auch Michael Ballack dürfte zu den Verlierern der jetzigen Entwicklung zählen. Seine Position ist nach der öffentlichen Diskussion um das DFB-Kapitänsamt geschwächt. Auch, weil Joachim Löw seinen Ersatzkapitän Philipp Lahm nicht zurückpfiff, als dieser die Binde für sich reklamierte.

Löw zeigte sich am Dienstag auch in diesem Punkt von seiner politischen Seite. Er wolle vor dem Länderspiel am 11. August in Kopenhagen gegen Dänemark über die Kapitänsfrage entscheiden. "Wichtig wird sein, mit den Spielern persönlich Gespräche zu führen. Das wird nicht heute oder morgen sein, sondern unmittelbar vor dem Dänemark-Spiel." Ein Bekenntnis zu Ballack ist das nicht. Nicht ausgeschlossen also, dass am Ende doch noch ein Rücktritt beim DFB-Team stattfindet.

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22.09.2010 von ray4901: Löw- und Klose-Basher

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22.09.2010 von Rockker:

Ich kann nur Müll schreiben. Hagiografie zu schreiben liegt mir nicht. mehr...

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Deutschlands WM-Bilanz
1930 nicht teilgenommen
1934 Spiel um Platz drei (3:2 gegen Österreich)
1938 Achtelfinale (2:4 gegen Schweiz)
1950 nicht teilgenommen
1954 Weltmeister (3:2 gegen Ungarn)
1958 Spiel um Platz drei (3:6 gegen Frankreich)
1962 Viertelfinale (0:1 gegen Jugoslawien)
1966 Finale (2:4 n.V. gegen England )
1970 Spiel um Platz drei (1:0 gegen Uruguay)
1974 Weltmeister (2:1 gegen Niederlande)
1978 2. Gruppenphase
1982 Finale (1:3 gegen Italien)
1986 Finale (2:3 gegen Argentinien)
1990 Weltmeister (1:0 gegen Argentinien)
1994 Viertelfinale (1:2 gegen Bulgarien)
1998 Viertelfinale (0:3 gegen Kroatien)
2002 Finale (0:2 gegen Brasilien)
2006 Spiel um Platz drei (3:1 gegen Portugal)
2010 Spiel um Platz drei (3:2 gegen Uruguay)




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