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23.07.2010
 

Testspiel gegen Norwegen

Blanc suspendiert Frankreichs kompletten WM-Kader

Frankreichs Nationaltrainer Blanc: Neuer Kader gegen NorwegenZur Großansicht
Reuters

Frankreichs Nationaltrainer Blanc: Neuer Kader gegen Norwegen

Laurent Blanc greift durch: Frankreichs neuer Nationaltrainer wird keinen der 23 WM-Spieler für das Testspiel gegen Norwegen nominieren. Der nationale Fußballverband hat dem radikalen Vorschlag bereits zugestimmt.

Hamburg - Bei der WM in Südafrika gaben sie eine peinliche Vorstellung, nun bekommen Frankreichs Nationalspieler die Folgen zu spüren: Trainer Laurent Blanc wird keinen der 23 Profis aus dem WM-Kader für das nächste Testspiel gegen Norwegen am 11. August in Oslo nominieren. Zumindest für eine große Fußballnation ist dies ein nie dagewesener Vorgang.

Der französische Fußballverband FFF gab die Entscheidung in einer Mitteilung am Freitag bekannt. Blanc habe einen entsprechenden Antrag auf einer Sondertagung des FFF-Bundesrates gestellt, heißt es in dem Schreiben. Der Verband habe dem Vorschlag des 44-Jährigen zugestimmt.

Den Kader für das Spiel gegen Norwegen soll Blanc am 5. August bekanntgeben. Der Weltmeister von 1998 will mit seiner Entscheidung wohl das Signal für einen Neustart der Nationalelf geben. Es scheint allerdings ausgeschlossen, dass er zum Auftakt der EM-Qualifikation am 3. September gegen Weißrussland nicht auf die WM-Fahrer zurückgreift.

Einige Spieler des WM-Kaders sind von der Entscheidung allerdings ohnehin nicht betroffen, sie hatten schon zuvor ihren Rücktritt erklärt - so wie Thierry Henry.

Beim Turnier in Südafrika war Frankreich sieglos in der Vorrunde ausgeschieden. Weitaus schlimmer war jedoch das Verhalten der Equipe Tricolore: Stürmer Nicolas Anelka beleidigte Trainer Raymond Domenech und wurde noch während der WM nach Hause geschickt. Als Reaktion auf diese Entscheidung bestreikte die Mannschaft am folgenden Tag das Training. Sogar Nicolas Sarkozy äußerte sich zu dem peinlichen Auftreten des Nationalteams in Südafrika: "inakzeptabel" nannte der Staatspräsident den verbalen Ausraster Anelkas.

Schon vor der WM stand fest, dass Blanc auf den umstrittenen Domenech folgen würde. Blanc bestritt 97 Länderspiele für Frankreich und erzielte dabei als Abwehrspieler 16 Tore. Mit ihm gewannen "Les Bleus" 1998 die Weltmeisterschaft im eigenen Land und zwei Jahre später die EM in Belgien und den Niederlanden. Zuletzt war er drei Jahre als Trainer des Erstligisten Girondins Bordeaux tätig.

Außerdem bestimmte das Gremium am Freitag Fernand Duchaussoy zum Interims-Nachfolger des zurückgetretenen Verbandspräsidenten Jean-Pierre Escalettes. Duchaussoy soll die FFF bis zum außerordentlichen Verbandstag am 18. Dezember wieder in ruhigere Fahrwasser führen. Der 67 Jahre alte Chef der Amateur-Ligen war einziger Kandidat für die Nachfolge Escalettes, der Ende Juni als Konsequenz aus dem verheerenden WM-Auftritt der Grande Nation in Südafrika sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. "Ich bin sehr verbittert, dass ich die Nachfolge meines Freundes in einer der schwärzesten Zeiten unseres Fußballs mitten in einer schweren und moralischen Krise übernehmen muss", sagte Duchaussoy.

Ob Duchaussoy im Dezember sich am Jahresende zum reguulären FFF-Boss wählen lassen will, ist noch nicht bekannt. Bei dem Verbandstreffen im Dezember sollen auch neue Strukturen für die FFF geschaffen werden. "Wir sind uns einig gewesen, ein Reformprogramm auf den Weg zu bringen, durch das die FFF moderner, gerechter und demokratischer werden wird. Das Programm mit der Veränderung von Statuten werden wir im Dezember vorlegen, so dass die Änderungen im April oder Juni 2011 in Kraft treten können", sagte FFF-Vizepräsident und Profiliga Chef Frederic Thiriez nach der Sitzung des Verbandsrates.

hut/luk/sid

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