Von Peter Ahrens
Berlin - Es sind zwei Meldungen vom Mittwochvormittag, die fast zeitgleich über die Ticker liefen. Und beide haben mit Real Madrid zu tun. Die erste lautet: Der 33-jährige Raúl wechselt aus Madrid zum FC Schalke. Die zweite: Der 23-jährige Sami Khedira ist sich offenbar mit Real über einen Wechsel zum spanischen Topclub einig geworden. Außerdem haben die Madrilenen ihr Interesse an dem 21-jährigen Mesut Özil angemeldet.
Wenn das ein Trend wird, wäre es ein schlechter für die Bundesliga: Die Jungstars wechseln ins Ausland, die Altstars kommen nach Deutschland.
Raúl, Ruud van Nistelrooy, Michael Ballack: Vor allem die kaufmännischen Abteilungen der Clubs freuen sich über diese vermeintlichen Edeltransfers. Die Bundesliga wird zur Bühne der großen Stars, sie wird spektakulärer, noch anziehender für das Publikum und damit auch für die werbetreibende Branche. So lautet das Kalkül.
Schon entwickelt sich so etwas wie ein Schneeballeffekt: Der erste Star zieht den nächsten nach sich. Mit Arjen Robben, van Nistelrooy, Christoph Metzelder und Raúl sind innerhalb eines Jahres vier Profis von Real Madrid nach Deutschland gewechselt. So etwas hat es in 47 Jahren Bundesliga nicht gegeben.
Jedem Knirps sein Trikot mit der Nummer sieben
Die Trikotverkäufe werden nun wohl neue Rekordhöhen erreichen, jedem kleinen Schalke-Knirps sein blaues Hemd mit der Rückennummer sieben - das Trikot à 70 Euro. Dazu kommt das Raúl-T-Shirt für 17,95 Euro, in Ausfertigungen für Männer, Frauen und Kinder. All das dürfte tausendfach über die Ladentheke gehen.
Ein Transfer wie der von Raúl ist das Beste, was einem finanziell klammen Club wie Schalke 04 passieren kann. Das ökonomische Risiko ist bei so einem Zugang noch am überschaubarsten. Ob der Spanier mit 33 Jahren den Verein allerdings auch sportlich so weiterbringt, wie es der Richtung Moskau gewechselte Kevin Kuranyi in der Vorsaison mit seinen 18 Saisontreffern geschafft hat, ist dagegen die ganz andere Frage.
Einige Clubs lagen mit ihrer Altstar-Entscheidung richtig. Als Sami Hyypiä im Vorjahr vom FC Liverpool nach Leverkusen wechselte, war er bereits 35 Jahre alt. Er hatte mit den Reds die Champions League gewonnen, spielte jahrelang auf höchstem Niveau, büßte aber vor zwei Jahren seinen Stammplatz im Team von Trainer Rafael Benitez ein. In anderen Zeiten wäre Hyypiä nach Finnland zurückgegangen und hätte seine Karriere ausklingen lassen. Die USA oder Katar hätten sich für das schnelle Altersgeld auch noch angeboten. Aber Hyypiä wechselte in die Bundesliga - und war dort in der vergangenen Spielzeit einer der überragenden Verteidiger.
Leverkusen hat daraus gelernt. Mit Michael Ballack hat sich Bayer jetzt den nächsten Premier-League-Altstar zurückgeholt. Ballack hat nach seiner langen Verletzungspause und der verpassten WM ebenso viel aufzuholen wie gutzumachen. Er dürfte darauf brennen, es noch einmal allen in Deutschland zu zeigen, die ihn bereits abschreiben. Das kann den Bayer-Verantwortlichen nur recht sein. Ballack, wenn er sich einigermaßen erholt, dürfte ein Gewinn für die Liga sein.
Kein Vergleich mit der Premier League
Wer jetzt aber im Überschwang schon die Bundesliga mit der Premier League oder der spanischen Primera División vergleicht und gar auf Augenhöhe sieht, liegt falsch. Ein Spitzenclub der Premier League verpflichtet keinen 33-jährigen Spieler, er holt stattdessen den 20-jährigen kommenden Superstar. Der FC Barcelona, der FC Arsenal oder Manchester United - selbst das neureiche Schmuddelkind Manchester City - geben zwar Unsummen für Akteure aus - aber es sind entweder die Stars der Zukunft oder die Spieler, die voll im Saft stehen.
Der Franzose Samir Nasri wechselte im Alter von 21 Jahren für 15 Millionen Euro aus Marseille nach London zum FC Arsenal. Manchester United sicherte sich jetzt die Dienste des 22-jährigen Mexikaners Xavier Hernandez für 9,5 Millionen Euro Ablösesumme. Manchester City bezahlte 12,5 Millionen Euro für den 21-jährigen Jérôme Boateng vom Hamburger SV. Das sind die Dimensionen, in denen die europäischen Topclubs denken. Van Nistelrooy und Raúl sind für sie uninteressant geworden.
Die Bundesliga wird durch den Zugang der älteren Herren zwar nicht zum neuen Katar, Deutschland ist noch weit entfernt davon, zur Abspielstation für Oldies zu werden. Außerdem macht es als Zuschauer im Stadion zweifellos mehr Spaß, einem Ruud van Nistelrooy bei seinem Tagwerk zuzusehen als einem Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Dennoch: Der einzige Club, der sich in der Vereinspolitik tatsächlich mit den spanischen und englischen Spitzenvereinen messen lassen kann, bleibt der FC Bayern.
Nur FC Bayern denkt wie ein Topclub
Unter Louis van Gaal wird eine Kaderplanung forciert, die auch beim FC Arsenal oder beim FC Barcelona denkbar wäre. Hier wird überlegt, ob man 20 Millionen Euro für einen 22 Jahre jungen Außenverteidiger von Ajax Amsterdam namens Gregory van der Wiel ausgibt, oder lieber in den genauso alten portugiesischen Defensivmann Fabio Coentrão investiert. Oder doch besser auf den eigenen Nachwuchsmann Diego Contento auf dieser Position setzt.
So denken Topclubs.
Das wird Schalke-Trainer Felix Magath nicht gerne hören. Aber der FC Bayern ist ihm und dem Rest der Liga wieder einmal weit voraus. Trotz Raúl. Wegen Raúl.
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Ach zu den Ligatheorien der Experten noch eins, besonders Roccker schwärmt ja immer von der guten alten Zeit und da war alles anders. Real Madrid holt unter di Stefano den Grossteil seiner CL Trophäen und war lange von der [...] mehr...
...und vorher in Aalen. mehr...
Mit nem Schnitt von 15.000 in Liga 3 wärt ihr doch gut dabei;) Werden auf jeden Fall ne Menge spannender Spiele. Ich denke vom Namen her, sollte es so bleiben, haben wir mit Chemnitz, Münster und Kassel drei Klasse [...] mehr...
Wie meinen? Momentan spielt doch der immer noch in Ingolstadt. mehr...
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