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31.07.2010
 

Schalker Saisoneröffnung

Gelsenkirchen feiert seinen Galaktischen

Aus Gelsenkirchen berichtet Rafael Buschmann

Saisoneröffnung auf Schalke: Buenos días, Superstar
Fotos
dpa

Es war der erste Arbeitstag von Raúl auf Schalke - und 150.000 Menschen feierten den spanischen Superstar. Der neue Hoffnungsträger zeigte sich professionell: Erst schrieb er Autogramme, dann gewann er gegen den HSV.

Der Schweiß fließt in Strömen. Immer wieder wischt sich Raúl Gonzalez Blanco, der Spanier mit den feinen Gesichtszügen und lockig-gegelten Haaren, durch das Gesicht. Ein Ball ist bei dieser Anstrengung nicht in seiner Nähe. Dafür ein dicker Filzstift, kartonweise Karten mit seinem Konterfei und eine Menschenmasse, die die Schalker Arena sicherlich zweimal hätte komplett füllen können.

Am Samstag öffnete der FC Schalke 04 für seine Fans die Tore und lud zu der traditionellen "Fußball-Kirmes" vor Saisonbeginn ein. Neben massenweise Ess- und Trinkständen sorgten Sponsorenattraktionen wie Musikbühnen, ein Snowboard-Fahrsimulator oder Torwände für Stimmung bei den geschätzten 150.000 Menschen. Ganz nebenbei werden Fananleihen verkauft, um Geld in die leeren Kassen zu bekommen. Doch jeder Jahrmarkt, der etwas auf sich hält, hat auch ein echtes Highlight. Das heißt auf Schalke Raúl.

Knapp vier Monate haben die Knappen an dem Rekordtorschützen der spanischen Liga, der Champions League und der spanischen Nationalmannschaft gebaggert. Schalkes Macher Felix Magath bemühte seine Spanisch-Kenntnisse und redete auf den 182-Zentimeter-Mann ein, überzeugte ihn. Am Samstag lässt Magath sich dafür feiern: Im tiefen Bariton spricht der Meistercoach von einem der "größten Superstars Europas", von "einem außergewöhnlichen Menschen". Die Masse jubelt, schreit immer wieder "Viva España" - und das knapp drei Wochen, nachdem Deutschland gegen Spanien im Halbfinale der Weltmeisterschaft verlor.

Er winkt und winkt und winkt

Raúl scheint dies nicht zu tangieren. Er schäkert ein wenig mit Jermain Jones, lacht zu Christoph Metzelder hinüber und winkt. Winkt immer wieder. In alle Himmelsrichtungen. Und egal wohin er winkt, Tausende von Menschen winken zurück. Als dann endlich einer der beiden Moderatoren auf der Bühne in Boxansager-Manier "Raaaaaaaaauuuuul - unsere Nummer sieben", ins Mikrofon brüllt, dreht sich der Superstar kurz zu seiner Dolmetscherin, hebt ein wenig den Kopf und schleicht förmlich die Treppe zur Bühne hinauf.

Ein kurzes "buenos días" entweicht seinem Grinsen, einem Grinsen, das man eher bei kleinen Lausbuben als bei einem Superstar vermuten würde. In den nächsten Minuten beschwört die Madrider Legende, die 16 Jahre für "die Königlichen" aktiv war, "alles für meinen neuen Verein zu tun und viele Titel holen zu wollen". Raúl lässt übersetzen, dass er bereits am Vortag über die Brisanz des Derbys gegen Erzfeind Dortmund aufgeklärt wurde und sich auf dieses Spiel freue.

Das Highlight versteht sich im Umgang mit den Fans. Er trifft die Schalker Seele mit seinen Worten. Denn im blau-weißen Pott zählt nichts mehr als ein Sieg gegen den BVB. Während Raúl spricht und winkt, ist er jedoch nicht allein auf der Bühne. Neben ihm stehen Jefferson Farfán, Edu, Erik Jendrisek und Bogdan Müller - die komplette Abteilung Attacke der Schalker. Sie wirken etwas verloren. Ihre Rede- und Winkzeit beträgt zusammen gefühlt ein Achtel der von Raúl. Zudem müssen sie sich noch von Magath anhören, dass er auf der Suche nach einem schlagkräftigen Stürmer ist, um - natürlich - Raúl besser in Szene zu setzen. Unter tosendem Beifall und "Raaaaaauuuull- Raaaaaauuuul"-Rufen verlassen die Stürmer die Bühne.

Mitten durch die Zuschauermassen drängeln sich die Spieler unter Bodyguard-Schutz zu einem separaten Zeltplatz, an dem sie in unterschiedlicher Reihenfolge Autogramme schreiben. Als Raúl tatsächlich um 12.04 Uhr das Zeltgelände betritt, haben die Sicherheitskräfte Schwierigkeiten, die drängenden Massen im Griff zu halten. Der Superstar hingegen nimmt lässig Platz in Zelt eins, beginnt augenblicklich mit dem Kartenbeschriften, ganz so, als sei dies seine Lebensaufgabe. Das kleine weiße Gartenzelt, unter das sich der Weltstar zum Anfassen setzt, wirkt dem Highlight nicht angemessen. Es wirkt bieder, nicht königlich. Mehr wie Trainingshose, Grill, Maloche.

Chaos an der Flockmaschine

"Eine solche Fannähe kenne ich nicht aus Madrid", sagt der 33-Jährige. "So etwas habe ich höchstens mal erlebt, wenn wir mit der Nationalmannschaft in kleineren Städten unterwegs waren", so der ehemalige Kapitän der spanischen "Selección". Er schreibt, lächelt, steht zum Foto auf, streichelt hingestreckten Babys in Messias-Manier über den Kopf, zwinkert älteren Frauen zu und sagt immer wieder brav "Bitte".

"Er ist für uns ein echter Held. Seine Vorschusslorbeeren sind ja riesig", sagt Arthur Saager, Vorstandsvize des Schalker Fanclub-Verbands. "Wir haben ja nicht damit gerechnet, dass er wirklich kommt. Dass er nun da ist, ist immer noch unfassbar." Als Reaktion auf die Verpflichtung erweiterte der Fanclub-Dachverband gemeinsam mit dem S04 die Lauffläche für den Fantag um mehrere hundert Quadratmeter. "Wir hatten nach Raúls Verpflichtung so viele Anfragen, ob er heute da sein würde, dass wir das Gelände aus Sicherheitsgründen erweitern mussten."

Während in den Vorjahren lediglich der Ring rund um die Arena für die Zuschauer geöffnet war, durften diese die einzelnen Stände nun sogar bis zum Gelände des alten Parkstadions besichtigen. Und die meisten taten dies in den Vereins- und Highlight-Farben: "Unglaublich, wie viele Zuschauer jetzt sogar schon mit Raúl-Trikots unterwegs sind", sagt Saager.

Im Fanshop herrschte teilweise völliges Chaos, für eine Beflockung eines Raúl-Trikots musste man teilweise eineinhalb Stunden warten. Dies war jedoch immer noch kürzer als die Wartezeit für eine Unterschrift. "Ich habe jetzt dreieinhalb Stunden für ein Autogramm und ein Foto angestanden. Aber es hat sich gelohnt. Raúl ist ein Gott", sagte Schalke-Anhänger Armin Nitsch.

Irdisch war dagegen sein erstes Spiel für den FC. Im Halbfinale eines Sponsorenturniers gewann Schalke 2:1 (0:1) gegen den HSV. Raul spielte die gesamten 60 Minuten, erarbeitete sich einige gute Möglichkeiten, doch ein Tor gelang ihm nicht. Der Tag endete für ihn so, wie er angefangenen hatte: schweißtreibend.

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
01.08.2010 von El Gordo: Raul

Raul spielte nicht durch, sondern er spielte 57 Minuten.Soviel sorgfalt sollte man sich als Schreiber schon gönnen. Ansonsten ist Raul ein Top Transfer. mehr...

01.08.2010 von Pinarello: Der Proletenclub ist doch eh schon bankrott!

Na ja, gerade der hochverschuldete Proletenclub wäre eigentlich am wenigsten in der Lage, sich solch einen Transfer leisten zu können, oder muß bald wieder mal die ebenso bankrotte Stadt Gelsenkirchen mit ein paar zig-Millionen [...] mehr...

01.08.2010 von Imre: Glubberer

Dem kann ich nur zustimmen. Es mögen bisher hauptsächlich alternde Weltstars(Robben mal ausgenommen) sein, die in die Bundesliga kommen, aber sie künden auch von einem Umdenken weg von den hochverschuldeten Vereinen in Spanien und [...] mehr...

01.08.2010 von nanokain: -

Der galaktische bei den unterirdischen! Gewollt doppeldeutig. mehr...

31.07.2010 von DerDemokrat: Unglaublich

Sowas gibt es tatsächlich wohl nur auf Schalke... Das ist mehr als nur ein Verein und die damit verbundene Fankultur, mMn! mehr...

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