Die beiden Tore fielen in einem sportlich wenig wertvollen Testspiel, aber in Gelsenkirchen haben sie den Knoten platzen lassen. Selbst beim letzten Zweifler unter den Fans des FC Schalke 04 ist seit Sonntagnachmittag die Raúl-Mania ausgebrochen, seit der Spanier gegen eine Art C-Team des FC Bayern München beim ersten Treffer für seinen neuen Club abstaubte und beim zweiten den Ball spektakulär von der Strafraumgrenze ins Tor lupfte. Plötzlich wurde der so unwirklich erscheinende Transfer einer Fußballlegende zum Versprechen ganz realer Erfolge.
Den ersten Schock, einen der besten Spieler des größten Vereins der Welt in Königsblau spielen zu sehen, haben die Fans inzwischen überwunden. Sie kommen sich angesichts des Raúl-Transfers von Real Madrid nach Gelsenkirchen wie Opelfahrer vor, die in ihrer Garage plötzlich einen Ferrari stehen haben - wenn auch einen gebrauchten. Und trotz aller Begeisterung weckt so etwas gerade im Ruhrgebiet eine weit verbreitete Grundskepsis. Inzwischen fragen sich die Anhänger von Schalke angesichts der glamourösen Anschaffung ihres Clubs eher im Stillen: Verbraucht der nicht vielleicht doch zu viel? Ist er auf Dauer richtig gut? Und wie lange hält der überhaupt?
Bescheiden ist der Verbrauch bei wohl insgesamt gut zwölf Millionen Euro nicht, die Raúl innerhalb der kommenden beiden Jahre kosten wird, aber rechnen könnten sich diese Ausgaben trotzdem. Dazu muss der Stürmer, wenn erst einmal das Staunen vorbei und seine Anwesenheit alltäglich geworden ist, allerdings weiterhin Tore schießen. Wie er das macht, darauf lieferte sein erster Treffer einen guten Hinweis. Da tippte Raúl den Ball nämlich einfach über die Linie, weil er dort war, wohin das Spielgerät seinen Irrweg durch den gegnerischen Strafraum genommen hatte. Dafür ein Gespür zu haben, ist eine Qualität, die im Fußball unserer Tage noch so wichtig ist wie zu Zeiten von Doppelstoppern. Sie ist ein Geschenk, weil dieser Instinkt kaum erlernbar ist; und wenn es gut läuft, altert er auch nicht so schnell.
Raúl auf Völlers Spuren?
Der 33-jährige Stürmer hat als erfolgreichster Angreifer in der Geschichte von Real Madrid 323 Tore in 741 Pflichtspielen erzielt. Oft ist es aber so, dass zunehmendes Alter für Stürmer eine größere Last ist als für Mittelfeldspieler oder Verteidiger - von Torhütern ganz zu schweigen. Vor dem gegnerischen Tor macht Erfahrung abnehmende Explosivität und Schnelligkeit nur selten wett. Von daher erscheint es zunächst einmal bedenklich, dass Raúl im Vorjahr lediglich auf fünf Tore und nur drei komplett absolvierte Partien in der spanischen Liga kam.
Aber es gibt auch einige ermutigende Beispiele von Spätblüte im gegnerischen Strafraum. So kehrte 1994 ein gewisser Rudi Völler aus Marseille in die Bundesliga zurück. Er war damals noch ein Jahr älter als Raúl es heute ist und schoss in seiner ersten Saison für Bayer Leverkusen dennoch 16 Tore, in der zweiten Spielzeit waren es immerhin zehn Treffer. Mit Klaus Fischer ging ein ehemaliger Schalker im Alter von 33 Jahren zum VfL Bochum, war eigentlich schon abgeschrieben, schoss aber im ersten Jahr ebenfalls 16 Tore, in vier Spielzeiten wurden es insgesamt 34.
Die Mutter aller Transfers der Seniorenstürmer war jedoch der von Manfred Burgsmüller. Otto Rehhagel, stets ein Freund betagter Profis, holte ihn im Alter von fast 36 Jahren noch einmal in die Bundesliga. In viereinhalb Jahren für Werder Bremen schoss Burgsmüller 34 Treffer und wurde sogar noch einmal Deutscher Meister.
Mitspieler zu besseren Leistungen inspiriert
Gemeinsam hatten diese drei Stürmer, dass sie, wie auch Raúl, eher im Strafraum spielten und daher auf dem Platz nicht so weite Wege gehen mussten. Dadurch fällt es nicht so ins Gewicht, wenn man etwas langsamer und nicht mehr ganz so durchsetzungsstark ist. Außerdem blieben sie bei ihrem Spätwerk von Verletzungen verschont, die ein älterer Profi nach vielen Jahren auf dem Rasen ungleich schlechter kompensiert, als es bei Youngstern der Fall ist.
Wenn das allerdings nicht der Fall ist, klingen die Namen großer Spieler nur nach Ferrari, wie es etwa 1860 München zweimal erleben musste. Der Kroate Davor Suker wie auch der Ghanaer Abedi Pelé beeindruckten dort nur sehr dosiert.
Schon nach wenigen Tagen von Raúl bei Schalke zeigt sich übrigens ein zweiter Effekt, für den einst auch Rudi Völler in Leverkusen und Klaus Fischer in Bochum gesorgt hatten. Wie diese beiden ist der Spanier ein weitgehend unprätentiöser Superprofi, der mit einer Aura von Erfolg und großer weiter Welt seine Mannschafskameraden aufwertet und zu besseren Leistungen inspiriert.
Bleibt Raúl gesund, könnte es also wirklich sein, dass Schalke in der kommenden Saison ziemlich donnernd aus der Garage kommt.
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Wieso? Zwischen Dortmund und Schalke besteht für einen Bayern nicht der kleinste Unteschied! Beide gnadenlose Looserclubs mit ebenso gnadenlosen Looseranhänger:-) Beide sollten sich unbenennen, "HartzIV Dortmund" [...] mehr...
Richtig. Auch ein Ballack ist im Spätherbst seiner Karriere. Wir sprechen hier von Fußball, nicht von Schach oder Golf, wo man bis 50 irgendwie mitspielen kann. Da Ballack in diesem Jahr 34 wird, kann man bei ihm durchaus von [...] mehr...
Ich gehe davon aus, das ein Ballack für Sie auch ein abgehalfterter Star im Spätherbst in Leverkusen nochmal abkassieren will, oder? Kommen Sie mir jetzt aber blos nicht mit "ablösefrei". mehr...
Alleine die Tatsache, so ein faules Ei wie Henry besser zu finden als Raul, qualifiziert sie in meinen Augen nicht gerade zum wahren Fußballfan. Raul war bisher immer ein Vorbild-Profi, in allen Belangen, auch im Privatleben. [...] mehr...
Welche Gründe waren das denn? Ich bin nur neugierig. mehr...
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