Von Michael Baltes
Frustriert verließen Bremens Spieler am vergangenen Samstag den Rasen des altehrwürdigen Craven Cottage im Londoner Westen. Innerhalb von 45 Minuten hatte es fünf Gegentore für die Kicker von der Weser gehagelt. 1:5 hieß es am Ende gegen den FC Fulham, den Europa-League-Finalisten der vergangenen Saison. Eine deftige Klatsche, eine Woche vor dem Start im DFB-Pokal, anderthalb Wochen vor dem Duell mit Sampdoria Genua um die Champions-League-Qualifikation und zwei Wochen vor dem ersten Bundesliga-Spieltag. Dementsprechend klare Worte fand Trainer Thomas Schaaf: "Die zweite Halbzeit zeichnet die Situation aus, in der wir uns befinden. Einige Spieler sind offenbar zu sehr mit sich selbst beschäftigt."
Besonders im Fokus der Kritik: Marko Arnautovic. Geholt als eines der größten Talente Europas hat der österreichische Stürmer offensichtlich seinen Kredit in Bremen innerhalb nur weniger Wochen schon fast verspielt. Gegen Fulham war Arnautovic ausschließlich durch Lustlosigkeit und Lauffaulheit aufgefallen. Anschließend fand Bremens Manager Klaus Allofs harte Worte für den 21-Jährigen: "Wenn er nicht verinnerlicht, dass wir nur als Gemeinschaft bestehen können, hat er keine Zukunft bei Werder!", zitierte ihn die "Bild"-Zeitung.
Ein paar Wochen zuvor hatten Allofs Worte über Arnautovic deutlich positiver geklungen: "Er ist ein Spieler, der absolut in die Reihe der Verpflichtungen der letzten Jahre passt. Er hat sehr großes Potential. Wir hoffen, dass er uns bei den Qualifikationsspielen um die Champions League und in der Meisterschaft helfen kann." Diese Hoffnung scheint sich in Bremen, momentan zumindest, nicht zu erfüllen.
Liegestütze und Strafrunden
Denn es ist nicht das erste Mal, dass Arnautovic heftigen Gegenwind an der Weser verspürt. Trainer Schaaf verdonnerte das Offensivtalent zuletzt im Trainingslager im österreichischen Bad Waltersdorf zu einem Straftraining. Der Sechs-Millionen-Zugang von Twente Enschede, der zuletzt an Inter Mailand ausgeliehen war, hatte eine Schiedsrichterentscheidung von Schaaf im Training nicht akzeptieren wollen und den Ball weggeschlagen. Schaaf ließ Arnautovic erst Liegestütze machen, und nachdem der Österreicher diese nur missmutig absolvierte, schickte der Bremer Trainer den aufmüpfigen Spieler auf den Nebenplatz zum Strafrunden laufen. "Nach den Liegestützen hatte er es noch nicht so ganz verstanden. Deshalb ist es dann ganz gut, wenn man mal ein bisschen Zeit für sich bekommt, damit der Puls runter geht und der Kopf frei wird", begründete Schaaf die Maßnahme.
Auch beim Rest der Mannschaft scheint Arnautovic nicht besonders gut anzukommen. Kapitän Torsten Frings äußerte bereits deutliche Kritik. "Marko ist technisch gut und schnell, hat aber auch eine eigenwillige Art, die er einen Tick weit ablegen muss - gerade in Bremen", sagte Frings über seinen Mitspieler. "Er muss schauen, dass er weniger arrogant erscheint, das kommt in Bremen nicht so gut an." Bei Arnautovics offizieller Vorstellung am Sonntag auf dem "Tag der Fans" untermauerten die Bremer Anhänger Frings Worte. Sie spendeten dem Zugang nur spärlichen Applaus.
Die Einstellung "eines Kindes"
Dass Arnautovic neben seinem herausragenden Talent als Fußballer ein schwer zu handhabender Charakter ist, scheint in Bremen kein Argument gewesen zu sein, von einer Verpflichtung des Österreichers abzusehen - oder der Glaube an die pädagogische Kraft eines Thomas Schaaf wurde einfach überschätzt. Denn dass der Umgang mit Arnautovic nicht leicht ist, wird auch bis nach Bremen durchgesickert sein. Sein Trainer bei Inter Mailand, José Mourinho, beschrieb die Einstellung des Österreichers als die "eines Kindes", seine Jugendtrainer bei Rapid und Austria Wien bezeichneten ihn laut Internetportal Laola1 als "unbequemen Freigeist ohne Mannschaftssinn" und als "verhaltensauffällig".
Den ehemaligen österreichischen Nationaltrainer Josef Hickersberger ignorierte Arnautovic einfach, als dieser ihn im Trainingslager von Inter Mailand besuchte und ihn ansprach. "Ich sagte 'Hallo Marko', er ging aber grußlos vorbei. Er ist noch jung, vielleicht kannte er mich nicht", so Hickersberger später.
Auch neben dem Platz sorgte Arnautovic schon für Schlagzeilen. In Mailand lieh er sich den Bentley von Vereinskollege Samuel Eto'o und ließ sich den Luxus-Schlitten prompt klauen. In seiner Zeit bei Twente Enschede geriet er unter Verdacht, einen Gegenspieler rassistisch beleidigt zu haben, wurde aufgrund mangelnder Beweislage vom niederländische Fußballverband KNVB aber freigesprochen.
Der "weiße" Carlos Alberto
Verhaltensmuster, die an einen anderen Bremer Spieler der vergangenen Jahre erinnern: Carlos Alberto. 2007 als Riesentalent für 7,8 Millionen Euro an die Weser gewechselt, fiel der Brasilianer nicht durch überragende Leistungen auf dem Platz, sondern durch Undiszipliniertheiten und Fehlverhalten daneben auf. Bereits 2008 trennte sich der Club wieder von Alberto, und nach zahlreichen Ausleihgeschäften wurde er 2010 endgültig an den brasilianischen Club CR Vasco da Gama verkauft. Alberto absolvierte in der Bundesliga ganze zwei Partien für die Bremer.
Ein ähnliches Schicksal wollen die Bremer bei Arnautovic vermeiden. Falls der 21-Jährige seine Einstellung, seine Arbeitsweise und sein Auftreten in der Öffentlichkeit nicht grundlegend ändert, könnte er aber bald als "weißer" Alberto in Werders Vereins-Annalen eingehen.
Mit Material von dpa und sid
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Was für unglaublicheEntgleisungen.., nicht von Marko Arnautovic, sondern vom Spiegel. Es wird allen Ernstes ein Vorwurf daraus gemacht, dass er in Mailand Opfer einer Straftat (Autodiebstahl) geworden ist?! Er wird von einem [...] mehr...
Dann muss ich sofort meinen Bundesligakader ändern: Arnautovic für Kurrianie! Bongrattazong! Und jetzt werde ich Erster. Und Werder segelt mal wieder weit an allen vorderen Plätzen vorbei. Ist wie zu Zeiten der seeligen [...] mehr...
Willkommen im Sommerloch! mehr...
Tja, in den letzten 10 Jahren ist Klaus Allofs wirklich durch arrogantes Auftreten bei gleichzeitiger desaströser Transferpolitik aufgefallen. Als Manager ist er fast so schlecht wie Thomas Schaaf als Trainer. Die paar Titel, [...] mehr...
Was das eigentlich Peinliche an diesem Artikel ist, ist dass der Autor hier einige Bild-Artikel zusammenfast und nur im Fall eines Zitats (das im Übrigen von den Bild-Poeten dem Zusammenhang sowas von entrissen ist) es für nötig [...] mehr...
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