Wechselt ein Profifußballer den Verein, singt er in der Regel eine Lobeshymne auf seinen neuen Arbeitgeber. Etwa so: "Ich bin enthusiastisch und stolz, Teil eines solch prestigeträchtigen Clubs zu werden. Davon habe ich geträumt, seit ich ein kleiner Junge bin."
Etwas mehr als ein Jahr ist es her, seit sich der Brasilianer Diego so überschwänglich geäußert hat. Werder Bremen hatte ihn da für rund 25 Millionen Euro zu Juventus Turin in die Serie A ziehen lassen. Der Traum des kleinen Jungen aus Ribeirão Preto war in Erfüllung gegangen. Für fünf Jahre unterschrieb er bei Juve, sprach von acht bis zehn Jahren, die er für die "Alte Dame" spielen wolle.
Ein Jahr später ist Diego zurück in Deutschland.
Der VfL Wolfsburg hat ihn verpflichtet und angeblich rund 15 Millionen Euro in den Nordwesten Italiens überwiesen. Einen Vierjahresvertrag hat der Mittelfeldspieler beim VfL unterzeichnet, als Gage stehen sechs Millionen Euro pro Jahr im Raum. In Wolfsburg jubelt man, nach wochenlangem Hin und Her den 1,75 Meter großen Dribbelkünstler verpflichtet zu haben. Endlich gehört Dieter Hoeneß nun zu den Managern mit Superstar im Kader, wenn auch nur im grauen Wolfsburg und nicht im schicken München, wo sein Bruder Uli regiert.
Dies ist möglicherweise auch der Hauptgrund für den Deal, denn warum der Club diesen Transfer aus sportlichen Gründen mit aller Macht gestemmt hat, ist nicht ganz klar. Steht doch mit Zvjezdan Misimovic ein Akteur im Kader des Meisters von 2009, der ähnliche Qualitäten hat wie Diego. Den man trotz aller Wechselabsichten hätte halten können, sofern gewollt. Schließlich hat man auch einem ganz offenherzig wechselwilligen Edin Dzeko bislang die Freigabe verwehrt. Misimovic aber wird nun gehen dürfen.
Nur Robben kann mit Diego mithalten
So tauscht der VfL nur einen Akteur gegen den anderen. Beide spielen auf ähnlicher Position, sind ausgestattet mit viel Offensivdrang. Sie stehen im Ruf, sich nicht sonderlich für die Defensive zu interessieren. Das Spektakel vor dem gegnerischen Tor ist ihre Leidenschaft. Sowohl Diego als auch Misimovic sind herausragende Freistoßschützen.
Und was Misimovic für das Wolfsburger Spiel leisten kann, hat man beim Saisonauftakt in München gesehen. Einer trostlosen Vorstellung in der ersten Halbzeit folgte eine deutliche Leistungssteigerung. Plötzlich spielte die Mannschaft inspiriert und mit Mut nach vorne. Misimovic traf nach wenigen Minuten den Pfosten, schlug den Eckball zum Ausgleich durch Edin Dzeko.
Das hat der Bosnier dem Brasilianer voraus: Die Fähigkeit, Tore vorzubereiten, ist bei Misimovic ausgeprägter. Was der Brasilianer dem Bosnier voraushat, ist die Schnelligkeit, das Spektakuläre und vor allen Dingen die Torgefahr.
Abgesehen von Bayerns Arjen Robben hat kein Bundesligaspieler in den vergangenen Jahren mit derlei Tempodribblings und außergewöhnlicher Ballbehandlung aufwarten können wie Diego. Regelmäßig sorgte der 25-Jährige im Bremer Weserstadion für technische Sternstunden - und zudem noch viele Treffer. Das erhoffen sich nun Manager Hoeneß und Trainer Steve McClaren in Wolfsburg für die eigene Arena.
Der Umzug in die VW-Stadt ist ein Rückschritt
Dafür werden die beiden sich ordentlich ins Zeug legen müssen. Diego gehört zu der Sorte Fußballer, die regelmäßig getätschelt werden wollen. Sein Genie muss von allen Seiten gelobt werden, nur dann ist er willens, Spitzenleistung zu bringen. Selbst wenn dies gewährleistet ist, erscheint fraglich, ob Diego die Mannschaft des VfL sportlich weiterentwickeln kann. Während Misimovic eine Mannschaft führt, ihr Tempo bestimmen kann, eine gewisse Zurückhaltung ausstrahlt, zählt der Brasilianer zu der Sorte der Selbstdarsteller auf dem Platz. Er ist keiner, der ein Team zusammenfügen kann. Dies hat auch der schnelle Abschied aus Turin gezeigt. Die dortige Mannschaft war in der vergangenen Spielzeit im Umbruch. Diego konnte nicht zu einer spielbestimmenden Persönlichkeit aufsteigen, war bestenfalls Mitläufer. Es wurde eine schlimme Saison für die Juve, sie endete auf Rang sieben, 27 Punkte hinter Meister Inter.
Für Diego, der noch Ende vergangenen Jahres davon sprach, mit Juventus um Champions League und Meisterschaft mitspielen zu können, ist der Umzug in die VW-Stadt ein Rückschritt. Bei seiner Ankunft war er in der schnelllebigen italienischen Presse noch mit Diego Maradona und Zico verglichen worden. Er sollte den durch Manipulationsskandal und Zwangsabstieg gedemütigten Verein zurück zu altem Glanz führen. Nach einem Jahr lässt der Verein ihn ziehen, nimmt zehn Millionen Euro Verlust in Kauf.
"In Brasilien verfolgt man die Spiele von Juventus", hatte Diego im Winter gesagt und auf eine Nominierung für den WM-Kader der Seleção gehofft. Doch die blieb aus. Die nächste WM findet in Brasilien statt. Dort das legendäre kanarienvogelgelbe Trikot überstreifen zu dürfen, ist ein Traum für jeden kleinen brasilianischen Jungen. Auch für Diego.
Ob sich dieser in Diensten des VfL Wolfsburg erfüllen wird, der zumindest in der laufenden Saison nicht auf europäischer Bühne spielt, weiß niemand. Einen deutlichen Vorteil aber sieht Diego in der Bundesliga gegenüber der Serie A: den Rasen. Der ist seiner Meinung nach in Deutschland besser als in Italien.
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Ist was dran. Allerdings hat der BMW in diesem Fall deutlich weniger Kilometer auf dem Tacho. Im Augenblick tun die beiden sich wirklich nicht viel. Andere Spielweise aber ungefähr gleiche Klasse. Misimovic ist allerdings mit [...] mehr...
..... Der Möchtegernkünstler Magath und die Möchtegern-Spitzenfußballer des VfL, das paßte zusammen, Diego hätte lieber zurück nach Bremen gehen sollen, dorthin paßte er wirklich. Und mit den Superstars ist es so eine Sache, [...] mehr...
dass Zwetschge endlich geht! Ein Spieler, der vor seinen Fans darüber spricht, wie sehr ihm der VFl auf den Keks geht, muss man aus meiner Sicht nicht behalten. Liebe Leute, was hat er denn vor seinen 2 guten Jahren beim VFL [...] mehr...
Diego kommt, Misimovic geht. Das ist ungefähr so, wenn ich meinen guten Mercedes weggebe und dafür einen BMW nehme. Der nächste Fehler ist Dieter Hoeneß. Er wird das Niveau seines Bruders nie im Leben erreichen. Er sollte es [...] mehr...
Keine Frage - Diego ist ein sehr guter Fussballer. Aber die Bezeichnung "Superstar" finde ich dennoch etwas überzogen. Bremen - Juve - Wolfsburg. Rein nominell gäbe es da bessere Lebensläufe wie z. B. ManU - Milan - [...] mehr...
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