Von Birger Hamann
Hamburg - Was für wunderbare Zeiten auf Schalke: Die Defensive ein Bollwerk, die Offensive effektiv und der Club im Titelrennen. Damals - vor wenigen Monaten.
Von der guten Stimmung aus dem Frühjahr ist in Gelsenkirchen aber mittlerweile ebenso wenig übrig geblieben wie von der Mannschaft, die dem FC Bayern im Nacken saß und am Ende Platz zwei hinter den Münchnern belegte. Nach dem 1:2 beim Hamburger SV zum Saisonauftakt verlor Schalke mit dem gleichen Ergebnis daheim gegen Hannover. Zwei Spiele, null Punkte, Platz 14: Das sind die ernüchternden Zahlen nach zwei Spieltagen für den Champions-League-Teilnehmer.
Nun könnte man im Fall von S04 lediglich von einem klassischen Fehlstart sprechen, ärgerlich, aber nicht dramatisch. Wolfsburg hat schließlich auch zwei Spiele verloren, die Bayern haben mit Glück eines gewonnen und sich anschließend beim 0:2 in Kaiserslautern blamiert. Aber der FC Schalke 04 hat nicht bloß einen Fehlstart hingelegt, dort steht ein ganzes System auf der Kippe - das System Magath.
Magaths Fehler: Er verkaufte seine erfolgreiche Abwehr
13 Abgänge, elf Zugänge: Wie schon zuvor in Wolfsburg krempelte Magath in seinem zweiten Jahr das Team komplett um. Das macht er gern, bereits in der vergangenen Winterpause kamen diverse neue Spieler zu S04. Doch während der 57-Jährige seinerzeit beim VfL ein gutes Händchen bei Neuverpflichtungen bewies, beging Magath vor dieser Saison einen folgenschweren Fehler: Er schwächte sein Team in dem Bereich, der hauptverantwortlich war für die erfolgreiche vergangene Saison - die Abwehr.
Rechts hinten Rafinha, in der Zentrale Marcelo Bordon und Benedikt Höwedes, links Heiko Westermann: So setzte sich in der Spielzeit 2009/2010 meist die Viererkette der Gelsenkirchener zusammen. Gemeinsam mit Torhüter Manuel Neuer ließ dieses Quartett nur 31 Saisontore zu, bildete gemeinsam mit dem FC Bayern die beste Abwehr der ganzen Bundesliga.
Und nun? Rafinha spielt mittlerweile beim FC Genua, Bordon kickt in der Wüste bei Al-Rayyan in Katar, und Westermann, immerhin Kapitän der Schalker, ließ Magath zum HSV ziehen, wo der Nationalspieler auch die Binde trägt. Auf ihren Positionen spielen mittlerweile Atsuto Uchida, der vom japanischen Club Kashima Antlers kam, Hans Sarpei, zuletzt Bankdrücker bei Bayer Leverkusen, und Christoph Metzelder, der es in drei Jahren für Real Madrid auf ganze 23 Einsätze brachte. Magath glaubte, seine hochbezahlten Verteidiger austauschen und damit Geld einsparen zu können, gleichzeitig mit billigerem Personal aber keinen Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen - ein fataler Trugschluss.
Hilflose S04-Defensive gegen Hannover
Dass eine neu zusammengesetzte Abwehr Zeit braucht, um sich einzuspielen, ist unstrittig. Was aber Uchida, Sarpei und Metzelder, unterstützt von Aushilfs-Innenverteidiger Joel Matip, gegen Hannover zeigten, war die pure Hilflosigkeit. Nicht nur bei den Gegentoren durch Konstantin Rausch (31. Minute) und Mohammed Abdellaoue (49.) kamen die Schalker Verteidiger zu spät; Hannover hätte die Partie schon zur Halbzeit entscheiden können, wenn Moritz Stoppelkamp in der 37. und 38. Minute nicht zwei Riesenchancen für 96 vergeben hätte. Wie schon gegen den HSV unterliefen der S04-Defensive etliche Fehler.
Da war es auch wenig hilfreich, dass die Schalke-Fans den ehemaligen Dortmunder Metzelder auspfiffen, der sein erstes Heimspiel für die Königsblauen bestritt. "Das hat ihn zusätzlich verunsichert", sagte Magath später, dessen Verhältnis zum Anhang derzeit stark angespannt ist. Die Fans hatten zuletzt gegen die wachsende Machtfülle Magaths protestiert, der Trainer, Manager sowie Mitglied des Vorstands ist. Am Sonntag soll es nun ein klärendes Gespräch zwischen Magath, Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und Fanvertretern geben. Die Niederlage gegen Hannover war dafür alles andere als eine gute Vorlage.
Nach der Pleite gegen 96 kündigte Magath mit Blick auf die am Dienstag um Mitternacht endende Wechselfrist für Vertragsspieler an: "Bis dahin wird es für uns auf dem Transfermarkt noch einiges zu tun geben. Damit ich dieses Spiel möglichst schnell hinter mir lassen kann." Doch anstatt in die Defensive zu investieren, wo ganz offensichtlich die größten Probleme liegen, ist nach dem bislang enttäuschenden Raúl mal wieder ein Star für die Offensive im Gespräch: Der niederländische Nationalstürmer Klaas-Jan Huntelaar soll für eine Ablösesumme von 13 Millionen Euro vom AC Mailand nach Gelsenkirchen kommen.
Angeblich saß Huntelaar bei der Pleite gegen Hannover bereits auf der Tribüne. Es war übrigens das erste Mal seit 23 Jahren, dass der FC Schalke wieder mit zwei Niederlagen in eine Bundesliga-Saison startete. Auch damals, in der Spielzeit 1987/1988, verlor der Club zum Start beim HSV (2:5), kassierte anschließend eine Heimniederlage gegen Hannover (0:2) - und stieg am Ende in die Zweite Liga ab.
Mit Material von sid und dpa
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Bei so vielen Bauernopfern in der Abwehr wage ich es zu bezweifeln. Auch wenn ich Magath mag hat er diesmal ueberzogen und war wohl von seiner eigenen Arroganz und Koennen ueberzeugt. Somit ist der Bericht auf dem Punkt und [...] mehr...
Nach einem schwachen Auftaktspiel lässt sich nun wirklich nichts Wesentliches kritisieren. Die Saison ist noch lang... mehr...
Ich hab schon vor der Saison ein schlechtes Gefühl gehabt, was meinen Verein Schalke angeht. Da wurde mal eben die gesamte Abwehr ausgetauscht. So was geht selten gut. Und die neuen Spieler haben bis jetzt auch nicht überzeugt. [...] mehr...
>>> W U N D E R B A R E R K O M M E N T A R <<< dankeschön. gruss tinytimmi mehr...
Fragt sich nur wann?Bei Schachspielern ist es oft so,dass sie eine Siegesserie hinlegen und dann eine Schwächephase, bei Magath`s bisherigen Engagements und Vereinen war es oft so,dass er anfangs sehr erfolgreich agierte und [...] mehr...
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