Von Peter Ahrens
Bundesliga-Rückkehrer Diego war hoch zufrieden: "Wir waren so gut, alles hat geklappt, es war eine Demonstration unserer Stärke." Der Brasilianer, der den VfL Wolfsburg herrlichen Zeiten entgegenführen soll, sprach allerdings nur über die erste halbe Stunde des Kräftemessens mit Mainz 05. Was danach kam, dafür fehlten auch Diego die Worte: "Ich kann nicht sagen, warum uns so etwas passieren konnte." So etwas - damit war das Verspielen der luftig leichten 3:0-Führung bis hin zu einer 3:4-Niederlage gemeint. Unter all den Knalleffekten, die der zweite Bundesliga-Spieltag zu bieten hatte, war der Mainzer Coup in Wolfsburg wohl der größte. Und Diegos Liga-Comeback, das ausersehen war, DIE Geschichte dieses Spieltags zu werden, war am Ende nur noch ein Randthema.
Der VfL Wolfsburg und der ihn tragende VW-Konzern haben für dieses Jahr große Ziele, und Manager Dieter Hoeneß ist derjenige, der sie exekutieren soll. Mit der Verpflichtung von Diego hat der Club genau den Spielertypen bekommen, den sich die Verantwortlichen für den VfL wünschen: Ein spielstarker international bekannter Profi, der zudem Glamour und Glanz in die Wolfsburger Hütte bringt. Der Verein aus der Provinz behängt sich mit fußballerischem Lametta - ein Konzept, das Sport und Marketing miteinander verknüpft.
Hoeneß muss in der ersten halben Stunde denn auch das Herz aufgegangen sein, denn so wie Wolfsburg das Spiel gegen die Mainzer anging, soll sich der Club in der Außendarstellung auf dem Feld künftig gerne dauernd präsentieren: Hurrafußball mit den Aushängeschildern Diego und Mittelstürmer Edin Dzeko, dem seit Wochen Unlust nachgesagt wird und dem man das im Spiel aber niemals anmerkt.
Dem Rausch folgt der Kater
Der Bosnier, Torschützenkönig der Vorsaison, ist schon wieder in bestechender Frühform. Überragend war auch gegen Mainz sein Laufspiel in der ersten Hälfte, das Verständnis mit Diego schien sofort vorhanden. Spieler der Güteklasse Dzeko brauchen keine große Umgewöhnungszeit. Als Diego nach 30 Minuten den Mainzer Torwart Christian Wetklo mit einem Übersteiger verlud und zu seinem Debüt-Tor einschob, brach gar niedersächsisch rauschhafte Stimmung aus.
Dem Rausch folgt gemeinhin der Kater, und auch die Wolfsburger Offensivstars sind davon nicht ausgenommen. Die wackeren Mainzer ergaben sich selbst angesichts der betäubenden Übermacht des Gegners nicht in ihr Schicksal, sondern begannen nach dem schnellen 1:3-Anschlusstor, an ihre Chance zu glauben - Zeichen eines "ungewöhnlichen Geistes, der in dieser Mannschaft steckt", wie ihr Trainer Thomas Tuchel anschließend überschwänglich lobte. Nach dem 2:0-Auftaktsieg gegen den VfB Stuttgart haben die Mainzer jetzt auch das zweite vermeintliche Spitzenteam auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt.
Die Mannschaft habe in den vergangenen Monaten eine Mentalität herausentwickelt, "wie sie sich jeder Trainer wünscht", sagt Tuchel - und man darf anfügen, dass der Coach selbst daran nicht ganz unschuldig sein dürfte. Dem 37-Jährigen ist es gelungen, innerhalb eines Jahres ein Team zu formen, die das Gegenkonzept zum VfL Wolfsburg darstellt: Keine Stars, keine großen Namen, dagegen ein Team, das in allen Mannschaftsteilen harmoniert, in der Defensive einigermaßen sicher steht und nach vorne über genug Impulsgeber verfügt, um jederzeit Torgefahr auszustrahlen.
In der Rolle des Unterschätzten eingerichtet
Tuchel sieht mit seinem strengen Seitenscheitel und dem Bartflaum zwar immer so aus wie einer aus dem Bohemien-Milieu in Berlin-Prenzlauer Berg, aber er fühlt sich wohl in der Rolle des Unterschätzten. Als in der Vorsaison sich alles um die Trainer-Alphatiere Louis van Gaal und Felix Magath drehte, ist die Leistung des leisen Mainzer Trainers daher auch zu Unrecht etwas untergegangen. Was Tuchel am Mainzer Bruchweg im übermächtig großen Schatten des Trainer-Vorgängers Jürgen Klopp geschaffen hat, wäre es wert gewesen, ihm den Titel Trainer des Jahres zu verleihen.
Ein Ziel, an dem Wolfsburgs Coach Steve McClaren noch gewaltig arbeiten muss. Hoeneß und VW haben ihm ein Starensemble hingestellt, aber vor allem in der Defensive hapert es. Nationalspieler Arne Friedrich, den der Club als wichtigsten Baustein der Abwehr eingekauft hat, fällt nach seiner Bandscheiben-Operation mindestens zwei Monate aus. Sein Zwölf-Millionen-Euro-Nebenmann Simon Kjaer ist in der Bundesliga noch nicht ganz angekommen - beim Siegtreffer der Mainzer ließ er sich von Ádám Szalai mit einem einfachen Trick düpieren. Der Italiener Andrea Barzagli, der die Abwehr in der Meistersaison 2009 zusammengehalten hatte, ist schon in der Vorsaison zum Reservisten degradiert worden.
McClaren sprach nach dem Spiel von einem "dramatischen Qualitätsverlust", von einer "Doktor Jekyll und Mister Hyde-Vorstellung", von "mentalen und charakterlichen Problemen". Das hört sich nicht so besonders gut an für das ehrgeizige Projekt 2011 des VW-Clubs.
Diego und Dzeko - Geld schießt doch Tore. Aber Geld verhindert offenbar keine Gegentreffer.
Mit Material von dpa und sid
Auf anderen Social Networks posten:
..."Englisch-Sprechen-Rekord" von Lothar Matthäus und Günther Hermann Oettinger hat er bereits übertroffen ;-). mehr...
Ach zu den Ligatheorien der Experten noch eins, besonders Roccker schwärmt ja immer von der guten alten Zeit und da war alles anders. Real Madrid holt unter di Stefano den Grossteil seiner CL Trophäen und war lange von der [...] mehr...
...und vorher in Aalen. mehr...
Mit nem Schnitt von 15.000 in Liga 3 wärt ihr doch gut dabei;) Werden auf jeden Fall ne Menge spannender Spiele. Ich denke vom Namen her, sollte es so bleiben, haben wir mit Chemnitz, Münster und Kassel drei Klasse [...] mehr...
Wie meinen? Momentan spielt doch der immer noch in Ingolstadt. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fußball | RSS |
| alles zum Thema Fußball-Bundesliga | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH