Hamburg - Die Reihe der Überraschungen in der neuen Bundesliga-Saison hat sich auch am Sonntag fortgesetzt: Titelanwärter Bayer Leverkusen hat sein erstes Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach verloren - und das mit dem sensationellen Ergebnis von 3:6 (1:3). Damit ging die Bayer-Premiere von Michael Ballack vor eigenem Publikum gründlich daneben: Der 98-fache Nationalspieler blieb auch gegen die Gladbacher blass und gehörte zu den schwächsten im Bayer-Team.
"Das haben wir in den kühnsten Träumen nicht erwartet. das war für unsere Verhältnisse ein perfektes Auswärtsspiel. Wir haben durch die Länderspielpause jetzt zwei Wochen Zeit, jetzt wird gefeiert", sagt Gladbachs Coach Michael Frontzeck nach der Partie. Auf der anderen Seite der Stimmungsskala befanden sich folgerichtig die Leverkusener: "Das war eine Lehrstunde für uns", befand Abwehrchef Sami Hyypiä.
Die Rivalen vom Niederrhein lieferten sich von Beginn an ein begeisterndes Spiel, vor allem weil die Borussia offensiv mitspielte und den Leverkusenern nicht das Feld überließ. So entwickelte sich schnell eine Partie voller Torchancen - und auch die Treffer ließen nicht lange auf sich warten.
Offener Schlagabtausch mit Toren im Minutentakt
Mönchengladbach machte nach 20 Minuten den Anfang, als Stürmer Mohammadou Idrissou Bayer-Verteidiger Arturo Vidal den Ball wegspitzelte, nach innen passte und der 19-jährige Patrick Herrmann geistesgegenwärtig zur Stelle war und abstaubte. Eine Führung, die allerdings nicht lange währte: Nachdem Michael Bradley freistehend vor Bayer-Torwart René Adler das 2:0 vergeben hatte, schlug der Gastgeber im Gegenzug zu: Eren Derdyok köpfte eine Flanke von Gonzalo Castro unhaltbar für Gladbachs Torwart Logan Bailly ins lange Toreck.
Auch wenn Bayer danach das Kommando auf dem Platz übernahm und durch Stefan Kießling nur die Latte traf, steckten die Gäste keineswegs zurück. Im Gegenteil. Erst rettete Adler zweimal bravourös gegen Bradley und Marco Reus, beim nächsten Gegentor traf den Nationaltorwart dann allerdings eine Mitschuld. Adler konnte einen Schuss von Torben Marx nicht festhalten, Verteidiger Roel Brouwers drückte den Abpraller über die Linie. Zwei Minuten später lag der Ball schon wieder im Netz. Patrick Herrmann sorgte mit einem sehenswerten Schuss von der Strafraumgrenze für den 3:1-Halbzeitstand.
Ungebremst aus der Kabine
Nach der Pause ging es ungebremst im selben Stil weiter. In der 56. Minute nahm Juan Arango für Gladbach Maß und setzte einen Freistoß unhaltbar für Adler zum 4:1 ins Tor. Schon zwei Minuten später gab es Torjubel auf der anderen Seite. Vidal verwandelte einen Foulelfmeter, nachdem er selbst von Marx im Strafraum zu Fall gebracht worden war. Bevor die Bayer-Elf wieder Hoffnung schöpfen konnte, hatten die Borussen bereits wieder nachgelegt. Adler wehrte einen Reus-Schuss nach vorne ab, Idrissou verwandelte zum 5:2.
Von diesem erneuten Rückschlag erholten sich die Leverkusener nicht mehr. Michael Ballack ohnehin nicht. Sein äußerst unauffälliger Arbeitstag endete nach 63 Minuten. So musste er zumindest auf dem Platz nicht mehr erleben, wie Reus gar das 6:2 nachlegte. Stefan Kießling ließ zwei Minuten später das 6:3 folgen, danach hatten die Stürmer dann doch ihr Pulver verschossen.
Es blieb bei dem Resultat an einem denkwürdigen Bundesliga-Nachmittag.
Bayer Leverkusen - Bor. Mönchengladbach 3:6 (1:3)
0:1 Herrmann (20.)
1:1 Derdiyok (24.)
1:2 Brouwers (40.)
1:3 Herrmann (44.)
1:4 Arango (56.)
2:4 Vidal (58./Foulelfmeter)
2:5 Idrissou (60.)
2:6 Reus (69.)
3:6 Kießling (70.)
Bayer Leverkusen: Adler - Castro, Reinartz, Hyypiä, Kadlec - Vidal (71. Balitsch), Ballack (63. Bender), Renato Augusto, Barnetta (63. Jørgensen) - Kießling, Derdiyok
Bor. Mönchengladbach: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Daems - Marx, Bradley - Herrmann (80. Schachten), Reus (85. Neustädter) - Arango (75. Bobadilla) - Idrissou
Schiedsrichter: Stark
Zuschauer: 30.000
Gelbe Karten: Castro / Marx
aha/dpa
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