Hamburg - Christian Gross stand kurz vor Ende der ersten Halbzeit in Gedanken versunken an der Außenlinie. Er blickte in Richtung des Tors, in das der Dortmunder Mario Götze Sekunden zuvor per Kopfball zum 0:3 getroffen hatte. Gross, der Schweizer Trainer des VfB Stuttgart, schien nicht begreifen zu können, wie seine in der Rückrunde der vergangenen Saison noch so starke Elf sich derart vorführen lassen konnte.
Auch die meisten Angriffsversuche in der zweiten Halbzeit erinnerten nur entfernt an den dominanten Stuttgarter Fußball der vergangenen Saison. Am Ende hieß es gegen Dortmund 1:3 (0:3). Es war die zweite Stuttgarter Niederlage im zweiten Saisonspiel - so schlecht ist der VfB in seiner Bundesligageschichte noch nie in eine Spielzeit gestartet. Dortmunds Treffer erzielten der Stuttgarter Khalid Boulahrouz per Eigentor (5.), Lucas Barrios (26.) und Mario Götze (37.). Cacau konnte für den VfB nur noch verkürzen (69.).
"Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt. Die Toren waren klasse gemacht. Das war geiler Fußball", sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. "Das war heute ganz wichtig nach unserem Fehlstart am vergangenen Wochenende." Ganz anders war die Laune beim VfB. Stuttgart belegt nun punktlos und mit 1:5 Toren Tabellenplatz 18, während Dortmund durch die ersten drei Punkte auf Platz acht vorrückte. Der VfB konnte froh sein, dass Leverkusen zuvor 3:6 (1:3) gegen Borussia Mönchengladbach verloren hatte - so war das eigene Ergebnis wenigstens im Vergleich etwas erträglicher.
Dortmund effektiv, Stuttgart umständlich
Nur schwer zu ertragen war dagegen in großen Teilen der Partie Stuttgarts Auftritt. Der VfB knüpfte an die schwachen Leistungen im DFB-Pokal, der Europa League und zum Bundesliga-Start beim FSV Mainz 05 (0:2) an. Bereits nach fünf Minuten deutete sich an, dass auch gegen Dortmund nicht die Trendwende kommen sollte.
Schmelzers Flanke von links fälschte der als Rechtsverteidiger aufgebotene Boulahrouz derart unglücklich ab, dass VfB-Torwart Sven Ulreich nicht mehr reagieren konnte. Boulahrouz spielte auf der Außenbahn, weil Serdar Tasci im Zentrum sein Saisondebüt gab.
Dortmund war nach der Führung die bessere Mannschaft. Stuttgart spielte nach vorne viel zu umständlich. Shinji Kagawa und Patrick Owomoyela hatten für die Gäste Möglichkeiten zum 2:0. Den zweiten Dortmunder Treffer erzielte aber Barrios - wieder mit VfB-Unterstützung. Georg Niedermeier klärte mit dem Kopf unglücklich zu Kevin Großkreutz, der mit viel Übersicht zurück auf Barrios passte. Der BVB-Stürmer traf mit einem platzierten Schuss aus 14 Metern.
Dem VfB entglitt das Spiel nun völlig. Bei einer Flanke von Kagawa stimmte die Absprache zwischen Ulreich und Niedermeier nicht. Der Kopfball des Verteidigers war für Götze wie eine Vorlage - er musste aus kurzer Distanz nur noch ins leere Tor köpfen.
Cacaus Anschlusstreffer zu wenig für den VfB
Gross wechselte nach der Pause Martin Harnik für den grippegeschwächten Ciprian Marica und Daniel Didavi für Georg Niedermeier, der zwei der drei Gegentreffer verschuldet hatte, ein. Die Wechsel brachten zunächst wenig. Ulreich verhinderte gekonnt das mögliche 0:4 gegen Barrios (51.).
Dortmund ließ es nun merklich langsamer angehen und beschränkte sich auf gelegentliche Konter. Erst als Nationalstürmer Cacau (63.) BVB-Keeper Roman Weidenfeller mit einem 18-Meter-Schuss prüfte, schienen die Gastgeber aufzuwachen. Stuttgart erhöhte nun beständig den Druck, Dortmund verlor seine Linie.
Nach einem Ballverlust der Gäste erzielte Cacau nach präziser Flanke von Zdravko Kuzmanovic per Kopf das 1:3 (69.). In der Folge ließ Dortmund den VfB gewähren und sich in die Defensive drängen. Der BVB überstand einige gefährliche Stuttgarter Angriffe und ließ seinerseits mehrere hervorragende Konterchancen ungenutzt. Am Ende hatte Stuttgart nicht die Kraft, die Partie noch einmal spannend zu machen.
"Nicht nur mein Tor kam zu spät, sondern auch unser Kampfgeist", sagte Cacau. "Wir haben gute Qualitäten in der Mannschaft. So wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, darf das nicht passieren. Die Einstellung, die wir in der zweiten Halbzeit hatten, hätten wir von Beginn an zeigen müssen."
VfB Stuttgart - Borussia Dortmund 1:3 (0:3)
0:1 Boulahrouz (5., Eigentor)
0:2 Barrios (26.)
0:3 Götze (37.)
1:3 Cacau (69.)
Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz (90. Funk), Niedermeier (46. Didavi), Tasci, Molinaro - Gebhart, Träsch, Kuzmanovic, Gentner - Cacau, Marica (46. Harnik)
Dortmund: Weidenfeller - Owomoyela, Subotic, Hummels, Schmelzer - Sahin (88. Bender), Kehl - Großkreutz (75. Piszczek), Kagawa, Götze - Barrios (65. Lewandowski)
Schiedsrichter: Gagelmann
Zuschauer: 40.500
Gelbe Karten: - Schmelzer, Kehl
ulz/sid/dpa
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