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04.09.2010
 

Neue Pleite für Frankreichs Fußballer

Katastrophal, unbeholfen, naiv

Niederlage gegen Weißrussland: Blamage statt Wiedergutmachung
Fotos
dpa

Miserabler Start Frankreichs in die EM-Qualifikation: Die Heimniederlage gegen Weißrussland ist nach der WM-Pleite ein erneuter Schock für die Fans. Trainer Laurent Blanc zeigt sich verzweifelt, die französische Presse stellt fest, es habe sich "gar nichts geändert".

Hamburg - Laurent Blanc stand wie versteinert am Spielfeldrand und versuchte entsetzt, das Unerklärliche zu erklären. Der Auftritt seiner Mannschaft sei katastrophal gewesen, unbeholfen und naiv, es laufe momentan "einfach alles gegen Frankreich", klagte der Trainer. Die nächste Blamage der einst so stolzen Fußballnation war besiegelt, der Neuanfang ohne die gesperrten WM-Rebellen wurde zum Desaster: 0:1 in Paris gegen Weißrussland.

"Wir haben heute einen Schlag ins Gesicht bekommen", sagte Außenverteidiger Bacary Sagna. "Es ist ärgerlich, mit einer Niederlage zu starten, insbesondere zu Hause", fuhr der Spieler des FC Arsenal fort, "aber wir müssen unsere Köpfe oben behalten und weiterarbeiten."

Sein Coach, einer der Helden der Weltmeisterelf von 1998 und als Nationaltrainer zum Retter auserkoren, wirkte fast schon verzweifelt: "Wir haben einfach keine Spieler, die Tore schießen können", sagte Blanc. "Wir haben sehr viele Spieler, die den Ball laufen lassen, aber 25 Meter vor dem Tor ist es vorbei. Da fehlen Leute, die den Unterschied ausmachen." Einen solchen hatte der deutsche Trainer der Weißrussen zur Verfügung - Sergej Kisljak (86.) ließ Bernd Stange jubeln und traf Frankreich ins Herz.

Erfahrene Profis in blamabler Verfassung

Rund 76.000 Zuschauer im fast ausverkauften Stade de France mussten erkennen, dass die Mannschaft nicht zu Unrecht auf Platz 21 der Fifa-Weltrangliste abgestürzt ist. Die Franzosen zeigten gegen die eigentlich harmlosen Gäste eine äußerst schwache Vorstellung. Lediglich das 20-jährige Mittelfeldtalent Yann M'Vila wusste zu gefallen. Erfahrenere Profis wie Florent Malouda, Gael Clichy, Sagna und Abou Diaby präsentierten sich in blamabler Verfassung.

Wenn man schon nicht gewinne, so Nationaltrainer Blanc, müsse man wenigstens sicherstellen, nicht zu verlieren. Aber das sei eine Frage der Erfahrung. "Wir sind in einer schwierigen Situation, aus der wir uns herauskämpfen müssen", sagte der 45-Jährige. "Und genau das werden wir auch tun."

"Nein, es hat sich gar nichts geändert!"

Franck Ribéry saß währenddessen in München vor dem Fernseher. Der Mittelfeldstar von Bayern München wäre ein Mann für den tödlichen Pass und für Zaubertore, er ist aber nach den skandalösen Vorfällen bei der WM in Südafrika intern gesperrt. Genau wie der bereits zurückgetretene Nicolas Anelka (FC Chelsea), Patrice Evra (Manchester United) und Jeremy Toulalan (Olympique Lyon).

Wer nach dem temporären Rauschschmiss der aufmüpfigen Akteure auf alten Glanz gehofft hatte, wurde enttäuscht. "Nein, es hat sich gar nichts geändert!", kommentierte die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" anklagend und titelte: "Katastrophal". Das Blatt "Sud-Ouest" schrieb nach dem siebten Länderspiel nacheinander ohne Sieg: "Der Alptraum geht weiter." Und das Urteil des Fachmagazins "France Football" lautete: "Das Team war unproduktiv, mutlos und kaum gefährlich."

Schon das Debüt des Nationalhelden Blanc gegen Norwegen war ohne sämtliche 23 WM-Fahrer in die Hose gegangen (1:2). Das zweite Spiel in der EM-Qualifikation ist nun bereits richtungweisend: Am Dienstag muss die Equipe Tricolore in Bosnien antreten - und dabei auch noch auf die Stürmer Louis Saha und Loic Remy verzichten, die im Stade de France Verletzungen erlitten. Zudem - immer besonders bitter - sprang Blanc auch noch der Gegner zur Seite: "Man kann doch nicht in ein paar Wochen ein Team aufbauen. Ich arbeite seit drei Jahren (in Weißrussland), und erst jetzt sieht man die Früchte", sagte Bernd Stange.

Spät am Abend versuchte Blanc dann auch noch, etwas Optimismus zu zeigen: "Es ist schwierig, irgend etwas Positives aus einer Niederlage zu ziehen", sagte er. "Aber es gab Dinge in unserem Spiel, die mir gefallen haben."

fsc/sid/dpa/Reuters

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