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10.09.2010
 

Gladbach-Trainer Frontzeck

"Wenn ich Angst kriege, ist Feierabend"

Gladbach-Trainer Frontzeck: Bei der Borussia zu HauseZur Großansicht
ddp

Gladbach-Trainer Frontzeck: Bei der Borussia zu Hause

Der Verein als Heimat: Michael Frontzeck wuchs am Bökelberg auf, spielte für Borussia Mönchengladbach und ist nun Trainer des Erstligisten. Im Interview mit dem Magazin "11FREUNDE" spricht er über Blumensträuße, Titelträume - und ein gespaltenes Verhältnis zu Cristiano Ronaldo.

Frage: Herr Frontzeck, Glückwunsch nachträglich. Vor genau 30 Jahren gewannen Sie mit Ihrer Schulmannschaft vom Gymnasium Odenkirchen bei "Jugend trainiert für Olympia".

Frontzeck: Vielen Dank. Ja, das war eine große Sache damals. Ich bin zum ersten Mal geflogen, nach Berlin, das Finale fand auf dem Maifeld statt. Ich denke immer noch gerne daran. Du gewinnst, kommst nach Hause, und die Schulmädchen warten auf dich mit einem Blumenstrauß in der Hand.

Frage: War das schon der schönste Moment in Ihrer Karriere?

Frontzeck: Nein, mein erstes richtiges Profijahr 1983/1984 war sicherlich das schönste, als der Traum, auf dem Bökelberg zu spielen, wahr wurde. Wir spielten oben mit und kamen ins Endspiel des DFB-Pokals. Gegen Werder Bremen haben wir im Halbfinale zu Hause 5:4 nach Verlängerung gewonnen. Besser kann ein erstes Jahr kaum laufen.

Frage: Muss man als Junge aus Gladbach, der bei der Borussia spielt, in der Stadt noch irgendwo bezahlen?

Frontzeck: Oh ja, bezahlen musst du in Deutschland immer, das ist nicht wie in Italien. Als junger Mensch neigst du trotzdem dazu, die Bodenhaftung zu verlieren. Ich habe aber ein solides Umfeld und nie vergessen, wo ich herkomme. Außerdem bekam ich von meinem Trainer Jupp Heynckes den einen oder anderen Klaps.

Frage: Heute ist Heynckes (Leverkusen-Trainer, Anm. d. Red.) Ihr Kollege. Dürfen Sie ihn duzen?

Frontzeck: Ja, aber das fiel mir ziemlich schwer. Damals war er eine absolute Autoritätsperson für mich, lange Gespräche hat es nicht gegeben. Wie überhaupt die Distanz zwischen Spielern und Trainer viel größer war als heute. 2006 kam er dann als Gladbach-Trainer zum Spiel nach Aachen, wo ich gerade angefangen hatte. Da habe ich zum ersten Mal zaghaft "Jupp" zu ihm gesagt.

Frage: Jetzt haben Sie ihren Lehrmeister beim 6:3-Sieg in Leverkusen geradezu vorgeführt.

Frontzeck: Das war ein außergewöhnlicher Tag für uns. Wir haben das gebracht, was bei uns möglich ist. Es hat alles gepasst.

Frage: Welche Mannschaft ist in puncto Geschlossenheit ein Vorbild?

Frontzeck: Am meisten imponiert mir da der FC Barcelona. Iniesta, Xavi - und mittendrin der kleine Lionel Messi. Wenn der Gegner Pech hat, kommt er anderthalb Stunden nicht an den Ball.

Frage: Bei Messi fällt auf, dass er ausschließlich als Fußballer wahrgenommen werden will.

Frontzeck: Ja, das unterscheidet ihn zum Beispiel von einem wie Cristiano Ronaldo. Wenn ich diese John-Wayne-Freistöße sehe. Am liebsten würde er sich dabei noch auf dem Videowürfel betrachten wie in einem Spiegel.

Frage: Was würden Sie als Trainer zu solch einem Spieler sagen?

Frontzeck: Das Ärgerliche ist ja, dass er trifft. Trotzdem mag ich Spieler lieber, für die nur der Fußball zählt. Deshalb gefällt mir auch die aktuelle deutsche Nationalelf so gut.

Frage: Sind mit Mönchengladbach in absehbarer Zeit Titel möglich?

Frontzeck: Planbar sind sie nicht, mit etwas Glück aber möglich - im Pokal. Wir sind weit weg davon, seriös von der Meisterschaft reden zu können.

Frage: Erklären Sie es uns in Ruhe: Welche Ziele sind denn realistisch?

Frontzeck: Es ist vollkommen klar, dass neun Clubs für uns finanziell nicht zu erreichen sind. Für uns ist es ein Erfolg, dass es in den vergangenen zehn Jahren gelungen ist, ein neues Fundament zu legen. Mit dem neuen Stadion, dem Trainingsgelände und unserem Nachwuchsinternat haben wir fantastische Möglichkeiten, die Strukturen im Verein sind geordnet. Wirtschaftlich ist der Club absolut gesund.

Frage: Woran machen Sie den Fortschritt noch fest?

Frontzeck: Wir mussten zum ersten Mal vor Beginn dieser Saison keine Leistungsträger abgeben, sondern konnten sie sogar langfristig binden und haben es geschafft, ein Team aufzubauen, mit dem wir eventuell den Anschluss wiederherstellen können. Aber jetzt davon zu sprechen, wir könnten Stuttgart oder den Hamburger SV wegdrücken, ist nicht nur lächerlich, sondern schon böswillig.

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Magazin für Fußball-Kultur

Nr. 106 - September 2010

Zur Person Michael Frontzeck

Getty Images
Michael Frontzeck spielte zwischen 1982 und 2000 in der ersten Bundesliga für Borussia Mönchengladbach (1982 bis 1989, 1995/1996 und 1998/1999), den VfB Stuttgart, den VfL Bochum und den SC Freiburg. Insgesamt absolvierte Frontzeck 436 Bundesligaspiele - meist als linker Verteidiger - und schoss 37 Tore. In der Saison 1991/1992 gewann er mit dem VfB Stuttgart die Deutsche Meisterschaft. Von 1995 bis 1997 spielte Frontzeck zudem beim englischen Club Manchester City. 19 Mal lief er für die deutsche Nationalmannschaft auf.

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