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07.09.2010
 

Chancenloser Gomez

Schützenfest ohne Mario

Von Jan Reschke

Fotostrecke: Klose auf dem Thron, Gomez auf der Bank
Fotos
dpa

Die Fans erwarten beim EM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan einen hohen Sieg der deutschen Nationalelf. Doch Mario Gomez muss wie bei den Bayern auf der Bank zusehen, wie Miroslav Klose stürmt. Der frühere Stuttgarter passt bei beiden Teams nicht ins System.

Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Abend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in der EM-Qualifikation auf Aserbaidschan trifft, erwarten die Fans vor allem eines: Tore, Tore, Tore. Zwar mischen sich die üblichen Phrasen wie "Es gibt keine kleinen Gegner mehr" in die Beschreibung der Ausgangslage, letztlich geht es aber doch nur um die Höhe des Sieges.

Zuständig fürs Toreschießen sind in der deutschen Nationalmannschaft vor allem die Stürmer Miroslav Klose und Mario Gomez vom FC Bayern, zuletzt noch der Stuttgarter Cacau. Eigentlich. Doch die beiden Münchner Angreifer haben eine äußerst gegensätzliche Entwicklung hinter sich. Als Gomez zur Saison 2009/2010 für rund 30 Millionen Euro zu den Bayern wechselte, galt er als Versprechen auf die Zukunft. Einer, der Tore garantiert, der nicht an sich zweifelt und vor allem körperlich eine enorme Präsenz auf den Platz bringt.

In München traf er auf einen Klose, der das genaue Gegenteil von ihm war. Körperlich nach einer Knochenhautentzündung in einem Loch, wenig torgefährlich, an sich selbst zweifelnd. Einer, von dem man erwartete, dass er seine Karriere im Anschluss an die Saison bei einem mittelklassigen Bundesliga-Club würde ausklingen lassen. Zwar immer noch gut - aber nicht mehr stark genug für die ganz großen Aufgaben. Auch in der Nationalmannschaft deutete sich über kurz oder lang ein Stabwechsel an, Gomez lief in dieser Zeit für Klose in der Spitze auf.

Doch alles kam anders.

Sowohl in der Nationalmannschaft als auch im Verein ist Klose derzeit die unumstrittene Nummer eins im Angriff. Seine vier Treffer bei der Weltmeisterschaft in Südafrika und sein Tor beim 1:0-Sieg im ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien haben die Entscheidung für Bundestrainer Joachim Löw leicht gemacht.

Auch unter seinem Vereinstrainer Louis van Gaal hat sich Klose als Nummer eins in der Spitze etabliert. In beiden Bundesliga-Partien der aktuellen Saison stand Klose beim Anpfiff auf dem Platz. Er profitiert vom Ausfall Arjen Robbens, denn der ursprünglich als vorderste Spitze vorgesehene Ivica Olic muss den Niederländer auf der rechten Seite vertreten. Für Gomez bleibt nur die Bank. In zwei Bundesliga-Spielen plus DFB-Pokal kam er in der aktuellen Saison zusammengenommen auf 63 Minuten Einsatzzeit.

"Ich habe für meinen Stil jetzt nicht mehr so viel Platz"

Dabei hatte es gut für ihn begonnen: Dekoriert mit 63 Toren in 121 Spielen erschien er aus Stuttgart an der Säbener Straße und erzielte in den ersten fünf Bundesliga-Partien drei Tore für die Münchner. Sein schleichender Niedergang begann mit der kurzfristigen Verpflichtung Robbens. Am vierten Spieltag der Saison 2009/2010 wurde Robben zum ersten Mal nach der Pause eingewechselt, sein erstes Spiel von Beginn an war die Begegnung in Dortmund. Dort wurde Gomez zur Pause trotz eines Tores ausgewechselt. Und fortan meistens nur noch eingewechselt.

Aber warum tut sich Gomez in der Nationalmannschaft und bei Bayern München so schwer? An seinen Qualitäten gibt es keinen Zweifel. Er hat die Klasse eines europäischen Top-Stürmers. Gomez' Problem: Er spielt im falschen System. Sowohl bei Bayern München als auch in der Nationalmannschaft lassen die Trainer mit nur einem zentralen Stürmer im 4-2-3-1-System spielen. Der Bewegungsradius von Gomez ist mit dieser Ausrichtung wesentlich kleiner als in einem 4-4-2-System, wie er es aus seiner Stuttgarter Zeit gewohnt war. Meist hält er sich bei eigenen Angriffen direkt im Strafraum auf und wartet auf Zuspiele.

Gomez braucht für seine athletische, dynamische Spielweise aber viel Platz und Bälle in den Lauf. Er selbst weiß: "Das System ist ein anderes. Ich habe für meinen Stil, für meine Bewegungen jetzt nicht mehr so viel Platz." Auch die Kritik von Philipp Lahm im November 2009 zielte darauf ab: "Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen." Bayern Münchens Ehrenpräsident Franz Beckenbauer bemerkte jüngst: "Er scheint mir beim VfB beweglicher und auch spielfreudiger gewesen zu sein. Das muss er halt lernen und umsetzen."

Klose ist wesentlich spielfreudiger als Gomez

Ein weiteres Problem sind für Gomez seine Mitspieler. Sowohl Podolski und Müller in der Nationalmannschaft auf den offensiven Außenpositionen als auch Franck Ribéry und Robben in München sind allesamt extrem torgefährliche Spieler, die eher selbst den Abschluss suchen, anstatt den Mittelstürmer anzuspielen.

Damit muss zwar auch Klose leben, doch der ist wesentlich spielfreudiger als Gomez. Der wirkt dagegen oft teilnahmslos. Und er ist sich seines Dilemmas bewusst. Hörte man von ihm in der Vergangenheit nur, sich in der Nationalmannschaft und bei Bayern München durchsetzen zu wollen, so hat er sich, als er vor wenigen Tagen vom Interesse Liverpools hörte, "ernsthaft Gedanken" über eine Ausleihe gemacht.

Gegen Aserbaidschan erwartet Bundestrainer Joachim Löw eine Partie, die "ähnlich abläuft wie beim Handball". Die deutsche Nationalelf rund um den Strafraum des Gegners, immer auf der Suche nach der entscheidenden Lücke. Platz wird es kaum geben.

Auch keinen für Gomez.

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Die neuesten Beiträge:
13.10.2011 von krafts:

Auch hier sind wir wieder absolut nicht einer Meinung. Die ganz kleinen Zwerge gibt es bei keiner WM mehr. Das sieht man auch an den Ergebnissen. Kantersiege gibt es keine mehr. Das letzte ganz hohe Ergebnis war, wenn ich mich [...] mehr...

13.10.2011 von Rockker:

Sie vermischen da zwei Sachen.., bzw. bringen unnötig die Politik darein. Also, dass es ein Integrationsproblem draußen besonders in Großstädten in den sogennanten Ghettos gibt, das gibt es. Inzwischen haben es auch die Grünen [...] mehr...

13.10.2011 von proudwings:

Kroatien, Irland und Tschechien werden das EM-Teilnehmerfeld vervollständigen. Nur bei Bosnien-H. - Portugal fällt die Prognose schwer. Ich tippe mal auf Dzeko & Co., die waren gegen die Franzosen schon ganz nah dran. mehr...

13.10.2011 von Rockker:

Doch, das EM-Turnier wird interessanter werden und ich würde sagen, vielleicht einen Tick schwieriger. Denn, so krasse Aussenseiter wie bei einer WM, wo es immer so Teams wie Jamaica, Trinidad & Tobago, etc..gibt, wird es [...] mehr...

13.10.2011 von trademark:

Stimmt Götze spielt ja nie für die deutsche NM und daran ist nur Özil Schuld, oder? Hach nein stimmt ja gar nicht er spielt.. Und sei meinen den Schürrle, der beim letzten Spiel zusammen mit Özil gespielt hat? ---Zitat--- [...] mehr...

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Höchste DFB-Siege in der EM-Qualifikation
Datum Gegner Ergebnis
06.09.2006 San Marino 13:0
28.02.1976 Malta 8:0
27.02.1980 Malta 8:0
08.04.1967 Albanien 6:0
02.06.2007 San Marino 6:0
07.09.2010 Aserbaidschan 6:1
08.10.1995 Moldawien 6:1
04.06.1999 Moldawien 6:1
17.10.1979 Wales 5:1
26.10.1983 Türkei 5:1

Kader gegen Belgien und Aserbaidschan

Getty Images
Tor: Neuer (S04), Adler (LEV) und Wiese (BRE)
Abwehr: Badstuber (FCB), Jansen (HSV), Lahm (FCB), Mertesacker (BRE), Riether (WOB) und Westermann (HSV)
Mittelfeld: Khedira (MAD), Kroos (FCB), Marin (BRE), Müller (FCB), Özil (MAD), Schweinsteiger (FCB) und Träsch (STU)
Angriff: Cacau (STU), Gomez (FCB), Klose (FCB), Kießling (LEV) und Podolski (KÖL)

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