Von Daniel Theweleit, Köln
Es gibt Phrasen im Fußball, die sind so abgedroschen, dass sie - so wahr sie auch sein mögen - in der Versenkung verschwunden sind. Zum Glück. "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze", ist so eine Aussage, oder: "Fußball ist ein Tagesgeschäft." Als Berti Vogts noch Bundestrainer war, hieß es immer wieder, dass es "keine Kleinen mehr gibt". Über viele Jahre wurde diese These von der Nationalmannschaft mit furchtbaren Länderspielen gegen Albanien, Malta, Wales oder die Färöer bestätigt.
Spätestens nach dem sehr ansehnlichen 6:1-Sieg der Deutschen gegen Aserbaidschan ist es an der Zeit, die Theorie vom Verschwinden der Kleinen zu revidieren. Auch Vogts hat das erkannt. "Das war eine andere Liga", sagte der heutige Trainer von Aserbaidschan. Kleiner kann man sich kaum machen.
Diese deutsche Mannschaft war einfach übermächtig, und das hat viel mit den Errungenschaften des Jahres 2010 zu tun. Das Team sucht in jeder Partie von der ersten bis zur letzten Minute spielerische Lösungen. Es verlässt sich nicht auf individuelle Überlegenheit, auf mehr Routine oder auf die stärkere Physis. Es sind vielmehr Begriffe wie "enorme Kombinationssicherheit", "Spaß" und "Spielfreude", die Joachim Löw verwendete, um diesen schön anzusehenden Sieg zu beschreiben.
Die besagten Kleinen hatten zuletzt ja vor allem deshalb aufgeholt, weil sie in der Lage sind, sich defensiv zu sortieren, und weil solche Elf-Mann-Bollwerke auch sehr stark besetzten Teams gehörig auf die Nerven gehen können. Das passende Gegenmittel ist das rasante Kombinationsspiel, das die deutsche Mannschaft zu ihrem Stil gemacht hat. "Ich bin sehr zufrieden, weil wir unsere Möglichkeiten über die Spielfreude bekommen haben und auch nach dem 3:0 nicht nachgelassen haben", verkündete der Bundestrainer.
Skeptiker hatten ja befürchtet, die rauschhaften Momente des WM-Sommers seien nicht konservierbar, und vielleicht zweifelten auch einige Spieler daran, dass es einfach immer so weiter geht. Am Dienstagabend stellte Kapitän Philipp Lahm zufrieden fest: "Wir haben den Spielwitz von Südafrika mitgenommen." Löw hat eine Mannschaft beisammen, die den beneidenswert gut eingespielten spanischen Welt- und Europameistern sehr bald ebenbürtig sein könnte.
Besonders die sechs Spieler vor der erneut umgebauten Viererkette verstehen sich inzwischen blind. Selten gab es in einer Nationalmannschaft eine so klar gesetzte Stammoffensive, die auch nach einem Turnier unverändert weitermachen darf. Auf der Kippe stand aus diesem Sextett zuletzt nur Lukas Podolski, gegen Aserbaidschan war der Kölner jedoch der agilste. Er sprintete unermüdlich die Linie entlang, riss das Team in der etwas trägen Anfangsphase mit, erzielte ein Tor und bereitete ein weiteres vor. "Jeder hat gesehen, dass Lukas eine andere Dynamik gezeigt hat", lobte Löw.
Dass der unglaubliche Thomas Müller sich mal ein etwas schwächeres Spiel erlaubte, wurde vom Rest der Mannschaft mit Leichtigkeit kaschiert, und weil mit Toni Kroos, Marko Marin, aber auch mit dem genesenen Simon Rolfes Spieler vorhanden sind, die Ausfälle und individuelle Formkrisen kompensieren können, ist die Zuversicht groß. "Wir wollen alle Spiele gewinnen", sagte Löw mit Blick auf die Qualifikation.
Zeichen von Ballacks Zugehörigkeit blieb aus
Nur Michael Ballack war auch an diesem Abend ein Thema, das den Trainer ein wenig zu nerven schien. Löw hatte eigentlich erwartet, dass der Kapitän die 50 Kilometer von seinem Wohnhaus ins Stadion fahren würde, um sich die Partie anzusehen - als Zeichen seiner Zugehörigkeit. Doch Ballack war nicht gekommen, der Boulevard wertete das als weiteres Symptom der Kluft zwischen der Mannschaft und ihrem Kapitän, der einfach nicht mehr so richtig gebraucht wird.
Kaum zu ersetzen scheint derzeit eigentlich nur Miroslav Klose, dem nach seinem Siegtor von Brüssel in Köln zwei weitere Treffer gelangen. Die WM hat diese Mannschaft verwandelt, besonders aber hat sie Klose zu einem anderen Fußballer gemacht. "Auch nach diesem Spiel muss ich sagen, da ist noch Luft nach oben", erklärte der Stürmer, die "vielen jungen Spieler" müssten nun "auf den nächsten Level kommen". Die Konkurrenz darf sich fürchten vor dem Potential dieser Mannschaft.
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Auch hier sind wir wieder absolut nicht einer Meinung. Die ganz kleinen Zwerge gibt es bei keiner WM mehr. Das sieht man auch an den Ergebnissen. Kantersiege gibt es keine mehr. Das letzte ganz hohe Ergebnis war, wenn ich mich [...] mehr...
Sie vermischen da zwei Sachen.., bzw. bringen unnötig die Politik darein. Also, dass es ein Integrationsproblem draußen besonders in Großstädten in den sogennanten Ghettos gibt, das gibt es. Inzwischen haben es auch die Grünen [...] mehr...
Kroatien, Irland und Tschechien werden das EM-Teilnehmerfeld vervollständigen. Nur bei Bosnien-H. - Portugal fällt die Prognose schwer. Ich tippe mal auf Dzeko & Co., die waren gegen die Franzosen schon ganz nah dran. mehr...
Doch, das EM-Turnier wird interessanter werden und ich würde sagen, vielleicht einen Tick schwieriger. Denn, so krasse Aussenseiter wie bei einer WM, wo es immer so Teams wie Jamaica, Trinidad & Tobago, etc..gibt, wird es [...] mehr...
Stimmt Götze spielt ja nie für die deutsche NM und daran ist nur Özil Schuld, oder? Hach nein stimmt ja gar nicht er spielt.. Und sei meinen den Schürrle, der beim letzten Spiel zusammen mit Özil gespielt hat? ---Zitat--- [...] mehr...
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