Von Benjamin Schulz
Was war vor dem Spiel des FC Schalke bei 1899 Hoffenheim nicht alles über den neuen Schalker Traumsturm geredet worden: Raúl und Klaas-Jan Huntelaar standen erstmals zusammen in der Mannschaft. Das allein, so schien es, sollte genügen, um Schalke die ersten Punkte der Saison zu bringen.
Es entbehrt daher nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet ein Hoffenheimer Abwehrspieler, der Raúl und Huntelaar erfolgreich am Toreschießen hinderte, den ersten Treffer beim 2:0 (1:0)-Sieg erzielte. Innenverteidiger Isaac Vorsah traf auf Vorlage seines Abwehrkollegen Andreas Beck (37.). Ein Eigentor von Schalkes Torwart Manuel Neuer nach einem Freistoß von Sejad Salihovic (90.+3) markierte den Endstand.
"In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt, so dass unsere Führung trotz der insgesamt besseren Chancen vielleicht auch glücklich war. In der zweiten Hälfte haben wir uns aber den Sieg verdient", sagte Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick.
Der vielgepriesene Schalker Sturm schien in der Anfangsphase die Millioneninvestitionen in ihn rechtfertigen zu wollen. Schalke begann aggressiv, Hoffenheim kam mit dem Pressing der Gäste zunächst nicht zurecht. Bereits in der zweiten Minute hatte Raúl die Chance zur Gästeführung, doch der Spanier verfehlte knapp das Tor.
Sieben Minuten später hätte der Niederländer Huntelaar bei seinem Debüt für die Königsblauen einen Traumeinstand feiern können. Der 14-Millionen-Euro-Zugang vom AC Mailand, der zwei Tage nach seiner offiziellen Vorstellung von Trainer Magath gleich in der Startelf aufgeboten wurde, verpasste allerdings aus acht Metern das Tor.
Metzelder schwach in der Schalker Abwehr
Schalke war feldüberlegen - das war aber auch notwendig. Denn die Gelsenkirchener Abwehr, die in der vergangenen Saison noch zusammen mit dem FC Bayern die wenigsten Gegentreffer der Liga zugelassen hatte, war alles andere als sicher. Besonders Christoph Metzelder war eine Schwachstelle der Schalker Defensive.
In der Folge wurde Metzelder, der zur Halbzeit für Joel Matip ausgewechselt wurde, entlastet, weil Schalke mehr Druck machte. Doch die besseren Chancen hatte die Heimelf. In der 26. Minute scheiterte Ibisevic an Nationaltorhüter Neuer. Fünf Minuten später landete ein Abpraller nach einem schlechten Abstoß Neuers direkt im Lauf von Ibisevic. Der legte sich den Ball zu weit vor, Neuer kam nicht heraus, hielt dann aber gegen den Hoffenheimer Stürmer gut.
Die Stürmer vergaben reihenweise Großchancen - ein Innenverteidiger machte es besser: In der 37. Minute führte Andreas Beck eine Ecke kurz aus, bekam den Ball von Tobias Weis zurück und flankte. Vorsah, der ungedeckt am Fünfmeterraum stand, köpfte in die rechte Ecke. Für Vorsah war es der zweite Saisontreffer.
Hoffenheimer Leistungssteigerung nach der Pause
In der zweiten Halbzeit sahen die 30.150 Zuschauer eine verwandelte Hoffenheimer Mannschaft. Bereits zwei Minuten nach Wiederanpfiff jubelten die Gastgeber. Doch Sejad Salihovic stand bei seinem Tor knapp im Abseits. In der 58. Minute machte der starke Ibisevic bei einem Konter einen Haken zu viel - sein Schuss ging am linken Pfosten vorbei.
Eine Minute später hätte Huntelaar bei seinem Debüt für Schalke fast seinen ersten Treffer erzielt. Seinen Kopfball im Fünfmeterraum lenkte Hoffenheims Torwart Tom Starke an die Latte. In der 62. Minute scheiterte Huntelaar mit einem Schuss erneut an Starke. Dann setzte sich Christoph Moritz gegen zwei Hoffenheimer durch, sein Schuss vom Strafraumeck ging am langen Pfosten vorbei (65.).
Erst gegen Mitte der zweiten Halbzeit befreite sich Hoffenheim vom Schalker Druck. Ibisevic vergab frei vor Neuer (71.), zwei Minuten später blockte Zugang Nicolas Plestan einen Schuss von Ba ab. In der 82. Minute schoss der kurz zuvor für Mlapa eingewechselte Boris Vukcevic bei einem Konter selbst aufs Tor, anstatt auf den frei vor Neuer stehenden Ibisevic querzulegen. Schalke hatte in der Schlussphase keine klaren Chancen mehr, Neuer verhinderte bei einem Distanzschuss von Luiz Gustavo eine höhere Niederlage (89.).
In der Nachspielzeit wurde der Nationaltorwart aber doch noch einmal bezwungen. Ein Freistoß von Salihovic prallte vom Pfosten an Neuers Brust und von dort ins Netz. Schalke-Trainer Magath zeigte sich nach dem Spiel gefasst: "Wir haben eine gute Partie gezeigt, aber leider Tore durch zwei Standardsituationen bekommen. Das ist bedauerlich, kann aber passieren." Huntelaar betonte nach dem ersten Spiel für seinen neuen Club die ordentliche Schalker Leistung: "Wir haben gekämpft und ein gutes Spiel gemacht. Wir müssen weiter hart arbeiten."
Hoffenheim gewann sein drittes Spiel in Folge. Bei Schalke - zwei Tore in drei Spielen, null Punkte - passen Realität und Traum(sturm) noch nicht recht zusammen.
1899 Hoffenheim - Schalke 04 2:0 (1:0)
1:0 Vorsah (37.)
2:0 Neuer (90.+3, Eigentor)
Hoffenheim: Starke - Beck, Vorsah, Simunic, Compper - Gustavo - Weis (89. Rudy), Salihovic - Mlapa (68. Vukcevic), Ibisevic, Ba (77. Sigurdsson)
Schalke: Neuer - Metzelder (46. Matip), Höwedes, Plestan, Sarpei - Jones - Moritz, Rakitic (79. Jurado) - Raúl - Huntelaar, Edu (46. Baumjohann)
Schiedsrichter: Brych
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Mlapa - Jones
Mit Material des sid
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