
Vincente del Bosque auf den Schultern seiner Spielern: "Großartiges geleistet"
Madrid - Sie lagen sich in den Armen, tanzten vor Freude und weinten vor Glück: Die Stunden nach dem Champions-League-Triumph über den spanischen Rivalen FC Valencia gerieten für Real Madrid zur gigantischen Versöhnungsparty. Längst waren Valencias Profis nach der 0:3-Demütigung in die Umkleidekabine geflüchtet, längst hatten ihre 25.000 mitgereisten Fans den Heimweg angetreten, da feierte das Starensemble der "Königlichen" mit seinen 30.000 siegestrunkenen Anhängern im Stade de France von Paris noch immer ausgelassen einen der bedeutendsten Erfolge der 98-jährigen Vereinsgeschichte.
"Ich weiß, was dieser Erfolg für Madrid bedeutet, für die mitgereisten Fans und für die Millionen, die nicht hier sein konnten. Wir haben in dieser Saison die Erwartungen nicht erfüllt, aber wir haben sie großartig beendet", bilanzierte der vom Übergangstrainer zum Erfolgscoach aufgestiegene Vicente del Bosque mit feuchten Augen. Stürmerstar Raúl stellte mit Genugtuung fest: "Nach alledem, was wir in diesem Jahr durchlitten haben, ist dieser Sieg der schönste Lohn. Wir haben heute Großartiges geleistet."
In der Tat zeigte der spanische Rekordmeister bei seiner allerletzten Chance, eine desaströse Saison abzuwenden, jene sportliche Größe und spielerische Klasse, die er in der abgelaufenen Spielrunde so oft vermissen ließ. "Real Madrid war in der Lage, von Beginn an das Spiel und den Ball zu kontrollieren. Unsere Überlegenheit im Mittelfeld war ausschlaggebend", analysierte del Bosque treffend. Der 49-jährige bisherige Nachwuchstrainer hatte das Traineramt im vergangenen November nach der Entlassung des Walisers John Toshack übernommen und wieder Ruhe ins Team gebracht. Für ihn war die Nacht in Paris nicht nur der größte Erfolg, sondern auch eine späte Genugtuung: 19 Jahre zuvor hatte er als Spieler ebenfalls in Paris das Finale um den Europapokal der Landesmeister gegen den FC Liverpool verloren.
"Wir liefen einfach nur ins Leere"
Dagegen versagten dem Überraschungs-Finalisten aus Valencia die Nerven. Der verkrampfte und verängstigte Auftritt der "Fledermäuse", die eher wie Kaninchen vor der Schlange anmuteten, erinnerte frappierend an das klägliche Meisterschaftsfinale von Bayer Leverkusen in Unterhaching. "Ich weiß nicht, was passiert ist. Wir waren mit dem Kopf nicht bei der Sache, die Beine wollten auch nicht - wir liefen einfach nur ins Leere", stammelte der französische Verteidiger Jocelyn Angloma. Nicht einmal über die Höhe der Niederlage nach den Toren von Fernando Morientes (39.), des spielfreudigen Engländers Steve McManaman (67) und von Raúl (75.) durfte sich Valencia beschweren.
"Diese Niederlage tut uns allen sehr, sehr weh. Ich würde mein Leben geben für eine neue Chance", sagte Valencias Trainer Héctor Cuper. Dabei war es für den Argentinier bereits die dritte Möglichkeit binnen zwei Jahren auf einen Titel, die mit einer Niederlage endete. Mit Real Mallorca hatte er im Vorjahr das Finale um den Europapokal der Pokalsieger und das spanische Pokalfinale verloren.
Am Ende seines ersten Jahres in Valencia steht er nun erneut mit leeren Händen da, obwohl seine Mannschaft - eine weitere Parallele zu Leverkusen - in der nationalen Liga den attraktivsten Fußball zelebriert hatte. Nun aber droht dieses Team auseinander zu brechen: Stürmerstar Claudio Lopez wechselt für 40 Millionen Mark zu Lazio Rom, die Mittelfeldspieler Farinós und Gerard stehen offenbar ebenfalls mit italienischen Clubs in Verbindung.
Dagegen herrschen bei Real Madrid keine Auflösungserscheinungen. Durch den achten Sieg im Wettbewerb der Landesmeister darf der krisengeschüttelte Hauptstadtverein weiter in der Champions League spielen, nachdem die "Königlichen" als Fünfter der Primera Division die Qualifikation verpasst hatten. Rund 700.000 Mark pro Kopf schüttet Vereinschef Lorenzo Sanz aus, etwa 70 Millionen Mark hat er in dieser Saison in der "Königsklasse" eingenommen.
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