24. Februar 2009, 09:31 Uhr

Fußball und Finanzkrise

Ein Bargeldbote für Fabregas

Von Philipp Köster

Wenn Fußballer Geld brauchen oder zu viel davon haben, geschehen seltsame Dinge. Das Magazin "11 FREUNDE" über streikende Spieler, einen Fußball-Millionär mit finanziellem Engpass und einen Club, der seine Stadt beim Verkauf des Trainingsgeländes über den Tisch zog.

Dies ist die Fortsetzung des "11 FREUNDE"-Finanzrankings. Wenn Sie den ersten Teil lesen wollen, klicken Sie hier.

Fußballmillionär Fabregas: Kurzfristiger finanzieller Engpass
Getty Images

Fußballmillionär Fabregas: Kurzfristiger finanzieller Engpass

Eine kleine finanzielle Krise erlebte Cesc Fabregas neulich im Londoner Vergnügungsviertel Soho. Der Arsenal-Star dinierte mit zwei Damen im "Studio Valbonne" und wollte hinterher die Rechnung von über 300 Pfund begleichen. Die erste Kreditkarte funktionierte nicht, die zweite ebenfalls nicht. Sein Berater musste Bargeld holen. Es dürfte noch genug da gewesen sein: Das Gehalt des spanischen Nationalspielers bei Arsenal wird auf 80.000 Pfund in der Woche taxiert.

Kuh als Retterin

Eine Kuh rettete den spanischen Amateurclub Amoeiro aus einer Finanzkrise. Der Club hatte sein Spielfeld in 6000 Quadrate aufgeteilt, Anhänger konnten Lose für jede Parzelle erwerben, als Preis war ein Auto ausgelobt worden. Kuh Rubia marschierte vor 2000 Zuschauern über den Platz und machte einen Haufen. Leider auf einem Parzellenkreuz, der Gewinner musste via GPS-Navigation benannt werden. Einnahmen: 30.000 Euro.

Man sollte es sich zweimal überlegen, in bankrotte Clubs zu investieren. So steckte der britische Schauspieler Bruce Jones, einst der etwas trottelige Les Battersby in der Soap "Coronation Street" zwischen 20.000 und 30.000 Pfund in den walisischen Amateurclub Conwy United FC. Das Geld war natürlich futsch, was nur deshalb nicht auffiel, weil Jones bei all seinen Investitionen insgesamt über eine Million Pfund losgeworden war.

Wir sind Lazio

Lazio Rom: Hingebungsvolles Personal
DPA

Lazio Rom: Hingebungsvolles Personal

Als der italienische Erstliga-Club Lazio Rom 2004 turnusmäßig von der Pleite bedroht war, waren es weder solvente Geschäftsleute noch engagierte Anhänger, die den ersten Schritt zur Rettung unternahmen, sondern tatsächlich die Spieler. Die Profis boten an, sich an einer Kapitalaufstockung für 1,5 Millionen Euro zu beteiligen und sogar auf ausstehende Monatsgehälter zu verzichten, im Tausch gegen Clubaktien.

Ausbleibende Gehälter sind prinzipiell kein gutes Zeichen. So traten die Spieler von Union Deportiva Levante, nachdem sie monatelang auf ihr Gehalt gewartet hatten, in einen Bummelstreik und brachen das Training nach einer Platzrunde ab. Später drohten sie, bei Meister Real Madrid nur mit sieben Spielern aufzulaufen, während des Spiels hätte dann ein weiterer Spieler eine Verletzung vorgetäuscht, was dann zum Abbruch der Partie geführt hätte. Erst in letzter Minute wurden Abschlagszahlungen vereinbart.

Millionen für Madrid

Ex-Real-Präsident Pérez: Gutes Geschäft
AFP

Ex-Real-Präsident Pérez: Gutes Geschäft

Wie man sich über Nacht komplett entschuldet, machte Real Madrid 2005 vor. Präsident Florentino Pérez verhökerte sein Trainingsgelände für die unglaubliche Summe von 450 Millionen Euro an die Stadtverwaltung. Eine völlig überhöhte Summe und deshalb ein Jahrhundert-Deal für Real, das das Gelände selbstverständlich weiter nutzen darf.

Selten wurde ein Verein so planmäßig abgewirtschaftet wie Dynamo Dresden in den Neunzigern durch Baulöwe Rolf-Jürgen Otto. Der schob Unsummen zwischen den Baufirmen und Dynamo hin und her. So ließ er fünf Millionen Mark Baugelder überweisen, überzeugte so den DFB von der Zahlungsfähigkeit des Clubs, um das Geld postwendend wieder zurück zu überweisen. Seine Wahl zum Präsident hatte sich Otto gesichert, indem er Mitarbeiter der Baufirmen großzügig mit Mitgliedsausweisen ausstattete.

Wen interessiert das Haushaltsrecht?

Fritz-Walter-Stadion: Vom Land verkauft, von der Stadt erworben
Getty Images

Fritz-Walter-Stadion: Vom Land verkauft, von der Stadt erworben

In Kaiserslautern war man 2003 nicht weniger geschickt. Dort stand der FCK kurz vor der Pleite, also wurde unter Führung von Ministerpräsident Kurt Beck das Fritz-Walter-Stadion verkauft. Es wurde eine Stadiongesellschaft gegründet, die das Rund für 56 Millionen Euro erwarb. Einziger Gesellschafter: die Stadt Kaiserslautern. Später gestand der Innenminister: "Das war gegen das Haushaltsrecht." War dann aber auch egal.

Wenn schon nicht für Hollywood, so immerhin für Bollywood taugt die Finanzkrise als Filmstoff. In "Dhan Dhana Dhan: Goal" ist der Fußballclub Southall United so gut wie bankrott. Und ein zusammengewürfeltes Team aus Immigranten aus Indien, Pakistan und Bangladesch muss zur Rettung die Meisterschaft gewinnen. "Die Bären sind los" für Arme und ein Komplettflop an den Kinokassen.

Gordon, Retter der Armen

Britischer Premier Brown: Sponsorensuche für den Heimatverein
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Britischer Premier Brown: Sponsorensuche für den Heimatverein

Wie die Rettung eines Vereins funktioniert, zeigte Gordon Brown, inzwischen britischer Premierminister. 2005 stand sein Heimatverein, der unspektakuläre schottische Club Raith Rovers, vor dem Bankrott, Brown schaffte mehrere Sponsoren heran. Was niemanden überraschen konnte, der im Jahre 2000 sein Bekenntnis in der englischen Sonntagszeitung "Observer" gelesen hatte: "I'm a firm believer that supporting your local team is very important."

Zahlreiche renommierte Clubs standen schon kurz vor dem Bankrott. Der FC Barcelona etwa wäre 1911 fast pleite gegangen. Manchester United war auch nicht immer so gut situiert. 1931 kickte United in der Second Division, zum ersten Spiel gegen Southampton kamen gerade mal 3507 zahlende Zuschauer ins Old Trafford. United konnte daraufhin die Gehälter der Spieler nicht zahlen. Schließlich wurde der Club von James Gibson, einem Hersteller von Armee-Uniformen, gerettet. Gibson war von 1931-1951 Clubvorsitzender.

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