10. Juni 2009, 16:24 Uhr

Kurzpässe

Doll in die Türkei, Matthäus nach Ungarn

Joachim Löw sieht in den zahlreichen Trainerwechseln der Bundesliga ein "verheerendes Signal". Thomas Doll hat einen neuen Arbeitgeber in der Türkei gefunden, Lothar Matthäus in Ungarn. Südafrikas U20-Torhüter hat eine besondere Protestform entwickelt.

Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw hat das Trainer-Hopping in der Bundesliga kritisiert. "Es kann nicht sein, dass man bei einem besseren Angebot sofort den Club wechselt. Das halte ich für eine gefährliche Entwicklung. Es muss Werte und Regeln geben, an die man sich hält", sagte der 49-Jährige im Interview mit dem "Express". Als "fragwürdig" bezeichnete Löw zudem die Tendenz, dass in den Trainer-Verträgen immer häufiger Ausstiegsklauseln zu finden seien. Diese halte er "für falsch, die Clubs haben überhaupt keine Planungssicherheit mehr. Außerdem ist das Signal, das nach außen gesendet wird, verheerend.

Dass Felix Magath, Martin Jol, Bruno Labbadia oder Christoph Daum jüngst trotz noch laufender Verträge einen Wechsel forciert hatten, hält Löw mit Blick auf die Moralvorstellungen der Spieler für gefährlich. "Als Trainer muss man vorangehen. Ich kann doch den Spielern nicht sagen, dass sie zu ihrem Wort stehen müssen, wenn ich es nicht selbst vorlebe. Ich erwarte schließlich auch von den Spielern, dass sie zu ihrem Wort und ihren Verträgen stehen", sagte Löw - und fragte: "Wo bleibt da die Identifikation mit dem Verein, seinen Fans und dem Umfeld?"

Derweil kritisierte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff den Berater von DFB-Kapitän Michael Ballack. Bierhoffs Vorwurf: Der Rechtsanwalt Michael Becker lanciere bewusst Interviews mit seinem Schützling. "Ich habe das Gefühl, dass er immer wieder angestachelt wird. Dass solche inszenierten Interviews vor so einer Reise stattfinden, gehört offenbar zu der Arbeitsweise seines Beraters", sagte Bierhoff mit Blick auf ein "FAZ"-Interview kurz vor der Asien-Reise der Nationalmannschaft, in dem Ballack erneut über die Folgen der Ohrfeigen-Affäre mit Lukas Podolski spekuliert hatte.

Michael Fink wechselt von Eintracht Frankfurt zum türkischen Meister Besiktas Istanbul. Wie der türkische Traditionsclub am Mittwoch mitteilte, erhält der Mittelfeldspieler am Bosporus einen Dreijahresvertrag bis zum 30. Juni 2012. Fink spielte die vergangenen drei Jahre in Frankfurt und kam in der abgelaufenen Saison auf 32 Einsätze, in denen er fünf Treffer erzielte. Ein Angebot auf Vertragsverlängerung bei der Eintracht hatte der 27-Jährige abgelehnt.

Thomas Doll übernimmt 13 Monate nach seinem Rücktritt als Trainer von Borussia Dortmund den türkischen Erstligisten Genclerbirligi. Dies verkündete der Club aus Ankara, der die vergangene Saison auf dem 14. Tabellenplatz abgeschlossen hat, auf seiner Internet-Seite. "Der Verein ist sich mit dem deutschen Trainer Thomas Doll einig. Er hat unsere Anlagen besichtigt und großen Gefallen daran gefunden. Wir erwarten ihn am Donnerstag zur Vertragsunterschrift", hieß es in der offiziellen Mitteilung. Nach SID-Informationen soll Doll einen Zweijahresvertrag mit einer Option auf ein weiteres Jahr erhalten.

Der ungarische Erstligist FC Fehérvár hat auf seiner Internetseite die Verpflichtung von Lothar Matthäus als Trainer bekanntgegeben. Der Rekordnationalspieler soll am 19. Juni einen Vertrag über zwei Jahre mit einem weiteren Jahr Option unterschreiben. Der 48-Jährige hatte zuletzt den israelischen Erstligisten Maccabi Netanya trainiert und war auch bei Zweitliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf als Sportdirektor im Gespräch.

Innenverteidiger Bastian Reinhardt will beim Hamburger SV bleiben. Der 33-Jährige bereut es, das Vertragsangebot über zwei Jahre plus einer dreijährigen Folgetätigkeit abgelehnt zu haben. "Ich hätte das Angebot annehmen sollen", sagte Reinhardt, der auf Mallorca Flitterwochen verbringt, dem "Hamburger Abendblatt".

Er sei zu stolz gewesen, nach sechs Jahren die neue HSV-Offerte anzunehmen, weil er nach der Prämienregelung in Zukunft weniger verdienen sollte. "Mein Stolz war verletzt und verbot mir, das Angebot anzunehmen." Die alternativen Angebote aus Wolfsburg und Hoffenheim haben sich allerdings erledigt, und Reinhardt hofft auf einen Verbleib in der Hansestadt. "Mein Berater hat erfahren, dass ein Hintertürchen offen ist."

Aus Verärgerung über ein als ungerecht empfundenen Elfmeter hat sich der Torwart der südafrikanischen U-20-Nationalmannschaft, Inthema, geweigert, den Strafstoß zu halten. Als sich der uruguayische Spieler Jonathan Charquero den Ball zum Schuss bereit legte, stapfte Inthema beleidigt zum rechten Pfosten und stellte sich demonstrativ außerhalb des Tores auf. Charquero ließ das Leder dann bei dem Freundschaftsspiel am Dienstag in Montevideo mit einem nur leichten Schuss mitten ins Tor kullern, während Inthema vom Pfosten aus untätig zusah. Uruguay erhöhte seinen Vorsprung dadurch auf 3:1. Uruguay und Südafrika bereiten sich zurzeit auf die U20-WM vor, die vom 25. September bis zum 10. Oktober in Ägypten ausgetragen wird.

mig/sid/dpa


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