Selbstauflösung von "0231-Riot" Hooligan bleibt Hooligan

Nach Razzien hat sich die Dortmunder Hooligan-Gruppe "0231-Riot" aufgelöst und aus der Schusslinie gebracht. Die ehemaligen Mitglieder orientieren sich um - es dürfte sich wenig ändern.

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Vor einigen Tagen hat sich die gewaltbereite und im Umfeld von Borussia Dortmund tätige Hooligan-Gruppe "0231-Riot" aufgelöst. Und dabei auch darauf geachtet, dass es jeder mitbekommt. Identische Schreiben gingen an das Landeskriminalamt, die Polizei, den Verein und an "Faszination Fankurve". Das Portal war auch das erste Medium, das über die Auflösung der Gruppe, die seit 2015 immer wieder durch extreme Gewalt, rechte Provokationen und die Einschüchterung Andersdenkender auffiel, berichtet hatte.

Auch der SPIEGEL bekam ein Schreiben eines Dortmunder Anwalts, in dem die Auflösung der Gruppe mitgeteilt wurde. Die Stellungnahme schließt mit den Worten: "Unser Weg nimmt an dieser Stelle ein Ende."

Doch was zunächst wie eine erfreuliche Nachricht klingt, ist bei näherer Betrachtung eher eine Nullmeldung. Denn weder sind nach der formalen Selbstauflösung die Personen verschwunden, noch deutet irgendetwas darauf hin, dass sie ihren Lifestyle ändern werden. Möglich, dass die Gruppenräume aufgegeben werden, auch möglich, dass sich einzelne Mitglieder in den kommenden Wochen etwas zurückhalten. In der Dortmunder Fanszene gibt es aber kaum jemanden, der davon ausgeht, dass sich nach der pathetischen Erklärung von "0231-Riot" im Alltag irgendetwas ändert. Die Verpackung mag nun anders sein, der Inhalt bleibt der gleiche.

Ziel: Neu sammeln und Zeit gewinnen

Es dürfte sich also bei der angeblichen Auflösung um ein ähnliches Phänomen handeln wie es beim Regionalligisten Energie Cottbus zu beobachten war. Dort, wo die rechte Schlägergruppe "Inferno Cottbus" sich im Mai mit schwülstigem Pathos ("Jene Fanszene, die wir in Trümmern liegend nun hinterlassen") auflöste. Und wo deren Mitglieder, die zum Teil im Alltag der Region längst klassische kriminelle Strukturen bilden, seither genauso aktiv sind wie eh und je. Bei "0231-Riot" mag der Rückzug ernster gemeint sein als in Brandenburg, doch er dürfte vor allem das Ziel haben, sich neu zu sammeln und Zeit zu gewinnen. Zeit, die dadurch allerdings auch die zahlreichen Gegner von "0231-Riot" in der Dortmunder Fanszene gewinnen.

Denn in Dortmund hat die Polizei den Verfolgungsdruck auf die "0231-Riot"-Mitglieder zuletzt deutlich erhöht. Es gab Razzien, Gefährderansprachen, die Privatwohnungen einzelner Mitglieder wurden durchsucht. Wer derart im Visier ist, kommt geradezu zwangsläufig auf die Idee, sich aus der Schusslinie zu nehmen. Zumal die offensichtliche Gruppenstruktur - mit Namen und leicht zu identifizierendem Gruppen-Merch - nicht immer diskret war, wenn man versucht, unter dem Radar von Polizei und Staatsanwaltschaften zu handeln.

Letztere haben seit 2015 ein scharfes Schwert zur Hand, um gegen Hooligan-Gruppierungen vorzugehen. Und zwar in einem Maße, das Bürgerrechtler für bedenklich halten: Hooligans können per se "als kriminelle Vereinigungen" eingestuft werden, befand das Bundesgerichtshof damals. Gruppierungen und Vereinigungen lassen sich seither noch einfacher verbieten als zuvor.

Gewaltszene seit Jahren vernetzt

Wie der WDR berichtet, der sich dabei auf Informationen aus der Dortmunder Ultra-Szene beruft, wird sich "0231-Riot" künftig der Gruppierung "Northside" anschließen. Das muss allerdings nicht auf alle Gruppenmitglieder zutreffen. Denn gute Verbindungen haben "0231-Riot"-Mitglieder auch zu den "Bandidos", auch hier dürften die Bande nach der Auflösung enger werden. Spannend wird sein, ob sich einzelne Mitglieder wieder ihren ehemaligen Gruppen annähern - und wie diese dann darauf reagieren.

So oder so: Im Alltag dürfte sich wenig ändern, denn "Northside", "Bandidos" und "0231-Riot" sind seit Jahren miteinander vernetzt. Beispiel "Northside": Dass sich diese Gruppe eher dem klassischen Hooliganspektrum zurechnen lässt, während die "0231-Riot" aus diversen Ultragruppierungen entstand, ist insofern kein großer Unterschied, als sich die Mitglieder beider Gruppen seit Jahren wie Hooligans verhalten.

Bei der Dortmunder Polizei ist man jedenfalls weit davon entfernt, Entwarnung zu geben. "Wir werden sehr genau beobachten, was in der kommenden Bundesligasaison tatsächlich in den Stadien und im Umfeld geschieht", sagte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange. Es ist das Beste, was die Polizei - Stand jetzt - tun kann.



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
gammoncrack 29.07.2017
1. Angesichts Ihrer Kommentare im allgemeinen
und diesem im speziellen, ist es tröstlich, dass man das nicht ernst nehmen muss. Immerhin schreibt das ein Bewohner einer Stadt, dessen BL-Verein sein Präsidium auch gerne mit Vorbestraften besetzen lässt. Das hat sicherlich Vorbildfunktion für alle anderen Vereine und dessen Anhänger!
grätscher 29.07.2017
2. #1
Aua, zu lange im Englischen Garten den Kopf in die Sonne gehalten, oder wie kommt so ein Kommentar zu Stande?
doppelnass 29.07.2017
3. Überschrift
Ach, der BVB. Der kriegt seine Probleme nicht in den Griff. Kritiker werden mit Hoeneß Tiraden beworfen. Und nichts unternommen. Arbeiterverein an der Börse halt.
Oihme 29.07.2017
4.
Was der BVB mit einem Dortmunder Polizeiproblem und dem Wahlverhalten gewisser Bevölkerungsgruppen zu tun haben soll, wird jetzt nicht ganz klar. Und sonst: War München nicht mal die "Hauptstadt der Bewegung"? Wer im Glashaus sitzt ....
trader_07 29.07.2017
5.
Zitat von OihmeWas der BVB mit einem Dortmunder Polizeiproblem und dem Wahlverhalten gewisser Bevölkerungsgruppen zu tun haben soll, wird jetzt nicht ganz klar. Und sonst: War München nicht mal die "Hauptstadt der Bewegung"? Wer im Glashaus sitzt ....
Ja, der Aki weiß auch nie, weshalb das ein Problem sein soll... man hatte ja noch vor wenigen Jahren wenig Skrupel, Nazis im eigenen Sicherheitspersonal arbeiten lassen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/borussia-dortmund-probleme-mit-nazis-und-hooligans-unter-ordnern-a-872213.html Wie man sieht, hat sich das "Volk" in der Wand der Schande nicht wirklich geändert. Hier ein Bericht des WDR von vor drei Tagen http://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/dortmunder-hooligans-stellen-sich-neu-auf-100.html
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