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Randale nach Streit um Zuglautsprecher: Lautern-Fans beschweren sich über Polizeieinsatz

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Hauptbahnhof in Köln

Auf der Heimfahrt vom Auswärtsspiel wollten Kaiserslautern-Fans ihre Musik über Zuglautsprecher abspielen. Der Zugbegleiter rief die Polizei - der Einsatz eskalierte.

Der 1. FC Kaiserslautern steckt nach der 3:4-Pleite bei Fortuna Düsseldorf im Abstiegskampf der 2. Bundesliga. Doch das ist nicht die einzige schlechte Nachricht, mit der der Traditionsklub umgehen muss. Nach dem Spiel war es am Kölner Hauptbahnhof zu Auseinandersetzungen zwischen 150 Anhängern der Lauterer und der Polizei gekommen, die zwischenzeitlich zu einer Sperrung des Bahnhofs geführt hatte.

Laut "Rot-Weiße Hilfe", einer Solidargemeinschaft zur Unterstützung der FCK-Fans, habe es vor der Eskalation am Bahnsteig einen "unverhältnismäßigen Einsatz" der Polizei beim Eintreffen des Zuges in Köln gegeben. Erste Meldungen besagten, Beamte der Bundespolizei seien mit Mülleimern, Flaschen und einem Feuerlöscher angegriffen worden. Was war also passiert?

Während der Fahrt von Düsseldorf nach Köln, so stellen es sowohl die "Rot-Weiße Hilfe" als auch die Bundespolizei dar, versuchten Fans in einem Dienstabteil über die Lautsprecher des RE 5 auf dem Weg nach Koblenz Musik abzuspielen. Der Zugbegleiter forderte daraufhin polizeiliche Unterstützung an, die in Benrath auf halber Strecke zwischen Düsseldorf und Köln dann auch eintraf. Die Lage blieb ruhig, auch weil die Fans der Lauterer keine weiteren Versuche unternahmen.

Trotzdem soll der Zugbegleiter auch für das Eintreffen in Köln polizeiliche Unterstützung angefordert haben, da er sein Dienstabteil nicht abschließen konnte. Zwei Beamte der Polizei stiegen dann in Köln in den Zug.

Ab diesem Zeitpunkt gehen die Beschreibungen auseinander. Die FCK-Fans sprechen von provozierenden und schubsenden Polizisten, die ohne ersichtlichen Grund sehr schnell zu Pfefferspray im geschlossenen Abteil gegriffen hätten.

Laut der Pressestelle der Bundespolizei-Inspektion Köln sei es zu dem Einsatz des Reizgases gekommen, weil die beiden Beamten nach dem Betreten des Zuges mit Fußtritten und Flaschen angegriffen wurden. Die Polizisten sollen sich daraufhin verletzt zurückgezogen haben, beide mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Zuspitzung schildert die "Rot-Weiße Hilfe" wie folgt: "Als ein Polizist einem Fan an die Hoden griff, eskalierte die Situation", heißt es in einer Stellungnahme. "Die Beamten begannen, Pfefferspray in das vollbesetzte Abteil zu sprühen. Fans verließen panikartig den Zug und wurden auf dem Bahnsteig erneut mit Pfefferspray und Schlagstöcken traktiert. Ebenso wurden Polizeihunde ohne Maulkorb eingesetzt."

Laut Polizei musste der Bahnhof allerdings teilweise gesperrt werden, weil die Fans sehr aggressiv agiert und sich auf den Gleisen bewegt haben sollen. Es wurde Anzeige gegen Unbekannt gestellt, die Auswertung des Videomaterials läuft noch.

Um 18.45 Uhr beendete die zusätzlich gerufene Landespolizei ihren Einsatz, die anschließende Weiterfahrt der FCK-Fans in einem anderen Zug verlief ruhig.

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insgesamt 47 Beiträge
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1. Schmaler Grat
Turbo 21.03.2016
Bei diesen sogenannten Fußball-Fans ist es immer ein schmaler Grat zwischen Provokation und Gewalt. Viele dieser Leute provozieren aus Absicht ohne viel zu machen. Der Unterschied ist eben: während man bei einem großen Teil der Kriminialität als Polizei weitgehend machtlos ist und eher aufpassen muss, dass man selber nicht beschuldigt wird, darf man bei bestimmten Situationen gegen Fußballfans schon mal zuschlagen. Solche Ungleichheiten existieren eben im modernen, pazifistischen Rechtsstaat.
2.
Psych0-B0b 21.03.2016
Wird so gewesen sein wie beim Freundschaftsspiel Union Berlin gegen Austria Salzburg. Zuerst wurde behauptet es gab massive Übergriffe durch Fans. Als der Verein sich hinter seine Fans gestellt hat und auch der Fanbeauftragte von Union unter den geschädigten war, ruderte die Polizei zurück. Plötzlich waren da gar keine Aggressiven Fans mehr. Mein Beileid und gute Genesung für alle geschädigten FCK Fans!
3. Ich kann es nicht mehr hören
Hirndummy 21.03.2016
Der Fussball wäre ein kleines bisschen friedlicher, wenn die Damen und Herren Hooligans begreifen würden - vielleicht manche auch könnten -, dass ihnen weder das Stadion noch die öffentlichen Verkehrsmittel gehören. Nein, seid tapfer, aber die weitausmeisten Menschen beduchen denFussball oder schauen ihn sich im TV an, weil sie FUSSBALL sehen wollen. Nicht wegen iregdwelcher Hüpfdohlenauftritte. Klar, nimmt jeder gerne mit, dieses angebliche Gänsehautgefühl. Da aber die andere Seite dieser Medaille Randale, Sachbeschädigung, Körperverletzung und enormer Sicherheitsaufwand ist, reicht mir gern auch das Fussballspiel hin. Schlimmer wird es dann noch, wenn blablatechnisch ständig der Polizei die Schuld zugeschoben wird, dass sie eine ach so friedliche Zusammenkunft fussballbegeisterter Unschuldslämmer belästigt habe.
4. Nicht zu fassen...
erst_nachdenken 21.03.2016
Es ist doch ganz einfach: Hätten sich die FCK-Anhänger zivilisiert verhalten, wäre erst gar keine Polizei derart auf den Plan gerufen worden. Hinterher auch noch gegen die Polizei zu nölen, finde ich deplatziert.
5. Traditionsverein
Mr Bounz 21.03.2016
Typisch, die sogenannten Traditionsvereine haben die längste Randale Tradition!
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