Kölner Bundesliga-Abstieg "Traurigster Moment der vergangenen Jahre"

Wut auf den Rängen, Fassungslosigkeit bei den Funktionären: Nach dem fünften Abstieg der Vereinsgeschichte herrschen beim 1. FC Köln Trauer und Entsetzen. Doch der dringend nötige Neuaufbau des Clubs in Liga zwei wird schwer. Das Geld fehlt, wichtige Posten sind nicht besetzt. 

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Aus Köln berichtet


Beißende Tränengasschwaden wehten durch die Gänge der leeren Fußballarena, als der fünfte Abstieg des 1. FC Köln bereits eine Stunde lang besiegelt war. Die Spieler waren längst geflüchtet, allein Lukas Podolski wagte sich nach dem Desaster in die Interviewzone. "Für mich ist das einer der traurigsten Momente der vergangenen Jahre", sagte der Nationalspieler, der zum vorerst letzten Mal für seinen Kölner Herzensclub aufgelaufen war. Dann begab er sich noch einmal hinaus, spazierte einsam über den Rasen. Die Kölner hatten doch noch ein Bild aufrichtiger Trauer produziert.

Als der Abstieg mit der hilflosen 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern München feststand, hatten sich dagegen Abgründe aufgetan. Rauchbomben wurden gezündet, dichter, schwarzer Nebel zog auf das Feld, Sicherheitskräfte versammelten sich vor der Südkurve. Und als Schiedsrichter Florian Meyer die Partie abpfiff, sprinteten die Spieler beider Teams fluchtartig in die Kabinen.

"Es ist eine Schande, was hier im Stadion abgegangen ist", sagte Bayern-Stürmer Mario Gomez, "der Schiedsrichter hat uns bereits 30 Sekunden vor dem Abpfiff mitgeteilt, dass wir direkt nach dem Abpfiff rein gehen sollen." Chaoten versuchten den Platz zu stürmen, andere schmähten die Krawallmacher mit Gesängen. Der 1. FC Köln bot wieder einmal ein Bild der Zerrissenheit, "das hat viel Symbolkraft gehabt", sagte der gescheiterte Interimstrainer Frank Schaefer.

"Performance eines Absteigers"

Die Bilder, die von diesem Nachmittag zurückbleiben, werden nicht viel Mitgefühl in Fußballdeutschland wecken. "Wir haben auf dem Platz und zum Teil auch neben dem Platz die Performance eines Absteigers gezeigt", sagte Geschäftsführer Claus Horstmann, nun müsse der FC sich gründlich "erneuern". Und zwar auf fast allen Ebenen.

Der neue Vorstand hat seine Arbeit gerade aufgenommen, der Club muss strenge Auflagen für die Zweitligalizenz erfüllen, die gegenwärtige Mannschaft ist nicht mehr finanzierbar. Aber es wird nicht einfach, die hoch bezahlten Spieler loszuwerden. Und weil längst künftige Einnahmen ausgegeben wurden, dürfen die Kölner den Großteil der angeblich 12 Millionen Euro, die der FC Arsenal für Lukas Podolski überweist, wohl nicht in den Neuaufbau einer Mannschaft investieren. All das erschwert die Suche nach einem Sportdirektor und einem Trainer. Beide Posten sind in Köln vakant.

Schaefer bekräftigte noch einmal seine Entscheidung, nicht für den Posten zur Verfügung zu stehen, er wird den Neuaufbau in einer noch exakt zu definierenden Position mitgestalten. Sicher sei nur eines, sagte der 48-Jährige: "Es wird sehr wichtig werden, dass die Mannschaft ein neues Gesicht bekommt." Schaefer hat schmerzlich erleben müssen, dass dieser Kader dringend frische Impulse braucht.

Nur zwei Punkte aus den vergangenen neun Partien

"Es war eine richtig komplizierte Situation in ganz vielen Bereichen", erwiderte er auf die Frage nach den Gründen für sein Scheitern. Offenbar war die Harmonie im Mannschaftsgefüge gestört, der körperliche Zustand der Profis war nicht bundesligatauglich, es gab in den entscheidenden Wochen der Saison keinen Sportdirektor, der korrigierend einwirken konnte. Zuletzt kämpften dann auch noch unterschiedliche Fraktionen um die Posten im Präsidium, die vergangenen Wochen waren das logische Ende einer Saison im Zustand des Dauerchaos.

Selbst Podolski musste am Ende eingestehen, dass die Kölner "verdient abgestiegen" sind, sie haben die meisten Niederlagen zugelassen (20), die meisten Gegentore kassiert (75) und der Trend am Saisonende war fatal. Nach dem Sieg gegen Hertha BSC Berlin, als die Fußballstadt sich in sicheren Gefilden wähnte, holte der FC nur noch zwei Punkte aus neun Partien. Und man kann noch nicht einmal davon ausgehen, dass der Club aus dem Abstieg lernen wird. Die ersten vier Abstiege haben auch keine besonders heilsame Wirkung entwickelt.



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willi2007 05.05.2012
1. Neuanfang
Die Kölner haben mit Volker Finke den einzigen wirklich kompetenten Mann aus falsch verstandener Solidarität mit dem Trainer Solbakken regelrecht weggemobbt. Solbakken und jüngst Schaefer haben es nicht vermocht, die meisten FC-Spieler auf Bundesliganiveau hoch zu heben. Einzig Podolski und der bedauernswerte Torhüter Rensing waren überdurchschnittlich in einer erschreckend schwachen und nicht bundesligatauglichen Mannschaft. Der Abstieg ist letztlich verdient. Ein Neuanfang in der zweiten Bundesliga wird nicht einfach. Nicht zuletzt weil es kaum einen Trainer von Format geben wird, der sich den 1. FC Köln antut. Und wenn doch, wird er ein hohes Schmerzensgeld sprich Gehalt fordern.
wollebvb 05.05.2012
2. optional
Schade um einen großen Traditionsverein...man muss es leider so sagen: sowohl der 1.FC Köln als auch Hertha hätten den Abstieg verdient - wenn auch nicht so sehr wie der Hamburger SV. Au revoir Äff Zeh - wir werden euch vermissen!
ollux 05.05.2012
3. 1 fc
Kaum zu glauben, wie sich der Club von Platz 11 immer mehr zum Loser entwickelt hat. Hier scheinen noch die Nachwehen der Versäumnisse Solbakkens offensichtlich zu sein, die sich u. a. in nicht vorgenommenen Konditionstrainingseinheiten manifestierten. Man sieht am BVB , dass man nicht unbedingt Weltstars braucht , um die Meisterschale zu gewinnen. Das sollte zu denken geben.
parkerwo 05.05.2012
4. Was nun?
Zitat von sysopGetty ImagesWut auf den Rängen, Fassungslosigkeit bei den Funktionären: Nach dem fünften Abstieg der Vereinsgeschichte herrschen beim 1. FC Köln Trauer und Entsetzen. Doch der dringend nötige Neuaufbau des Clubs in Liga zwei wird schwer. Das Geld fehlt, wichtige Posten sind nicht besetzt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,831571,00.html
Da Podolski keinen vertrag für Liga zwei hatte, kann er doch jetzt ablösefrei nach London oder?
parkerwo 05.05.2012
5. keine sorge.
Zitat von wollebvbSchade um einen großen Traditionsverein...man muss es leider so sagen: sowohl der 1.FC Köln als auch Hertha hätten den Abstieg verdient - wenn auch nicht so sehr wie der Hamburger SV. Au revoir Äff Zeh - wir werden euch vermissen!
Die steigen sicher auch mal wieder auf.
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