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Kölner Matchwinner auf Schalke: Hallo, hier kommt Modeste

Aus Gelsenkirchen berichtet

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REUTERS

Kölner Stürmer Modeste: Ein "komischer Vogel"

Der 1. FC Köln bleibt eine der positiven Überraschungen dieser Bundesligasaison. Auch auf Schalke setzte sich der FC verdient durch. Zu verdanken hat das Team dies auch seinem neuen Stürmerstar.

Peter Stöger verzog keine Mine, als sein Kollege André Breitenreiter den 1. FC Köln nach dem erstaunlichen 3:0-Sieg auf Schalke mit viel Überzeugungskraft in der Stimme kurzerhand zu einer "Top-Mannschaft" erklärte. Eigentlich ist Stöger kein Freund solcher Ovationen, der Kölner Trainer kämpft verbissen gegen jede Form von Überschwang, aber an diesem Tag fehlten ihm schlicht die Gegenargumente.

"Die haben ihre Konter gnadenlos ausgespielt, und das ist kein Zufall", lobte Breitenreiter den FC, der derzeit das vielleicht beste Umschaltteam der Liga ist. Und der König dieses Konterspiels ist Anthony Modeste. Der Franzose hatte auf Schalke vier große Torchancen, er traf wieder einmal zum 1:0 (45.) für die Kölner und ist so etwas wie der Mann für jede Gelegenheit.

Die Mitspieler können ihm den Ball kurz in den Fuß legen, oder steil in den Raum, und wenn man "hinten in der Bredouille" sei, könne man auch einfach das Mittel des langen Schlages wählen, sagte Yannick Gerhardt. "Er immer anspielbereit".

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Fotostrecke: Modeste als Schalker Schreckgespenst
Vor allem jedoch schießt Modeste die ganz wichtigen Tore. Vier Mal ist ihm schon das 1:0 gelungen, was die Kölner in der Regel endgültig in ihre Paraderolle als kompakt stehende Kontermannschaft versetzt. Auch deshalb sind Modestes Tore so wertvoll, und diese Partie auf Schalke war wie gemalt für den 27-Jährigen. Denn hier konnte er auch als Zerstörer glänzen.

Plan von Stöger ist perfekt aufgegangen

Die Schalker versuchten das Spiel zu machen, der Franzose hatte den Job, Johannes Geis an der Spieleröffnung zu hindern. Dieser Plan ist perfekt aufgegangen. So waren die weniger spielstarken Innenverteidiger Roman Neustädter und Joel Matip gezwungen, den ersten Ball ins Mittelfeld zu passen, was der Qualität der Angriffe gar nicht zuträglich war.

"Jeder, der den Ball hatte, wusste nicht, wohin damit", fasste Innenverteidiger Roman Neustädter die Probleme seines Teams in einem Satz zusammen, und das lag nicht zuletzt an Modestes geschickten Laufwegen. Fast schon magisch ist aber, wie der Franzose die Pässe der Mitspieler antizipiert. Oft steht er im Moment des Abspiels deutlich ungünstiger als sein Gegenspieler, in den Sekunden danach bewegt er sich dann aber so geschickt, dass er doch an den Ball kommt.

In den acht Bundesligapartien hat er nun schon sechs Mal getroffen, hinzu kommen drei Tore im Pokal, und in sieben der acht Ligaspiele war er an mindestens einem Tor beteiligt. Diesen Spieler für 4,5 Millionen Euro von 1899 Hoffenheim verpflichtet zu haben, ist einer der größten Coups des Transfersommers in der Bundesliga. Und viele Experten staunen darüber, dass der Abstiegskandidat aus dem Kraichgau diesen Fußballer für solch eine vergleichsweise kleine Summe ziehen ließ.

Denn in Köln spielt Modeste derart konstant auf höchstem Niveau, dass sich so langsam auch die Frage nach der Nationalmannschaft stellt. "Wenn ich viele Tore schieße, dann wird das auch dem französischen Nationaltrainer Didier Deschamps nicht entgehen. Die EM wäre ein Traum", hat er vor einiger Zeit mal in einem Interview mit dem "Kölner Express" gesagt. Dass sich dieser Traum erfüllt, ist angesichts der hochklassigen Konkurrenz aber eher unwahrscheinlich, zumal Stürmer dieser weniger filigranen Art von den meisten Trainern eher dominant spielender Teams nicht so sehr geschätzt werden.

Sportdirektor Schmadtke gerät ins Schwärmen

Die Kölner können hingegen kaum glauben, wie wertvoll ihr Königstransfer praktisch auf Anhieb geworden ist. Dass Modeste sich regelmäßig Chancen erspiele, habe er schon erwartet, sagte Stöger, "das ist seine Qualität, dass er aber immer trifft, ist schon ein bisschen überraschend". Und Jörg Schmadtke geriet geradezu ins Schwärmen, als er auf den Mann angesprochen wurde, dessen Vorfahren einst aus Martinique nach Frankreich auswanderten: "Er ist extrem robust, hat ein gutes Tempo und ist in der Luft kaum zu verteidigen", sagte der Manager. Und "er ist in der Lage, die Bälle gezielt weiterzuleiten, so verschafft den Mitspielern viele Räume".

Diese Fähigkeit, schwer zu verarbeitende Anspiele so auf die Mitspieler weiterzuleiten, dass kein Tempo verloren geht, ist ein zentrales Geheimnis des Kölner Konterfußballs. Kein Wunder also, dass die Mitspieler ihren neuen Kollegen lieben.

Gerhardt beschreibt Modeste als "komischen Vogel", wobei die Scherze des Kollegen mitunter recht verwirrend seien. "Er schreit im Bus irgendwas, man versteht noch nicht mal die Hälfte davon", berichtete Gerhardt, aber so ist das wohl mit diesem Fußballer.

Auch auf dem Platz bleibt oft unverständlich, wie sich ein Typ mit diesen oft hölzern wirkenden Bewegungen derart geschickt durchsetzen kann. Der Unterhaltungswert dieses Spielers ist jedoch ohne jeden Zweifel sehr, sehr groß.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Inkompetente Hoffenheimer
petruz 05.10.2015
Wer einen Modeste für so wenig Geld abgibt und dafür einen viel zu alten Kuranyi holt, der muss sich nicht wundern, warum man unten in der Tabelle steht. Deswegen wird Köln oben und Hoffenheim unten mitspielen, denn nur Volland wird irgendwann auch nicht mehr reichen. Es ist in diesem Fall ja auch nicht so, dass Modeste "plötzlich explodiert" nach einem Vereinswechsel, wie es ja oft vorkommt. Modeste hatte in Hoffenheim ja durchaus angedeutet, dass er nicht so schlecht ist, aber er hatte da halt keinen Stammplatz. Glückwunsch zum inkompeten Management und Trainerteam, Herr Hopp. Aber zum Glück ist das so, denn uns allen sollte es lieber sein, wenn Dorfvereine absteigen und die Traditionsvereine wieder besseren Zeiten zusteuern.
2. Super Entwicklung
ftb7 05.10.2015
hätte ihm das nicht unbedingt zugetraut. Man sieht wieder, dass der Schmadtke einer der besten manager in der Bundesliga ist.
3. Hölzern, ungelenk,...
bört 06.10.2015
...aber wahnsinnig effektiv? Da gibt's noch einen, heißt glaube ich Müller, oder so ähnlich. :)
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