Kölner Sieg gegen Gladbach Ja, der FC lebt noch

Was für ein Debüt von Simon Terodde! Der neue Stürmer des 1. FC Köln sichert in der Nachspielzeit den zweiten Saisonsieg. Dabei passt er gar nicht zur Spielidee von Trainer Stefan Ruthenbeck.

Kölner Torjubel mit Simon Terodde
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Kölner Torjubel mit Simon Terodde

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Kölner Taschenrechner: Der 1. FC Köln bemühte in der Winterpause die Erinnerung an die Rettung des FC Augsburg in der Saison 2012/2013. Damals stand das Team des damaligen Trainers Markus Weinzierl nach der Hinrunde mit neun Punkten am Tabellenende, gewann dann noch sieben Partien und schaffte den Klassenerhalt. Der FC geht mit sechs Punkten in die Rückrunde, der Rückstand auf den Relegationsplatz ist allerdings deutlich größer als beim FCA vor fünf Jahren. Und trotzdem gibt es nicht wenige Kölner, die an das Wunder glauben. Erst recht nach dem ersten Schritt im Derby gegen den großen Rivalen Borussia Mönchengladbach.

Das Ergebnis: Der FC siegte durch ein spätes Tor in der Nachspielzeit 2:1 (hier geht es zum Spielbericht) - es wird weiter gerechnet in der Domstadt.

Erste Hälfte: Vor dem Spiel hatte der neue Trainer Stefan Ruthenbeck in einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" seine persönliche Marschroute vorgegeben: "Ich kann zwar kein Ergebnis garantieren. Aber Vollgas, dafür stehen wir." Was nach Jürgen Klopp klang, mündete in einer verhaltenen Leistung mit klarem Augenmerk auf defensive Stabilität. Der FC kam auf drei Torschüsse, die Borussia auch nur auf sieben und so fiel eben nur ein Tor. Für die Kölner, passend zum Spielverlauf nach einer Standardsituation (34. Minute).

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Sieg im Rheinderby: Köln feiert Winterzugang Terodde

Der eine Terodde: Der Torschütze hieß nicht Simon Terodde, obwohl der Freistoß von Milos Jojic wie gemalt für den im Winter gekommenen Angreifer Richtung zweiten Pfosten flog. Dort stand aber Frederik Sörensen und drückte den Ball über die Linie. Hoffnungsträger Terodde blieb im ersten Durchgang ohne Torschuss, was natürlich auch an der defensiven Ausrichtung des FC lag. Köln wollte über Konter zum Erfolg kommen, was mit dem robusten, kopfballstarken und nicht allzu schnellen Terodde schwierig ist. Warum genau wurde also ein solcher Stürmertyp verpflichtet?

Chaoten stürmten in der Pause auf den Rasen
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Chaoten stürmten in der Pause auf den Rasen

Verhinderter Platzsturm: In der Vergangenheit kam es im Derby immer mal wieder zu Zwischenfällen der rivalisierenden Fangruppen - man erinnert sich noch lebhaft an in Maleranzügen vermummte Kölner Ultras, die 2015 den Platz stürmten. Diesmal kletterten in der Pause wieder Anhänger aus beiden Lagern über die Zäune und liefen auf den Platz, wurden vom Sicherheitspersonal aber schnell zurückgedrängt. Eine Eskalation blieb aus.

Zweite Hälfte: Mit dem für Vincenzo Grifo eingewechselten Raffael wurde das Spiel der Gladbacher zielstrebiger. Es war auch der Brasilianer, der im zweiten Versuch den Ball zum Ausgleich unter die Latte schoss (69.). Der FC stand defensiv nicht mehr so sicher, traute sich dafür in der Offensive etwas mehr zu. Das Spiel wurde offener, aber ein Punkte wäre für den Tabellenletzten zu wenig gewesen.

Und wieder mal der Videobeweis: Dass es in der Nachspielzeit überhaupt noch die Chance auf den Siegtreffer für die Kölner gab, lag auch an Schiedsrichter Felix Zwayer. In der 86. Minute wurde der eingewechselte Jonas Hofmann von Thorgan Hazard im Strafraum freigespielt, setzte den Schuss aus spitzem Winkel jedoch knapp am Tor vorbei. Allerdings rauschte einen Bruchteil später Jorge Meré in die Beine von Hofmann - ein klares Foulspiel. Zwayer schaute sich die Situation nach Intervention des Videoassistenten persönlich an, blieb aber bei seiner ursprünglich gefällten Entscheidung, nicht auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Warum auch immer.

Der andere Terodde: In der fünften Minute der Nachspielzeit lieferte Simon Terodde die Antwort auf die Frage, warum der FC den Angreifer verpflichtet hat. Terodde verlängerte eine Flanke von Konstantin Rausch mit dem Kopf ins lange Eck - und sorgte für eine Explosion im Kölner Stadion. Am kommenden Spieltag reist der FC zum Vorletzten HSV und kann mit einem weiteren Sieg bis auf drei Punkte an die Hamburger heranrücken.

1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach 2:1 (1:0)
1:0 (34.) Sörensen
1:1 (69.) Raffael
2:1 (90.+5) Terodde
Köln: Horn - Sörensen, Meré, Heintz, Hector (72. Rausch) - Özcan, Höger - Klünter, Jojic (79. Guirassy), Zoller (62. Clemens) - Terodde.
Gladbach: Sommer - Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt - Kramer (67. Cuisance), Zakaria - Herrmann (81. Hofmann), Stindl, Grifo (46. Raffael) - Hazard.
Schiedsrichter: Zwayer
Gelbe Karten: Klünter, Terodde - Ginter, Kramer, Zakaria
Zuschauer: 49.000



insgesamt 7 Beiträge
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Skakesbier 14.01.2018
1. Ein Heimsieg
gegen Mönchenplattbach ist 'gefühlt' eh 15 Punkte wert. Vor allem aber: Es stand endlich mal wieder eine MANNSCHAFT auf dem Platz! Weiter so, und der Allererste Effzeeh schafft's vielleicht doch noch!!
starboy 14.01.2018
2. Unfassbarer Sieg
Köln mit dem allerletzten Anti-Fussball und Gladbach zu naiv um Spielzüge vernünftig zuende zu spielen. Das beste Beispiel war 40 Sekunden vor dem 2-1 verdaddelt Hazard mit einer verunglückten Hacke im Kölner 16er und dann Kontern die Kölner das erste Mal vernünftig. Ansonsten haben die Kölner nicht einen einzigen durchdachten Spielzug zustande bekommen. Die Trainer der nächsten Gegner sollten bei ihren Spielern alle Sinne schärfen wenn es gegen Köln geht. Gladbach dachte sie nehmen die 3 Punkte im vorbeigehen mit, aber Köln kann kämpfen wenn sie sonst nichts können.
jdlaw 14.01.2018
3. Elfer und Videobeweis
„Zwayer schaute sich die Situation nach Intervention des Videoassistenten persönlich an, blieb aber bei seiner ursprünglich gefällten Entscheidung, nicht auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Warum auch immer.“ - GANZ EINFACH: Weil der Ball im schon im Aus war, als der Kontakt erfolgte. Also alles korrekt. Was daran unklar sein soll, ist mir ein Rätsel. Und Cramer hatte Glück, nicht mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen.
schattengott 14.01.2018
4.
Warum es keinen Elfer gab? Weil der Gladbacher schon abgeschlossen und der Ball beim Kontakt im Aus war. Wenn Sie die Artikel mit der heißen Nadel schreiben, dann schauen Sie sich doch wenigstens die Szenen an, über die Sie da parlieren. Köln hat nun wahrhaftig genug Benachteiligung durch den Videobeweis erlitten.
kopi4 14.01.2018
5.
@starboy Die Kölner werden mit Recht sagen das sie in der Hinrunde nicht selten guten Fußball gezeigt haben. Wenn sie jetzt mit „Anti-Fußball“ Punkte einfahren haben sie ein erfolgreicheres Konzept gefunden.
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