Stögers Rückkehr nach Köln Jetzt bloß keine Nostalgie

Für die Fans war Peter Stöger ein Held - er hat den 1. FC Köln zurück nach Europa geführt. Jetzt kommt er mit dem BVB ins Müngersdorfer Stadion. Das fühlt sich nicht nur für ihn komisch an.

Peter Stöger
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Peter Stöger

Aus Köln berichtet


Lange hat Peter Stöger die Nadelstiche aus Köln mit Gelassenheit weggelächelt. Aber offenbar berühren ihn die Vorwürfe mehr als er sich zunächst anmerken ließ. Nachdem der BVB diese Woche den langjährigen Kölner Torwarttrainer Alexander Bade unter Vertrag genommen hat, setzte Stöger selbst einen kleinen Seitenhieb: Da man in Köln keinen Wert mehr auf ihn lege, "haben wir die Möglichkeit genutzt, ihn zu holen".

Auf den ersten Blick klingt dieser Satz harmlos, doch für aufmerksame Kölner war die Botschaft hinter diesen Worten nicht zu überhören: Wie können der neue Trainer Stefan Ruthenbeck und der neue Sportdirektor Armin Veh nur so fahrlässig sein, freiwillig auf so einen wertvollen Mann verzichten?

Bade war mit Unterbrechungen rund 20 Jahre als Spieler und Trainer beim FC, er ist ein Held der Südkurve. Es gab Trainerwechsel, Präsidentenrücktritte, Sportdirektorenentlassungen, Ab- und Aufstiege. Die Konstante war Bade als Torwarttrainer, loyale Integrationsfigur, Spielanalyst und kluger Berater.

Nun kehrt er gemeinsam mit Stöger in Schwarz-Gelb nach Müngersdorf zurück, natürlich ist das nicht nur für ihn selbst ein komisches Gefühl, sondern auch für viele Zuschauer. Dass Bade selbst zur Auffassung gelangte, nicht im neuen Kölner Trainerteam weiterarbeiten zu wollen, ließ Stöger übrigens unerwähnt. Es geht schließlich um Deutungshoheiten und Gefühle.

Stöger: "Ich bin jetzt beim BVB, dazu stehe ich."

Und Erinnerungen. Mit Stöger erlebte der FC seine besten Jahre seit Langem. Im immer gleichen Kapuzenpullover stand der Trainer an der Seitenlinie. Nun trägt er die schwarz-gelbe Baseballkappe. Es gibt derart viele Kölner, die dieses Bild schmerzt, dass Stöger sich zuletzt sogar im "Express" rechtfertigte. Der Klamottentausch sei ihm "ganz und gar nicht leicht" gefallen, sagte er: "Aber was hätte ich sonst tragen sollen? Ich bin jetzt beim BVB, dazu stehe ich."

Stöger als Kölner und als Dortmunder
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Stöger als Kölner und als Dortmunder

Der Kölner Sportdirektor Veh arbeitet derzeit mit großer Beharrlichkeit daran, in Köln den Mythos der Stöger-Jahre zu vertreiben. Damit will er die emotionale Verwirrung auflösen und den neuen Trainer Stefan Ruthenbeck schützen. Immer wieder spricht Veh Versäumnisse des Österreichers an: Ruthenbeck "kann nichts für den Zustand der Mannschaft, er kann nichts für die 13 Verletzten, das hat schon der Vorgänger zu verantworten", hatte Veh gleich nach seiner Ankunft beim Tabellenletzten erklärt.

In dieser Woche bekräftigte er noch einmal, dass "etwas in der Trainingssteuerung schiefgelaufen sein muss" und deutete an, dass Stöger womöglich viel früher selbst hätte zurücktreten müssen: "Wenn man weiß, dass es schwer wird, sollte man konsequent sein", sagte Veh.

Kein Wunderheiler

Mit solchen Anspielungen mag der langjährige Bundesligatrainer nostalgische Anhänger verärgern, aber natürlich steckt hinter seinem Vorgehen eine Idee. Es hat noch keinem Klub gutgetan, in einer wichtigen sportlichen Phase emotional den guten alten Zeiten hinterherzuhängen. Veh entzaubert die Vergangenheit, um Raum für eine Zukunft zu schaffen, die bestenfalls mit dem Wunder des Klassenerhaltes beginnen soll. Und dabei hilft auch all der Ärger, mit dem die Dortmunder sich in den vergangenen Wochen herumplagen mussten.

Selbst die größten Stöger-Fans konnten sehen, dass der 51-Jährige kein Wunderheiler ist. Der BVB wirkt alles andere als befreit. Pierre-Emerick Aubameyang wollte trotz dieses ebenso menschenfreundlichen wie empathischen Trainers lieber nach London wechseln, und fußballerisch hakt es in allen Mannschaftsteilen.

Die Dortmunder befinden sich im Krisenmodus, während die Kölner sich in Folge des Trainerwechsels und spätestens mit dem Sieg in Hamburg in einen kleinen Erfolgsschwips hineingespielt haben. Außerdem ahnt am Rhein mittlerweile jeder aufmerksame Beobachter, wie angespannt Stögers Verhältnis zum ehemaligen Sportchef Jörg Schmadtke und dem Vorstand um Präsident Werner Spinner zuletzt gewesen sein muss. Der Boulevard fördert unaufhörlich Neues zu Tage.

Der Klub hat es aber inzwischen einigermaßen geschafft, sich von der bitteren Hinrunde zu entgiften. Ein Sieg gegen Stöger wäre da noch mal etwas ganz Besonderes. Auch der BVB-Trainer sagt erwartungsgemäß, die Rückkehr ins Müngersdorfer Stadion sei "kein Spiel wie jedes andere. Dazu war ich zu lange da, und dazu fühle ich mich dort zu wohl".

Stöger wohnt zwar immer noch in Köln, pendelt oft, seine Dortmunder Nächte verbringt er im Hotel. Aber es ist inzwischen eher eine Liebe zu der Stadt am Dom und ihren Menschen als zum Klub mit dem Geißbock.



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Seite 1
johnnygpunkt1995 02.02.2018
1.
Kaum ist Stöger weg vom Effzeh schon spielen sie besser. Vielleicht hat Stöger einfach abgenutzt.
Crom 02.02.2018
2.
Zitat von johnnygpunkt1995Kaum ist Stöger weg vom Effzeh schon spielen sie besser. Vielleicht hat Stöger einfach abgenutzt.
Wenn ich mir die letzten Spiele so ansehe, hat man allerdings auch das Glück, was in der Hinrunde noch das Pech war. Mal schauen, ob der Abstiegskampf noch einmal spannend wird.
extra330sc 02.02.2018
3. Wie in alten Zeiten
Dass die kölsche Lokalpostille fast stündlich immer neue Spekulationen über den Effzeh verbreitet, die oft wenig bis nix mit der Realität zu tun haben, kennt man ja zur Genüge und hat schon einige Trainer in Köln weichgeklopft. Das war in der Vorstögerära so und ist danach eher noch schlimmer geworden. Dass Veh schon Stunden nach seinem Arbeitsbeginn Stöger als alleinigen Schuldigen der Misere ausgemacht hatte, zeugt auch nicht gerade von Stil. Stilvoll und souverän war die Trennung von Schmadtke und später vom Trainerteam nun auch nicht wirklich. Was tatsächlich zw. Stöger und Schmadtke schief lief, wissen nur die Beiden. Ich bin mir sicher, dass Stöger und Co. heute adäquat und ohne Zorn in Müngersdorf empfangen werden. Ich hoffe, dass der Effzeh heute gut und erfolgreich spielt und wünsche Stöger und Co. ansonsten beim BVB und auch sonst nur das Beste. Come on Effzeh!
Sal.Paradies 02.02.2018
4. WIrd der Wunsch endlich Wirklichkeit?
Im heutigen Newsletter steht: ""Ein Dreier ist in dieser Phase enorm wichtig“ und das kann ich nur unterschreiben. Allerdings hatten in den letzten 4 Wochen faktisch alle Newsletter diesen Wortlaut, mit welchem Ergebnis, muss an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Kann der BVB den Remis-Fluch im Schatten des Doms endlich beenden? Was geschieht, wenn die Schwarz-Gelben in der Domstadt verlieren? Batshuayi könnte in der Startelf stehen und auch Mario und Christian werden wohl von Anfang an spielen, was ein wenig Mut macht. Einerseits wünsche ich dem EffZee jeden Punkt, aber hier und heute muss Schluß sein mit milden Gaben. Herr Stöger..bitte übernehmen Sie.... ;-)
pansenhans75 02.02.2018
5. Egal
Stöger als Mensch und als Trainer hat meinem Fc eine auf allen Ebenen erfolgreiche Phase gegeben! Er wird immer ein Teil von Köln und dem Fc bleiben ! Ein großer Trainer und toller Mensch! Danke Peter! Aber die Punkte bleiben heute bei uns
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