1. FC Nürnberg Lieber bieder als 2. Liga

Pokalsieger, Fahrstuhlverein, graue Maus: Der 1. FC Nürnberg hat viele Gesichter. Nach zwei zehnten Plätzen erwarten die Fans für die kommende Saison ein bisschen mehr. Manager Martin Bader bleibt entspannt. Schließlich hat er einen hoffnungsvollen Stürmer gekauft.

DPA

Es war einer der wenigen Glücksmomente der vergangenen Saison. Als der 1. FC Nürnberg am 12. Spieltag 1:1 gegen den übermächtigen FC Bayern München spielte, staunten die Fans nicht schlecht. Doch das war es dann auch schon mit echten Höhepunkten, vom 3:0 gegen den FC Schalke mal abgesehen. Am Ende erzielte der Club 39 Tore in 34 Spielen. Macht 1,15 Tore pro Partie. Zwar stand der 1.FCN kein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz, mutete seinen Fans aber einiges zu. Die Leistungen waren oftmals bieder und alles andere als attraktiv. Für Schlagzeilen sorgten andere Vereine.

Doch das stört Club-Manager Martin Bader nicht, im Gegenteil. Das Motto in Nürnberg könnte lauten: "graue Maus und Spaß dabei". "Wenn man mit 'graue Maus' einen Verein meint, der solide wirtschaftet und mal für den ein oder anderen Farbtupfer sorgt, dann unterschreibe ich das", sagt Bader SPIEGEL ONLINE und lacht.

44 Punkte holte Nürnberg 2012/2013. Die reichten für Platz zehn, auf dem der Verein zum zweiten Mal in Folge landete. Der Klassenerhalt wurde bereits zwei Spieltage vor Ende der Saison gesichert. "Wenn wir nächstes Jahr wieder 44 Punkte haben, dann bin ich stolz auf die Mannschaft und auf alle, die mitgeholfen haben", sagt Bader.

Klassenerhalt hat Priorität

Die Platzierung im Mittelfeld der Liga passt daher zum gegenwärtigen Selbstverständnis des FCN - zumindest wenn es nach Bader geht. Langsam, Schritt für Schritt soll sich der Verein weiterentwickeln. Der Nichtabstieg steht noch immer über allem. "Ich gehe lieber etwas zurückhaltend in die Saison und versuche, positiv zu überraschen", sagt Bader. Die Katastrophe von 2008, als Nürnberg als amtierender DFB-Pokal-Sieger abstieg, hat der gebürtige Schwabe noch immer im Hinterkopf.

"Der Verein lebt in diesen Extremen. Als Meister abgestiegen, als Pokalsieger abgestiegen, Phantomtor - wir haben alles mitgenommen in unser Historie", so Bader. "Und wenn wir jetzt mal ein, zwei Jahre weniger Aufregung haben, dann ist das gar nicht verkehrt."

Um zumindest im gegnerischen Strafraum wieder für mehr Aufregung zu sorgen, hat Nürnberg Stürmer Daniel Ginczek von Borussia Dortmund verpflichtet. Der 22-Jährige war in der vergangenen Saison an den FC St. Pauli ausgeliehen und erzielte 18 Tore für die Hamburger in der zweiten Liga.

Investitionen in die Infrastruktur

Der Verein verfolgt damit weiterhin seine Strategie, junge Talente zu verpflichten, die dort den nächsten Schritt gehen sollen. "Julian Schieber, Ilkay Gündogan, Phillip Wollscheid, Mehmet Ekici - das waren alles noch keine etablierten Bundesliga-Spieler, als sie hierher kamen. Beim FCN sind sie zu herausragenden Bundesliga-Spielern geworden. Das ist unser Argument", so Bader.

Auch wirtschaftlich konsolidiert sich der Club, der in der Vergangenheit immer wieder mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Nürnberg hat keine Verbindlichkeiten, sieht sich, was die Infrastruktur angeht, auf einer Stufe mit den Konkurrenten aus Stuttgart, Hannover oder Frankfurt: Seit 2011 gibt es ein modernes Jugendleistungszentrum, die Geschäftstelle wurde ebenfalls erneuert. Lediglich in Sachen Stadion ist Nürnberg noch im Nachteil gegenüber vielen Bundesliga-Vereinen: Es gibt nur wenige Logen, die Erlösmöglichkeiten sind nahezu ausgeschöpft.

Aber der Verein ist auf einem guten Weg, konnte es sich sogar leisten, ein Angebot für Mittelfeldspieler Hiroshi Kiyotake von Aston Villa über geschätzte zehn Millionen Euro abzulehnen. Das Ausscheiden in der ersten Runde des DFB-Pokals passt Bader dagegen gar nicht: "Es ärgert uns richtig, weil wir vieles wieder kaputtgemacht haben, was wir in der Vorbereitung aufgebaut haben."

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
p.donhauser, 08.08.2013
1. fcn
derGlubb immer für eine überraschung gut
mackeldei 08.08.2013
2. Auch Kießling
Auch Bundesliga-Torschützenkönig Kießling musste vor einigen Jahren vom Club nach Leverkusen verkauft werden.
gg72 08.08.2013
3.
Ich finde, der Verein hat in den letzten zwei/drei Jahren den richtigen Weg eingeschlagen. Die Erfolge werden schon noch sichtbar werden in den nächsten Jahren. Weiter so Mr. Bader!
mschoellmann 08.08.2013
4. Keine Loge?
Zugegeben, es sind nicht sehr viele, aber auf der Seite der Haupttribüne hat das Frankenstadion durchaus ein paar Logen. Sicherlich ist die Anzahl nicht vergleichbar mit anderen Stadien, aber ein SPON Artikel sollte besser recherchiert sein.
eu-citizen 08.08.2013
5. Passt scho
Eine solide Mannschaftsleistung, ohne spektakuläre Spieleräußerungen und sonstige Ausrutscher in den Medien. Das ist wichtig. Exzentriker können sich die Großen leisten, der FCN kann es nicht. Es würde nur die Mannschaft zerstören. Also weiter wie bisher, still und leise aber mit konstanter Leistung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.